Die Zufahrten zum Aareweg und Grieweg sind am Montagvormittag verstopft. Nicht von Neugierigen. Im Gegenteil: Einzig eine Frau spaziert mit ihrem West Highland Terrier etwas verloren vorbei Richtung Schwimmbad und erkundigt sich, was hier los sei. Der Zirkus Knie ist mit seiner Entourage in Klingnau angekommen, im Ort wirft das Ereignis offensichtlich noch keine hohen Wellen.

Derweil drängen sich Traktoren, Lastwagen durch das enge Strassenlabyrinth. Sie karren das Material auf die vom Regen der letzten Tage durchtränkte Wiese. Hier liegen Gerüste und überdimensionale Blachen. Arbeiter machen sich mit Seilwinden bereit. In Kürze wird das Zelt, das über 2000 Besuchern Platz bietet, hochgezogen.

Gute Unterhaltung unter erschwerten Bedingungen: Das sagt Franco Knie zum Gastspiel in Klingnau.

Gute Unterhaltung unter erschwerten Bedingungen: Das sagt Franco Knie zum Gastspiel in Klingnau.

Drei Tage gastiert der Zirkus Knie in Klingnau. Erstmals seit 1997 macht er im Zurzibiet wieder Halt. Dass die Gemeinde im unteren Aartal im diesjährigen Tourneeplan erscheint, hat einen einzigen Grund, wie Zirkusdirektor Fredy Knie sagt. Die Raiffeisenbanken Aare-Rhein und Böttstein haben im Rahmen ihres 100-Jahr-Jubiläums zwei Vorstellungen am Montag und Dienstag für ihre Mitglieder gebucht und geben sie zu vergünstigten Preisen ab. «Ohne diese zwei garantierten Vorstellungen wäre das Gastspiel hier gar nicht möglich gewesen», so Knie.

Die beiden Vorstellungen am Mittwoch gelangen in den regulären Verkauf und bereiten dem Direktor offensichtlich Sorgen. «Der Vorverkauf läuft bisher leider sehr schleppend», sagt Fredy Knie. Zahlen mag er keine nennen. Aufgrund der schwachen Nachfrage ist der Direktor aber bereits froh, wenn am Ende des Klingnauer Aufenthalts kein Verlust herausschaut.

Zirkus Knie in Klingnau - Impressionen vom Aufbau

Zirkus Knie in Klingnau - Impressionen vom Aufbau

Für drei Tage gastiert der Zirkus Knie von Montag bis Mittwoch, 6. bis 8. Juni 2016, in Klingnau, dem kleinsten Spielort in der diesjährigen Tournee. Impressionen vom Montagmorgen vom Aufbau - und von einigen Zirkustieren. 

Der sich abzeichnende Besucherflop steht im krassen Gegensatz zum bisherigen Tourneeverlauf. Das einmonatige Gastspiel in Zürich, das am vergangenen Sonntag endete, bezeichnet Fredy Knie als kolossal gut. Keine Spur von Frankenschock oder Zirkusverdrossenheit. Die Auslastung betrug, gemäss Knie, zwischen 80 und 90 Prozent. Davon sei man in Klingnau meilenweit entfernt.

Seit 1961 zwölf Mal in Klingnau

Inzwischen steht das Chapiteau. Vor den Augen des Technischen Direktors Franco Knie junior. Im allgemeinen Stimmengewusel haben es die Arbeiter aufgerichtet. Nun werden die Sitztribünen bereitgestellt. Einen halben Tag benötigen die Mitarbeitenden durchschnittlich, um einen Spielort startklar zu machen. Über 200 Personen aus 12 Nationen sorgen auf der aktuellen Tournee für einen reibungslosen Ablauf.

In seiner 98. Spielzeit hält der Zirkus in über 40 Schweizer Städten und Orten. Klingnau ist der kleinste, Herbert Scheller bezweifelt aber, dass die Gemeindegrösse der Grund für das bisher schwache Echo sei. «Seit 1961 war der Knie zwölf Mal in Klingnau. Das Publikumsinteresse war dabei immer erfreulich hoch», so der Leiter Marketing. Scheller muss es wissen: Er steht seit über 40 Jahren in Diensten des Nationalzirkus.

So ein Zirkus! - Schweiz Doku (2015)

So ein Zirkus! - Schweiz Doku (2015)

Der Circus Knie entstammt der ältesten Zirkusdynastie der Schweiz und prägt seit mehr als 200 Jahren den Alltag und die Fantasie der Eidgenossen. Als Abbild des eigenen Landes haben ihn vor allem seine Pracht, seine Virtuosität und seine Präzision weltberühmt gemacht. Der weltbekannte Circus Knie hat die Schweizer Grenzen jedoch noch nie verlassen.