Endingen

Schon wieder: Samariterverein löst sich auf – es ist der vierte in zwei Jahren

In den letzten zehn Jahren hat jeder dritte Aargauer Samariterverein aufgegeben, nun trifft es auch Endingen.(Symbolbild)

Mit dem Ende des Endinger Samaritervereins hat sich die Anzahl Vereine im Zurzibiet innert zwei Jahren um mehr als die Hälfte reduziert

Der Überlebenskampf ist gescheitert: Der Endinger Samariterverein hat nach über 80 Jahren sein Aus bekannt gegeben. Während die Mitglieder der Milchgenossenschaft (Text links) nur noch für die Generalversammlung zusammenkamen, waren die Samariter bis zum Schluss aktiv. Jeden Monat trafen sich die Mitglieder zu Übungen, organisierten den jährlich stattfindenden Samariterzmorge oder halfen bei Blutspendeaktionen in der Region mit.

Mit dem Ende des Endinger Vereins hat sich die Anzahl Samaritervereine im Zurzibiet und unteren Aaretal innerhalb von zwei Jahren um über die Hälfte reduziert. Nach den Samaritervereinen Kaiserstuhl-Fisibach, Siglistorf sowie Wislikofen und Umgebung ist es bereits der vierte Verein, der sich seit 2017 auflöst. Noch bestehen die Vereine Döttingen-Klingnau, Lengnau und Würenlingen.

Der Samariterverein Endingen unternahm in den vergangenen Jahren zahlreiche Rettungsversuche. Doch alle scheiterten. Fusionen mit einem anderen Verein aus der Umgebung kamen keine zustande. Aus Würenlingen erhielt der Verein ebenso eine Absage wie aus Lengnau. Mit Döttingen kam eine Fusion nicht infrage, weil der Verein selber akute Personalprobleme habe. Auch Aktionstage im Dorf, um neue Mitglieder zu gewinnen, blieben erfolglos. Vor einem Jahr kamen nur 20 Personen, die meisten Familienangehörige.

Auflösung einstimmig beschlossen

Präsidentin Rosmarie Schellenberg sagte damals: «Die Zukunft hängt an einem seidenen Faden. Wenn nicht rasch etwas geschieht, steht das Herz nach der nächsten Vereinsversammlung still.» Das ist jetzt eingetroffen, wie der Verein im Mitteilungsblatt «Surbtaler» erklärt. «Die Reanimation blieb erfolglos.

Aus diesem Grund sah sich der Vorstand gezwungen, eine ausserordentliche Vereinsversammlung mit anschliessender Auflöseversammlung einzuberufen.» Die Mitglieder hätten an der Versammlung einstimmig beschlossen, den Verein per Ende dieses Jahres aufzulösen, heisst es in der Mitteilung. «Selbstverständlich werden wir unsere Aufgaben und Pflichten bis dato erfüllen.»

Jeder dritte Verein im Kanton hat aufgegeben

Was dem Verein Endingen passierte, ist bei weitem kein Einzelfall. Nicht nur im Zurzibiet kämpfen die Samaritervereine seit längerem mit sinkenden Mitgliederzahlen, sondern im ganzen Kanton. Innerhalb von zehn Jahren ist deren Anzahl um einen Drittel zurückgegangen. Aktuell sind es noch rund 80 Vereine mit knapp 2500 Mitgliedern.

Das grundlegende Problem verortete Kantonalpräsident Herbert Konrad in dieser Zeitung vor einem Jahr in der gesellschaftlichen Entwicklung. Zwar werde der Einsatz der Samariter an Anlässen wie Schulsporttagen, Dorffesten oder Fasnachtsumzügen geschätzt. «Sie bieten medizinische Versorgung an und leisten im Ernstfall erste Hilfe, bis die Ambulanz kommt», sagte Konrad. Er ergänzte aber auch: «Immer weniger Leute sind heute bereit, sich für das Gemeinwohl zu engagieren.» Das Vereinswesen stehe gesamtschweizerisch unter Druck, so sein Befund.

Meistgesehen

Artboard 1