Gespannt blicken die Menschen auf das grosse, mit bunten Farbflächen versehene Gemälde, das vor der Buddy Warren Gallery in Manhattan steht. Es ist Abend, als der Aargauer Künstler Santhori seine Ausstellung in New York mit der Zündung eines seiner berühmten Feuerbilder eröffnet. Zu den rhythmischen Klängen der Beatlesmusik «Tomorrow Never Knows» zeichnen sich auf dem Bild Konturen ab und die brennenden Linien vervollständigen das Gemälde.

Die Verwandlung des Feuerbildes wirkt mit dem Thema der Ausstellung «Beobachtung versus Überwachung» zusammen. Die Ausstellung, I Spy With My Bold Eye..., die bis zum 30. Oktober in der Buddy Warren Gallery zu sehen ist, erzählt die Geschichte von Augen, die der persönlichen Sinneswahrnehmung, (Selbst-)Kontrolle oder der staatlichen Überwachung dienen.

Die Ausstellung befasst sich mit Begegnungen von Menschen durch beobachtendes Sehen. Somit blicken den ersten Besuchern farbige Augen – von Santhori gemalte BoldEyes – entgegen, als sie sich der Buddy Warren Gallery nähern. Das alte, doppelstöckige Backsteingebäude wurde 2015 von Buddy Warren zu einer Galerie umgestaltet.

Ein magisches Auge, an die Wand projiziert, empfängt die Besucher und verfolgt ihre Bewegungen (Installation Dominik Minet und Florian Ludwik). Santhoris ausdrucksstarke Bilder erfüllen die hohen, weissen Backsteinwände mit freudigen Farben und teils provokativen Motiven. Unter den ersten Besuchern befindet sich Matthias Dettling, Leiter des Bereichs Kultur und Bildung der Schweizer Botschaft in New York. Ihn interessieren die Geschichte des Projektes «Santhori Faces NYC» und die künstlerische Entwicklung des Aargauer Künstlers.

Sanfte bluesige und jazzige Klänge ertönen von der Live-Band mit Gitarre, Bass und Schlagzeug und der Raum füllt sich mit Gästen. Sie sind beeindruckt und staunen darüber, wie Santhoris grossformatige Pop Art Bilder mit dem Galerieraum harmonieren. Unter dem internationalen Publikum entstehen angeregte Gespräche. Allmählich tauchen vier Gestalten auf: rote, gelbe, grüne und blaue Gestalten in Morph Suits mischen sich unter die Menschen und nehmen mit ihnen Kontakt auf.

Die TänzerInnen haben Augen auf dem ganzen Körper. Plötzlich ertönen Schweizer Alpgesänge vom «Wiesenberger Jodelchor». Die Menschen horchen auf und folgen den Morph Suits zum Magic Picture, welches vor der Galerie aufgebaut ist. Die Leinwand wird lebendig und es zeichnen sich, unter magischem Funkenregen, langsam Figuren ab; Menschen sind zu erkennen sowie eine Kuh, welche auf die Berge, die Freiheitsstatue und die Skyline von New York City blicken.

Die bunten Gestalten in den Morph Suits beginnen zu tanzen und zelebrieren das Magic Picture. Mit der Ausstellungseröffnung I Spy With My Bold Eye... ist Santhori ein transdisziplinäres Ausstellungsprojekt gelungen, das Tanz, Musik und Malerei vereint und Begegnungen auf interkultureller Ebene ermöglicht hat.