Zurzibiet

Schneisingen profitiert von Corona-Absage – Silvan Dillier ist am Start

Silvan Dillier vor zwei Jahren bei seinem letzten grossen Heimauftritt in Schneisingen an den Schweizer Strassenmeisterschaften.

Silvan Dillier vor zwei Jahren bei seinem letzten grossen Heimauftritt in Schneisingen an den Schweizer Strassenmeisterschaften.

Der Veloclub Alpenrose veranstaltet nächste Woche ein nationales Radquerrennen. Lokalmatador Silvan Dillier nimmt unerwartet teil.

Letzten Donnerstag war in der Stadt Lille durch den französischen Gesundheitsminister Olivier Veran die höchste Corona-Alarmstufe ausgerufen worden. Als unmittelbare Folge davon wurde der Radklassiker Paris–Roubaix, der am 25. Oktober geplant war, zum Leidwesen der Radsportfans, abgesagt. Auch zum Bedauern von Silvan Dillier: Der Schneisinger, der mit seiner Familie mittlerweile in Ehrendingen lebt, fuhr 2018 sensationell auf den zweiten Rang. Für den 30-­Jährigen ist der Podestplatz hinter dem damaligen Weltmeister Peter Sagan noch immer das wertvollste Karriere­ergebnis.

Des einen Leid ist des ­anderen Freud: Durch die Streichung des Weltcup-Rennens im Norden Frankreichs haben die Organisatoren des Radquers in Schneisingen nun unerwartet eine prominente Zusage erhalten. Lokalmatador Silvan Dillier wird am Sonntag in einer Woche beim Rennen mit Start und Ziel beim Schützenhaus auf ungewohnter Unterlage in die Pedale steigen.

Für ihn ist die Teilnahme, wie er sagt, eine Herzensangelegenheit. Und seitens des ­Veranstalters brauchte es nicht allzu viel Überredungskunst. OK-Chef ist Dilliers Vater Karl Dillier. «Dank Silvans Zusage wird der Anlass natürlich aufgewertet», sagt Karl Dillier.

Organisation ist ein mentaler Kraftakt

Die Einschränkungen wegen der Coronapandemie bekommen indessen auch die Schneisinger Veranstalter zu spüren. Mit einem personellen Mehraufgebot werden die geforderten Richtlinien sichergestellt. Athleten und Zuschauer werden in eigens zugewiesenen Zonen voneinander getrennt. Auf ein Festzelt wird ebenso verzichtet wie auf Sitzgelegenheiten entlang der Strecke. Die Herausforderung sei weniger eine Frage der Ressourcen, sondern mehr ein mentaler Kraftakt, sagt Karl Dillier. «Im Hinterkopf schwingt natürlich die Sorge mit, dass sich jemand ansteckt.»

Kalender in dieser Saison spürbar ausgedünnt

Trotz des Risikos wollten die Schneisinger Veranstalter, nach Aufhebung der 1000er-­Grenze für Veranstaltungen durch den Bund, die Gelegenheit nutzen, den Quer-Spezialisten eine Startgelegenheit zu bieten. «Obschon das Konzept mehrmals angepasst werden musste», erklärt Karl Dillier.

Andere Veranstalter verzichteten deswegen auf eine Durchführung. Der Kalender wurde daher in dieser Saison spürbar ausgedünnt. Dem ­Anlass in Schneisingen kommt nicht zuletzt deshalb eine sportlich wichtige Bedeutung zu: Zwei Wochen nach dem Rennen finden in Holland die Europameisterschaften statt. Schneisingen zählt so als ­Qualifikationsrennen für die europäischen Titelkämpfe. «Deshalb rechnen wir mit einer guten Beteiligung», sagt Vereinspräsident August Widmer.

Eine alte Tradition lebt wieder auf

Er und sein Team lassen mit dem Event vom übernächsten Sonntag ausserdem eine alte Tradition in der Zurzibieter ­Gemeinde aufleben. In der ­jüngeren Vergangenheit war der Veloklub wiederholt Ausrichter von Strassenrennen. Letztmals vor zwei Jahren mit der Organisation der Schweizer Meisterschaften.

Zwischen 1974 und 1983 war Schneisingen aber nicht weniger als fünf Mal auch Schauplatz der kantonalen Querfeldein-Meisterschaften. Damals nahmen, als Querfeldrennen in der Schweiz noch einen Volkscharakter hatten, nebst vielen Spezialisten auch prominente Strassenfahrer teil. Unter anderem Roland Salm, der als amtierender Strassenmeister auch die erste Austragung 1974 in der Zurzibieter Gemeinde gewann.

Dilliers Rückkehr zu den Wurzeln

Apropos: Silvan Dillier beschliesst seine Strassensaison diesen Sonntag mit der Flandern-Rundfahrt und nächsten Mittwoch mit dem Rennen Brügge–De Panne. Seine ersten Rennen im Teenageralter als ­lizenzierter Fahrer bestritt er ­allerdings auf dem Querrad, ­bevor der Wechsel auf die ­Strasse folgte. Der Start in Schneisingen ist für ihn nicht nur geografisch, sondern auch sportlich eine Rückkehr zu ­seinen Wurzeln.

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