Perfidos, Würenlingen: Die aus einem Gemeindeschreiber, einem Grafiker und einem pensionierte Lehrer bestehende Schnitzelbankgruppe war in der Fasnachtshochburg Würenlingen zum 11. Mal unterwegs. Ihre Verse sind meisterlich gezimmert, die Gesangs- und Sprachvorträge frech und pointiert. Besonders gut angekommen sind beim Publikum die locker eingestreuten Wetter- und Bauernregeln. Die Perfidos widmen sich in ihren Versen regionalen, nationalen und internationalen Themen:

D Merkel lütet ihrem Joachim a:
«Duu. Ich möcht hüt Sex – ganz geile – ha.»
De Ami-Gheimdienscht hät das g’hört,
Und d’Handy-Verbindig sofort gschtört.
Drum wartet d’Merkel ganz perplex,
no immer uf de erschti geili Sex.


I bin en Italiano,
i bi nid ganz normalo.
I bi de Cavalier’,
verdiene grossi Ehr’.
I bin de geilschti Ma,
vo ganz Italia.
Tue gern Ragazze pagge
und Bunga-Bunga magge.


Für d’Winjette hundert Schtei,
do seit s’Schwizer-Volk: Nei, Nei.
D’Schtrossebou-Kasse bliebt drum leer,
wo nimmt jetzt Doris d’Chöle her?
Vellecht git’s bald, ich chönnti wette,
für jede Halb-Schueh e Winjette.


Wotsch en Job, wo Schpass chasch ha,
muesch zur Schta-Po Züri gah.
Bisch dänn mol muff und ned guet druff,
mach churz en Bsuech im «Chilli’s»-Puff.
Chasch höpperle und Suurchrut ässe,
defür tuesch jedi Buess vergässe.


Au d’Chile-Gmeind isch i de Krise,
schpaare, schpaare heisst d’Devise.
Jetzt händ die, das isch ganz verreckt,
en Mega-Schpar-Effekt entdeckt.
Jede Samschtig-Morge tüend die Nare,
de Schtrom für s’Glogge-Lüte schpare.


Vieli Zeiche düüted hee,
dass ich au scho älter bee.
Im Aarepark, bim dorelaufe,
gohni paar Kondom go chaufe.
Do seit d’Frau Wormser ohni Macke:
«Jää, söll ich’s grad als Gschänk i-packe?»
Die hät jo gar kei Ahnig g’ha,
dass ich morn Klasse-Versammlig ha.


In Full, so hät mer chönne verneh,
söll’s en Rhy-Schiff-Hafe geh.
Mer chönnt doch grad no uf de Aare,
bis Würelinge witer fahre.
Und de Dorfbach wird, das git e Pracht,
bis zum Schterne schiffbar gmacht.


Hier noch eine Auswahl der besten «Perfidos»-Wetter- und Bauernregeln, die sich auf völlig unterschiedliche Probleme beziehen:

Gsehsch Funke am Himmel
und gschpörsch grossi Hitz,
verglühed d’Europa-Schterne
grad über de Schwiz.

Hät’s of der Autobahn en Verchehrs-
Kollaps,
sufed d’Schofföre fröhlich Bier
und Schnaps.

Flüged Bsetzi-Schtei a dim Grind verbi,
isch d’Refuna wieder undicht gsi.


Schwitzt en Gmeindrot underem Arm,
wird de Sommer huere warm.


Stirbt der Bauer anfangs Mai,
ist der Mai für ihn vorbei.
Stirbt er aber Ende Mai,
wird ein Fremdenzimmer frei.


Di Schiiheilige, Würenlingen: Die drei Kardinäle waren zum ersten Mal auf der Piste. Aus ihrem Repertoire haben wir die drei prägnantesten Passagen herausgepickt. Die erste betrifft den NSA-Abhörskandal, gut in Verbindung gebracht mit einem Wirt im Ort, die zweite die Lohnforderung des Ammanns von Böttstein und die dritte einen nicht wiedergewählten Würenlinger Gemeinderat.


Twitter, Telifon, Mails und Facebook
werded überprüeft und bewacht,
d’Amis wössed sogar, was es bim
Frohsinn-Mäse git zum Znacht.

Schlimm preicht hends die mitem Costeli,
well de tuet nume en Huufe chosteli.
Juhe, juhe, i bi kein Gmeindrot meh.
Jetzt bau ich aber grad zum Trotz no meh.

Haarspalter, Klingnau: Die Haarspalter sind ein fester Bestandteil der Klingnauer Fasnacht. Für sie war – unter anderem – die Nichtheirat mit Döttingen ein dankbares Sujet. Aber auch der Stadtrat bekommt sein Fett weg:


D’Chileturmuhr isch plötzlich defekt,
de Schade aber schnell entdeckt.
Nach zehn Tag isch sie repariert,
es Glück, het das so schnell funktioniert.
Hätt’s euse Stadtrot i d’Finger gno,
die Zeiger würdet no hüt still stoh.

D’Ortsbürger, die sind mächtig froh,
het Döttige sie nid übernoh.
De Klingnauer Wald bliebt ihne allei,
s Stadtrecht git es Gfühl vo dihei.
Und en Gratis-Christbaum us de
Ortsbürgerwälder
isch viel meh wert als Axpo-Gälder.

Am Chisweg isch es Rindli am Grase,
bald gsehsch d’Repol uf Döttige rase.
Das Vieh isch us em Haag usbroche
und hät bim Nochber d’Freiheit groche.
Doch Rindviehcher hätt’s z’Döttige überall,
drum trottet’s hei in Klingnauer Stall.

Zu de graue Panther heig er welle
ghört mer z’Döttige de Zucki verzelle.
Im Rentealter no politisiere
im Gmeindrot will er sich engagiere.
Doch weiss au z’Döttige jedes Chind,
dass Panther kei alti Esel sind.

D’Post in Klingnau, die wird gschlosse,
wie händ mir de Lade doch gnosse.
Willsch jetzt en Gummi oder es Lösli chaufe,
muesch in Zukunft uf Döttige laufe.
D’Post versuecht eus alli z’tröste,
s’Angebot a Niete sig det halt am grösste.


D’ Schloss-Dohle, Klingnau: Auch da hat ein Grafiker (aus Klingnau) – zusammen mit seiner Schnitzelbank-Partnerin aus Döttingen – die Hände im Spiel. Den ersten Teil gestalten die Schloss-Dohlen in Versform, den zweiten als Dialog zwischen Mann und Frau. Dabei wird – wie in allen anderen Schnitzelbänken auch – kein Blatt vor den Mund genommen:


Also mech het berüehrt, dass mer so vell Ässware fortrüehrt.
Schatz, chom zieh di om, bruchsch nor
en Trainer
mer gönd höt osswärts go ässe,
in Migros-Container.
Ond i de Kehrichtsäck i de Steigstross
hende,
werdemer secher no en Dessert finde.


Jetzt los emal, dä Chreisel, dä esch genial.
Jo, d’Hälfti, wo i eusne Gmeindröt
ned spured,
werd im Ochsechreisel als Lüchte
igmured.

Gäll, so chas ned wiitergoh.
Soscht müends am Änd no eine entloh.
Ond wenn’s ned ändlich chont cho schneie,
cha s’Bauamt ere neu Pflueg is Altise gheie.
Die mached wahrschienlich jede Obig
es Fäscht,
well’s wössed: sie müend z’Nacht
ned usem Näscht..


Kurärzte, Bad Zurzach: Schnitzelbänke sind auch im Kurort hoch im Kurs. Einige machen dies in Theaterform, weshalb die Texte an dieser Stelle nicht wiedergegeben werden können. Die «Kurärzte» hingegen machen richtig schöne Schnitzelbänke, verpackt als Vierzeiler. Sie zögern nicht lange und setzen die humoristische Spritze ohne Umschweife. Aufs Korn nehmen sie den Bad Zurzacher Vizeammann und die Qualität des Schweizer Fernsehens.

Zebrastreife chömed z’Zorzi weg,
s’gliche gilt för de Steiner und de Beck.
Nor im Gmeindrot, gsänd das eifach i,
det esch de Mäne au mit 80gi no debi.

Hüppi, Ruefer, Bucheli – ich ha e Krise,
und de Turnherr esch au kei Alternative.
Leider müend mer zfriede sii
mit so Moderatore,
well of 3+ ghörsch de Vujo – und denn chozisch us de Ohre.


Damit ist es für ein Jahr vorbei mit der Schnitzelbank-Herrlichkeit. Die Autoren haben aber ihre Bleistifte gespitzt, halten die Ohren und Augen offen und sammeln ab sofort geeignetes Material, damit auch die nächsten närrischen Tage im Zurzibiet so schön und so unterhaltsam werden, wie die Fasnacht 2014.