Die Schullandschaft im nordöstlichen Zurzibiet steht vor einem radikalen Umbruch: Kaiserstuhl und Fisibach planen, ihre Kinder per Schuljahr 16/17 im Kanton Zürich zur Schule zu schicken. Damit würden die Gemeinden auch aus den Verbänden der Kreisprimarschule Belchen (Kindergarten, Primarschule) und der Kreisschule Rheintal-Studenland (Oberstufe) austreten.

Die Probleme der Kreisprimarschule: Schwankende Schülerzahlen, eine schwierige Organisationsstruktur mit dezentralen Standorten sowie die Tatsache, dass die vom Kanton neu geforderte Mindestgrösse von 14 Schülern pro Abteilung nicht mehr überall erfüllt werden kann. Mehrere Arbeitsgruppen haben sich in den einzelnen Gemeinden um Lösungen bemüht – Kaiserstuhl und Fisibach sehen ihr Glück ennet der Kantonsgrenze.

Anfassen erlaubt: Das Kindergartengebäude in Weiach hat eine Fassade aus Kunstrasen und soll bald auch Zurzibieter Kindern offen stehen.

Anfassen erlaubt: Das Kindergartengebäude in Weiach hat eine Fassade aus Kunstrasen und soll bald auch Zurzibieter Kindern offen stehen.

Letzte Woche informierte der Stadtrat Kaiserstuhl über das Vorhaben, die Kinder künftig nach Weiach in die Primarschule schicken zu wollen. Die Oberstufe würden sie später in Stadel besuchen, das Gymi in Bülach. Laut Vizeammann Susanne Suter Böhm wurde dieser Vorschlag von den Einwohnern positiv aufgenommen. Der Gemeinderat werde an der nächsten Sommergmeind einen entsprechenden Antrag stellen.

Standort Kaiserstuhl zu teuer

Am liebsten wäre den Kaiserstuhlern zwar gewesen, die ganze Kreisprimarschule Belchen zentral im dorfeigenen Schulhaus Blölebode zu führen. Das hätte aber derart hohe Investitionen erfordert, dass sich die finanziell ohnehin schwache Gemeinde über Jahrzehnte massiv hätte verschulden müssen – von 13 200 Franken pro Einwohner ist die Rede, der Kanton empfiehlt ein Maximum von 2500 Franken.

Aber gerade der Kanton, respektive das Departement Bildung, Kultur und Sport, schlug die Bitte Kaiserstuhls um einen finanziellen Zustupf für neuen Schulraum ab. Auf positives Echo stiess jedoch die Frage, ob man die Schüler stattdessen im Kanton Zürich unterrichten lassen könnte.

Für den Kaiserstuhler Stadtrat ist also klar: Wenn die Stimmbürger einverstanden sind, wird der Schulstandort Kaiserstuhl definitiv geschlossen. Was mit den Schulgebäuden passiert, wisse man noch nicht, sagt Suter Böhm.

Am Montagabend informierten auch in Fisibach Vizeammann Roger Berglas und Corinne Jakob über die Ergebnisse der Arbeitsgruppe. Sie legten den rund 40 Interessierten dar, weshalb für Fisibach nur zwei Lösungen denkbar sind: Entweder: ein Verbleib in den bisherigen Schulverbänden mit den Schulstandorten Wislikofen/Rekingen (Kindergarten, Primar) und Bad Zurzach (Oberstufe). Zweitens: Unterricht im Kanton Zürich.

Dort wäre die Oberstufe auf jeden Fall in Stadel, für die Kindergärten und Primarstufe stellte die Arbeitsgruppe zwei Varianten vor. Neben der Lösung «Weiach» hat die Arbeitsgruppe eine Kooperation mit der kleinen Primarschule in Bachs geprüft.

Die dortige Tagesschule würde sogar ideale Tagesstrukturen bieten – aber die Bachser Schulpflegepräsidentin Marianne Sharif musste am Infoabend eine Hiobsbotschaft überbringen: Wegen laufenden Fusionsverhandlungen kann Bachs derzeit keine neuen Schulverträge abschliessen. Mit dem ehrgeizigen Zeitplan, den Fisibach anstrebt – die Schulwechsel sollen per Sommer 2016 geschehen – lässt sich das kaum vereinbaren. «Das hat sich leider erst in den letzten Tagen gezeigt», sagte Sharif. «Wir bedauern das sehr, weil wir die Fisibacher Kinder gerne bei uns hätten. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.»

«Beste Lösung für die Schüler»

Bleibt die Variante Weiach. Deren Schulpflegepräsident Marco Lobsiger gab sich denn auch alle Mühe, den Fisibachern «seine» Schule schmackhaft zu machen: «Unser Kindergartengebäude kann man streicheln!» Neben der ungewöhnlichen pelzigen Kunstrasenfassade biete die Schule die üblichen schulischen und ausserschulischen Aktivitäten, Elternmitwirkung werde gross geschrieben. Dank einer regen Bautätigkeit in Weiach ist der Standort gesichert. Und: Punkto Schulkosten wäre die Variante Weiach für Fisibach am günstigsten.

Offenbar konnte Lobsiger die Fisibacher überzeugen. Zwar nutzten die Besucher die Gelegenheit, in der Diskussionsrunde viele Detailfragen zu stellen – etwa, was mit den Familien geschieht, die mehrere Kinder haben, von denen einige im Aargau und einige im Kanton Zürich zur Schule gehen würden.

In der Übergangsphase gebe es wegen der unterschiedlichen Ferienzeiten tatsächlich ein paar Schwierigkeiten, gestand Vizeammann Berglas ein, stellte aber individuelle Lösungen in Aussicht. «Der Gemeinderat muss hier und heute wissen, ob er an der nächsten Gemeindeversammlung einen Antrag stellen soll», sagte er.

«Wir sind gezwungen, zu handeln.» Ammann Marcel Baldinger betonte, es falle auch ihm schwer, dem Zurzibiet den Rücken zu kehren – es gehe aber darum, die beste Lösung für die Schüler zu finden – und das sei auch in seinen Augen Weiach.

Die Antwort der Fisibacher war eindeutig. Fast alle sprachen sich in einer Konsultativabstimmung für den Wechsel nach Weiach aus. Die Variante Bachs wurde verworfen. Nun müssen die Stimmbürger in Kaiserstuhl und in Fisibach den Anträgen zur Kündigung der Verbandsverträge und dem Wechsel nach Weiach und Stadel zustimmen.

Dann können die beiden Zürcher Schulgemeinden die Aufnahme der Neulinge genehmigen. Anschliessend startet das Prozedere für die Aufnahme in das Regionale Schulabkommen (RSA). Dieses regelt die Schulbeiträge zwischen zwei Kantonen.