Bezirksgericht Zurzach

Schuldenberg nach Raserfahrt: Deutscher dachte, Tempolimit gilt beim Überholen nicht

Halsbrecherisches Manöver bei über 140 km/h: Ein 22-Jähriger muss dafür nun büssen.

Halsbrecherisches Manöver bei über 140 km/h: Ein 22-Jähriger muss dafür nun büssen.

Ein junger Deutscher war zwischen Leibstadt und Schwaderloch 62 km/h zu schnell unterwegs. Nun muss sich der 22-Jährige vor dem Bezirksgericht Zurzach verantworten – seine Zweifel am Messgerät werden widerlegt.

Simon (Name geändert) war ein unbescholtener 20-Jähriger, als es geschah. Heute ist er knapp 22, vorbestraft und hat einen Berg von Schulden am Hals. Im Februar letzten Jahres war sein Leben innert einer Minute durch Selbstverschulden aus den Fugen geraten. Simon ist ein unauffälliger junger Mann, schlank, das Gesicht noch fast knabenhaft, ordentlicher Haarschnitt, Jeans, graues Shirt.

An jenem Montag war er am Steuer seines Seat Leon auf der Rheintalstrasse von Leibstadt in Richtung Schwaderloch unterwegs. Welcher Teufel mag ihn geritten haben? Fakt ist, dass er auf der Ausserortsstrecke drei vor ihm fahrende Personenwagen überholte und dabei die erlaubten 80 km/h massiv überschritt: Toleranzbereinigte 62 km/h zu viel registrierte das Lasergerät eines ad hoc Kontrollpostens der Mobilen Einsatzpolizei. Nun musste sich Simon vor dem Bezirksgericht Zurzach verantworten.

Unfall mit Schwerverletzten oder Toten riskiert

Sein Vergehen fällt klar unter den sogenannten «Raserartikel». Entsprechend forderte der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe: 16 Monate bedingt mit dreijähriger Probezeit; dazu 2000 Franken Busse sowie eine dreijährige Landesverweisung. Der Beschuldigte habe einen Unfall mit Schwerverletzten oder Toten riskiert und dabei nicht nur sich selbst, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer erheblich gefährdet.

Zu Beginn der Verhandlung hatte der Verteidiger fünf Beweisergänzungsanträge gestellt – ebenso betreffend Ordnungsmässigkeit des Messgeräts wie die Qualifikation der Polizeibeamten. Das Gericht unter Vorsitz von Präsident Cyrill Kramer lehnte die Anträge ab. Als Zeuge hatte es mit Adj Michael Schibler den Dienstchef der Mobilen Einsatzpolizei aufgeboten. Er beantwortete Kramers Fragen zu den Lasergeräten, regelmässige Tauglichkeitstests, korrekte Handhabung sowie die Anforderungen, respektive Ausbildung an die mit den Geräten arbeitenden Beamten.

Wohnen in der Schweiz, Lehre in Deutschland

Simon lebt seit vier Jahren in der Schweiz und wohnt bei seinen Eltern. Seine Verkäuferlehre – «als Einzelhandel-Kaufmann» – absolviert er ennet dem Rhein. Als Zubrot zu den 850 Euro Lehrlingslohn bietet er über seinen eigenen Server Computer-Dienstleistungen an. «Ich dachte, die Geschwindigkeitsbegrenzung gelte beim Überholen nicht», meinte er bei der Befragung.

Ferner hielt er fest, in jenem Moment gedacht zu haben «zirka 120 oder 130 km/h schnell» gefahren zu sein. Auf die Frage, warum er denn das Protokoll der Überschreitung von 62 km/h unterschrieben habe, hatte er keine Antwort, rang er sich jedoch zu einem «es tut mir leid, dass ich so schnell gefahren bin».

In seinem Plädoyer liess der Verteidiger sowohl am Messgerät, als auch an den beiden kontrollierenden Beamten kein gutes Haar. Gebetsmühlenartig wiederholte er seine vielfachen Zweifel an Maschine und Mensch und mündete im Antrag auf Freispruch. Als Eventual-Antrag bei einem Schuldspruch fügt er «höchstens 12 Monaten Freiheitsstrafe» an.

Fast 14000 Franken Schulden

Simon wurde schuldig gesprochen und der Antrag des Anklägers auf 16 Monate Freiheitsstrafe, bedingt auf zwei* Jahre, bestätigt. «Die von der Verteidigung, teilweise auch aktenwidrig, vorgebrachten Zweifel am Messgerät wurden vom sachkundigen Zeugen Schibler glaubwürdig widerlegt», so der Gerichtspräsident.

Auf eine Landesverweisung wurde verzichtet; die Busse auf 1200 Franken reduziert. Diese muss Simon bezahlen – ebenso die Untersuchungskosten, Anklage- und Gerichtsgebühr sowie die Kosten für den amtlichen Verteidiger in Höhe von knapp 8000 Franken. Summa summarum ist er nun mit Schulden von 13772.80 Franken konfrontiert.

*In der ersten Version dieses Textes stand, dass die Probezeit drei und nicht zwei Jahre dauert. 

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