Ein grünes Regenfass mit einem Schlitz zum Einwerfen steht am Boden. Angebracht ist ein Zettel mit der Aufschrift «Spende». Gleich darüber steht angeschlagen: «Werfen Sie einen Zettel mit Name, Adresse und Telefonnummer in den Schlitz. Vermerken Sie den Spendenbetrag (kein Bargeld). Danke».

Nichts Aussergewöhnliches würde sich der Sammelbehälter am Eingang einer Benefizveranstaltung befinden. Doch das Regenfass steht, wie die Lokalzeitung «Die Botschaft» berichtete, auf dem Bahnsteig der Koblenzer SBB-Station «Dorf», mit einem Draht am Uhrpfosten befestigt. Und das ist gewollt so.

Die Hilfsaktion ist für die Bahnhofuhr. Von dieser ist nämlich nicht viel zu sehen, geschweige denn vom Ziffernblatt. Eingehüllt in einen schwarzen Sack und mit Klebeband versehen, darbt die SBB-Uhr seit Monaten im Ausser-Betrieb-Modus dahin.

Schöne Uhr wieder gewünscht

Das ist eine «super Idee», sagt Gemeindeammann Heidi Wanner auf die Sammelaktion angesprochen. Sie habe zwar gesehen, dass die Uhr seit längerem eingepackt sei. Aber weder sie noch der Gemeinderat seien aktiv geworden. «Ich werde als Privatperson eine Gutschrift spenden», sagt Heidi Wanner. Wenn die SBB derart in Nöten sei, dann unterstütze sie die Sammelaktion selbstverständlich.

«Damit Koblenz wieder zu einer schönen Bahnhofsuhr kommt», sagt sie. Wer hinter dem Spendenaufruf steckt, wisse sie nicht. Wanner vermutet aber, dass es «kreative Koblenzer» seien, die aktiv geworden sind.

Nicht nur das Regenfass zeugt davon, dass die findigen Initianten der SBB einen Anstoss geben wollen. Auch ein Leserbrief in Form eines Gedichts, der in der Zeitung der Gewerkschaft des Verkehrspersonals «Kontakt» Ende September erschienen ist, zeigt, dass die Koblenzer sehnlichst auf die Reparatur der Bahnhofsuhr warten.

Warum dauert es über Monate, bis die Bahnhofsuhr an der Station Koblenz «Dorf» repariert wird? SBB-Mediensprecherin Franziska Frey sagt auf Anfrage: «Es gibt ein Problem mit der Ersatzteilbeschaffung.» Man stelle sich die Frage, ob es überhaupt Sinn mache, diese zu reparieren. Denn die Uhr sei sehr alt.

«Wir sind zurzeit daran zu prüfen, ob es nicht besser ist, eine neue Uhr hinzustellen.» Man bemühe sich, sagt Frey, das Problem so schnell wie möglich zu lösen.

Auf die Hilfsaktion angesprochen sagt sie: «Die Spendenaktion ist zwar nett gemeint, das Problem liegt aber nicht bei den Finanzen.» Wie lange es dauert, bis eine Lösung gefunden ist, kann die SBB-Mediensprecherin nicht sagen.

Die Koblenzer müssen sich also bis auf Weiteres mit dem schwarzen Plastiksack und dem Klebeband begnügen.