Mit der einer Hand halten die vier Oberstufenschüler der Kreisschule Surbtal einen gut gefüllten Müllsack fest. Mit der anderen Hand klettern sie auf das Gerüst neben dem Abfallkübel vor der Umwelt-Arena in Spreitenbach. In luftiger Höhe angekommen, schmeissen sie ohne Ekel den eingesammelten Müll in das grosse Silo. Der Wind weht den unangenehmen Geruch zu den Besuchern, doch die «Littering-Heros» ernten Applaus von ihren Klassenkameraden. Und Astrid Andermatt, Projektleiterin Umweltbildung in der Umwelt-Arena, lobt die Jugendlichen. «Ihr seid Pioniere und grosse Vorbilder im Kampf gegen liegengelassenen Müll», sagt die ehemalige Lengnauer SP-Grossrätin. Die Ober- und Unterstufe aus Endingen und Lengnau sammeln regelmässig achtlos weggeschmissenen Abfall im öffentlichen Raum ein. «Vor allem finden wir Capri-Sonne-Beutel, Zigarettenstummel und Bierdosen», sagt ein Schüler. Er und seine Kollegen warfen ihre Beute in den vier Kubikmeter grossen Abfallkübel. Der Riesenbehälter soll symbolisch das Aussmass von Littering veranschaulichen.

Schüler «fötzeln» wöchentlich

Das Kompetenzzentrum in Sachen Umwelt präsentiert seit Juli die Sonderausstellung «Saubi–Littering Hero». Sie will die Besucher für den richtigen Umgang mit Abfall und recycelbaren Materialien sensibilisieren. Entstanden ist dieses Konzept in Zusammenarbeit mit dem Gemeinschaftsprojekt «Saubi@surbtal». Dabei führen Schulen, Jugendgruppen, Bauämter und die Landwirtschaft seit vier Jahren im Surbtal Aktionen durch, mit dem Ziel, die Bevölkerung auf das achtlose Liegenlassen von Abfällen aufmerksam zu machen. Beispielsweise «fötzeln» Kinder den Dorfplatz, den Schulweg und die Bushaltestellen regelmässig.

Neben dem Müll-Silo sind weitere Projekte der Surbtaler Kindergärtner und Schüler in Spreitenbach ausgestellt. Im Werkunterricht zimmerten die Jugendlichen Sofas aus gebrauchten Holzpaletten zusammen und nähten Kissen aus getragenen Jeans. Die bemalten Abfalleimer sind wiederverwendbar und wurden bei der Gewerbeausstellung das erste Mal eingesetzt.

Die Ausstellung ist interaktiv aufgebaut. Mit Greifzangen muss ein Abfallhaufen so schnell wie möglich in die richtigen Recycling-Behälter entsorgt werden. Das elektronische Partner-Quiz beinhaltet Fragen zu Umwelt und Recycling. Ein Wettbewerb fordert zudem die Schüler auf, ein kreatives Bild von sich beim «Fötzeln» zu schiessen. Die besten Fotos werden im September prämiert und mit einem Zustupf in die Klassenkasse belohnt.

«Wir tadeln nicht mit dem Mahnfinger», sagt Max Chopard, Projektleiter für Ausstellungen in der Umwelt-Arena. Stattdessen sollen diese komplexen Themen den Kindern in einfachen Botschaften erklärt werden, so der ehemalige SP-Nationalrat aus Obersiggenthal.

Vom Surbtal in den Aargau

Susanne Holthuizen ist Gemeinderätin in Lengnau und Ausstellungsverantwortliche von «Saubi – Littering-Hero». Sie wünscht sich durch die Präsenz in der Umwelt-Arena eine Vergrösserung der «Saubi@surbtal»-Aktionen: «Wir hoffen, dass sich uns weitere Schulen und Gemeinden anschliessen.» Denn eine verunreinigte Umgebung vermindere neben der Lebensqualität auch den Ruf eines Dorfes, findet Gemeindeammann Franz Bertschi aus Lengnau: «Der öffentliche Raum ist genauso wichtig wie die eigene Wohnung.»

«Saubi – Littering Hero»

Sonderausstellung, bis 2. Oktober

Umwelt-Arena Spreitenbach