Die Nachricht, wonach über das Hotel-Restaurant im Schloss Böttstein der Konkurs eröffnet worden ist, hat kantonsweit für Schlagzeilen gesorgt. Weil die Besitzerin auf eine Betreibung nicht reagierte, wurde Ende Mai der Konkurs über Pearl Anthony Lauper eröffnet. 

Da die 53-jährige Eigentümerin der Einzelunternehmung «Schloss Böttstein, Anthony Lauper» ist, ist auch die Firma vom drohenden Konkurs betroffen. Zwar kann der Betrieb vorläufig unter Aufsicht weitergeführt werden. Doch es stellt sich die Frage wie lange.

Und noch eine Frage steht einen Tag nach der Hiobsbotschaft im Raum: Hat der Energiekonzern Axpo vor ziemlich genau zwei Jahren bei der Suche eines Käufers des Schlosses inklusive Landparzellen, Festsaal und zwei Gasthäusern die nötige Vorsicht walten lassen?

Zur Erinnerung: Im Geschäftsjahr 2014/2015 machte der Energiekonzern einen Verlust von fast einer Milliarde Franken, war also froh um jeden Franken. Über den Verkaufspreis wurde damals Stillschweigen vereinbart.   

Auf Anfrage dieser Zeitung weicht die Axpo aus: «Axpo kann sich nicht zu Themen äussern, welche die jetzige Besitzerschaft betreffen.» Denn man sei seit dem 1. Juli 2017 nicht mehr Eigentümerin des Schlosses und habe seither keine rechtlichen oder finanziellen Pflichten und keine Verantwortung mehr. «Der Verkauf war eine Konsequenz des Entscheides von Axpo, strategisch nicht zentrale Anlagen zu veräussern», so Axpo-Mediensprecher Ueli Walther. «Der Verkaufs- und Transaktionsprozess wurde mit der Unterstützung eines professionellen Maklers vollzogen. Zwischen Verkäuferin und Käuferin bestand zum Zeitpunkt der Transaktion Einigkeit über den Verkaufspreis und über alle weiteren Transaktionsmodalitäten.»

Zudem habe die Käuferin bei der Transaktion versichert, den Hotel- und Restaurationsbetrieb weiterzuführen.

Nicht betroffen vom Verkauf waren damals die barocke Schloss-Kapelle und das Axporama. Inwiefern tangieren die Turbulenzen rund um das Hotel-Restaurant im Schloss Böttstein das Besucherzentrum? «Axpo wird das Axporama wie gehabt weiterbetreiben», teilt der Energiekonzern kurz und knapp mit.

Offene Rechnungen bei der Elektra

Als im Sommer 2017 bekannt wurde, dass das Schloss Böttstein an Anthony Lauper geht, sprach Böttsteins Gemeindeammann Patrick Gosteli (SVP) von einem «Glücksfall für die Gemeinde». Gosteli bezeichnete die Käuferin damals gar als Wunschkandidatin. Hätte man diese seinerzeit nicht gefunden, hätte sich die Gemeinde gar überlegen müssen, ob nicht doch sie als Käuferin auftreten soll.

Wie beurteilt Gosteli die Situation heute? «Natürlich bedauern wir die jüngsten Entwicklungen sehr.» Vor zwei Jahren habe man tatsächlich von einem Glücksfall gesprochen, «weil wir Einfluss nehmen konnten, dass der Schlossbetrieb im gleichen Stil weitergeführt werden konnte», so Gosteli.

Die Zusammenarbeit mit Frau Lauper habe vor allem in der Anfangszeit sehr gut funktioniert. «Sie hat sich bei der Gemeinde vorgestellt und war immer wieder mit guten Ideen – etwa bei der Böttstemer Chilbi – präsent.» Auch wenn der Austausch mit der Zeit abgenommen habe, so sei man doch in regelmässigem Kontakt gestanden.

«Auf das jetzige Verfahren können wir aber natürlich keinen Einfluss nehmen. Ich hoffe einfach, dass es am Ende eine gute Lösung für das Schloss Böttstein gibt – mit oder ohne Frau Lauper», sagt Gosteli. Wichtig sei ihm als Ammann, dass das Schloss und die Anlage auch in Zukunft für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben. Auf die Frage, ob die Schloss-Eigentümerin auch der Gemeinde Geld schuldet, also konkret Steuerausstände vorliegen, antwortet Gosteli: «Das kommentiere ich nicht.»

Zu den Gläubigern gehört laut Informationen dieser Zeitung auch die Elektra Böttstein, der Frau Lauper offenbar einen Betrag in fünfstelliger Höhe schuldet. «Konkrete Zahlen nennen wir nicht. Aber es stimmt, Frau Lauper hat auch bei uns noch offene Rechnungen», bestätigt Elektra-Präsident Roman Abegg. Man habe lange versucht, eine Lösung zu finden.

Radsport-Teams bleiben weg

Dass beim Restaurant- und Hotelbetrieb nicht alles zum Besten bestellt ist, zeigt nicht zuletzt die Tatsache, dass heuer zum ersten Mal seit Jahren keine Radsport-Teams im Schloss Böttstein einquartiert sind. «Wir haben seit Jahren immer und sehr gerne zwei bis drei Teams im Schloss Böttstein untergebracht», sagt René Huber, OK-Präsident der Radsporttage Gippingen, die heute starten. «Weil sich aber letztes Jahr die Schlussabrechnung sehr mühsam gestaltete, haben wir uns schweren Herzens entschieden, dieses Jahr auf eine Einquartierung zu verzichten», so Huber.

Noch ist der Konkurs nicht rechtskräftig, aber wirksam. Anthony Lauper konnte eine Beschwerde dagegen einreichen. Laut Auskunft des Zürcher Obergerichts ist dies eine solche bis Mittwochabend nicht eingetroffen.