62 Personen haben eine Sammeleinsprache gegen die geplante Überbauung auf dem alten Fussballplatz bei den Salzbohrtürmen in Bad Zurzach unterschrieben. Es sind Anwohner der benachbarten Häuser an der Salzstrasse und am Bohrturmweg, die gegen das Projekt vorgehen. Offizieller Hauptkritikpunkt in den Einspracheschriften, die der az vorliegen: die «prekäre Verkehrssituation».

Der Verkehr habe in den letzten Jahren ohnehin schon derart zugenommen, dass die Anwohner zunehmender Unfallgefahr ausgesetzt seien. Die 62 Unterzeichnenden befürchten, dass sich die Situation mit den 100 geplanten Wohnungen noch verschlimmert. Sie fordern ausserdem ein Trottoir.

«Strasse ist ungefährlich»

«Die Strasse ist eine Tempo-30-Zone», entgegnet Danilo Menegotto, CEO der fürs Projekt verantwortlichen BSS&M Real Estate AG. Aus seiner Sicht ist die Verkehrssituation unproblematisch. «Auf der Salzstrasse wird nicht gerast. Es handelt sich auch nicht um Durchgangs- sondern um Anwohnerverkehr.» Rückendeckung erhält er von Bad Zurzachs Vizeammann Meinrad Moser: «Die Salzstrasse ist eine Zufahrtsstrasse, die in der Tempo-30-Zone liegt. Das Verkehrsaufkommen ist normal.

Es sind fast ausschliesslich Anwohner und etwas Schleichverkehr.» Das werde sich auch mit der Überbauung kaum ändern: Der Eingang zur Tiefgarage wäre nämlich an der Wasenstrasse und dem Weissensteinweg. Die neuen Bewohner würden also gar nicht über die Salzstrasse fahren.

Die 62 Anwohner sorgen sich aber nicht nur um die Verkehrssicherheit, sondern auch um die historischen Bohrtürme. «Das Projekt bedroht die Erhaltung des Wahrzeichen Zurzachs», schreiben sie. Menegotto wehrt sich vehement gegen diese These. Die Bohrtürme seien fester Bestandteil des Konzepts der Überbauung. «Sie gehören zur Identität und bleiben auf jeden Fall stehen.»

Nicht nur vor dem Abbruch der Bohrtürme scheinen die Einsprechen Angst zu haben, sondern auch vor einer ewigen Baustelle vor ihrer Haustür. Sie schreiben: «Aus sicherer Quelle wissen wir, dass die Finanzierung der Überbauung noch nicht gesichert ist.» Das sei Unsinn, sagt Menegotto. «Das Risiko etwas zu bauen, das nicht finanziert ist, können und wollen wir nicht eingehen.» Man habe die mündliche Zusage eines renommierten institutionellen Schweizer Investors, momentan würden die Verträge ausgearbeitet.

Menegotto gibt sich überzeugt, dass die Wohnungen rentabel sein werden. Recherchen hätten gezeigt, dass das Bedürfnis nach qualitativ hochwertigem, neuem, aber bezahlbarem Wohnraum im Zurzibiet gross sei und noch steige. Insbesondere Bad Zurzach habe eine hohe Lebensqualität. «Die Gemeinde ist ausserdem auch von Zürich Nord gut erreichbar, wo viele Arbeitsplätze angesiedelt sind.» Anders sehen das die Gegner. In ihrer Wahrnehmung hat es in Bad Zurzach bereits genügend Wohnraum. Sie sehen im vergleichsweise hohen Steuerfuss ein Hindernis für «solvente Interessenten».

Doch auch das letzte Argument lässt Projektleiter Menegotto nicht gelten. «Es sind 2,5- bis 4,5-Zimmer-Mietwohnungen. Zielgruppe ist also die Mittelschicht und nicht Personen mit einem extrem hohen Einkommen.»

In dieser Einkommensklasse sei die hohe Qualität der Lage wichtiger als ein paar Steuerprozente. «Zudem werden die Mietpreise moderat sein.» Eine 4.5-Zimmer-Wohnung soll laut dem Projektentwickler rund 1800 Franken kosten.

Kaum Chancen für Einsprache

Die Einwendung dürfte wenig Chancen haben. Der definitive Entscheid des Gemeinderats fällt Anfangs März. «Er wird die Einsprache aller Wahrscheinlichkeit ablehnen», sagt Mäni Moser. Die Rechtslage sei eindeutig: Das Gebiet liege in der Mehrfamilienhauszone, alle nötigen Abstände und Auflagen würden eingehalten. Und: «Die Überbauung ist im Sinne der Entwicklung von Bad Zurzach, das laut Richtplan eine Gemeinde mit Wohnschwerpunkt ist.»

Falls der Gemeinderat die Einsprache wie erwartet ablehnt, können die 62 Anwohner ihre Beschwerde noch an den Regierungsrat weiterziehen.