Bad Zurzach

Schoko-Köpfe mit Whisky und Engel aus Gipsbandagen

Eine kulinarische und kunsthandwerkliche Entdeckungsreise durch den Weihnachtsmarkt.

Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein, aber weit und breit kein Schnee. Die Skihütte war trotzdem gut besucht. Dem Namen zum Trotz war es zwar nur ein Holzhäuschen wie viele andere auf dem Weihnachtsmarkt, doch der Skihüttenkafi mit «Güx» drin und Schlagrahm oben drauf liess die Absenz von Schnee rasch vergessen.

Kulinarisch schwelgen, respektive kalorienmässig sündigen, konnte man allenthalben. Zum Beispiel bei Eric Dunant aus Genf mit seiner reichen Geschmacksvielfalt an Schoko-Köpfen. Ursprünglich gab’s die nur hell oder dunkel und sie hiessen so, wie das heute politisch nicht mehr korrekt ist. Der Genfer bietet sie nun unter anderem mit Mocca-, Whisky, Rhum, Pfefferminz und Glühwein an. Auch «la P’tite Welsch» aus Neuhausen am Rheinfall hatte ein Häuschen gemietet und hatte gluschtige selbstgemachte Tartelettes mitgebracht: unten Bisquit, obendrauf zum Beispiel Panna Cotta oder Orangen mit Zimt.

Es ist zu vermuten, dass auch dem Samichlaus unter dem weissen Rauschebart das Wasser im Mund zusammenlief. Aber er hielt sich vornehm zurück und schritt, mit seinem goldenen Bischofsstab, majestätisch die Schwertgasse hinauf und durch die Hauptstrasse, vorbei an der fast lebensgrossen Krippe zum Kirchplatz. Dort besuchte er die drei knuddeligen Quessant-Schafe, die sich in ihrem kleinen Pferch geduldig von kleinen Buben und Maitli streicheln liessen.

Viel kleinere Schäfchen begleiteten die heilige Familie und die drei Könige – alles liebevoll gefertigt aus Stoff, Wolle und Filz von Trudi Vogel-Keller aus dem luzernischen Schwarzenberg. Auch Fuchs, Hermelin, Baummarder, Schwarz-, Grün- und Buntspecht gab es zu bewundern. Die allerdings waren ausgestopft und wurden von der örtlichen Jagdgesellschaft präsentiert. Sterne und Engel, gesägt aus Holz vom Ortsbürger-Wald, gab’s ebenso zu kaufen wie Mistelzweige: Das sind die, die man aufhängt und unter denen man sich küssen muss.

Mit besonders originellen Engeln in recht stattlicher Grösse im Angebot, bereicherten die Bilands aus Rekingen das Angebot an himmlischen Heerscharen: Gefertigt aus Gipsbandagen, wie sie üblicherweise gebrochene Arme und Beine stabilisieren, schienen die einen dieser reizenden Engel aus Inbrunst Halleluja zu singen, während andere auf Mini-Stradivaris musizierten.

Verschiedene Stände mit dem üblichen Jahrmarkt-Angebot – von Nahrin-Bouillon bis zu Just-Pflegeprodukte, von industriell gefertigten Schals, Mützen, Handschuhen bis zu Magenbrot - trübten die vorweihnachtliche Stimmung zwar etwas, aber umso mehr freuten sich die zahlreichen Besucher an den vielen selbst gestrickten, genähten, gefilzten schönen Dingen und selbst gebackenen Köstlichkeiten.

Ein Wiedersehen gab es am «Miel de Provence»-Häuschen: Beatrice Stocker Berger hatte 20 Jahre an den Bezirksschulen Baden und Wettingen Deutsch, Geschichte und Geografie unterrichtet und danach mit ihrem Mann im südfranzösischen Lubéron eine professionelle Imkerei mit heute 400 Bienenvölkern aufgebaut. Seit vielen Jahren bietet sie am Bad Zurzacher Weihnachtsmarkt Akazien-, Lavendel-, Rosmarin-, Kastanien-Honig an. Zum ersten Mal hingegen hat das «Läbchuechemaitli» in einem der Holzhäuschen Einzug gehalten. Während Vater Martin Heuberger vom Achenberg mit seinen Schoggi-, Ingwer-, Zimt-, Cayenne-Chräbeli ein Märt-Habitué ist, bietet Tochter Stefanie selbst gemachte, mit Sprüchen dekorierte Lebkuchen an. Auf einem steht «Göttibatzen» und daneben sind zwei Fünfliber eingebacken. Originelle Ideen, gepaart mit handwerklichem Geschick finden, bedeutet das Herzstück eines Weihnachtsmarktes entdecken.

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