Ostersonntag im Zurzibiet: Um sieben Uhr zeigt sich ein heller Streifen am grauen Morgenhimmel. Um acht Uhr erscheinen dort kleine blaue Inseln. Um neun Uhr nieselt es aus Dunkelgrau. 45 Minuten später wartet ein gutes Dutzend winterlich eingemummter Menschen bei 6,5 Grad im Regen vor dem Eingang zum Regibad in Bad Zurzach. Der Countdown zur Open-Air-Badesaison hat begonnen.


Als Betriebsleiterin Monika Dietsche den Start um einige Minuten vorzieht, ist kein Halten mehr: Die Kassierinnen nehmen am Laufmeter Fotos für Saisonabos entgegen und händigen Schlüssel für Ganzsaison-Kästli aus. Dietsche hilft tatkräftig mit, Liegebetten über das Drehkreuz zu hieven, und öffnet zwischendurch die Gittertüre für den an Krücken gehenden Urs Beck. Der pensionierte Briefträger von Bad Zurzach, ein passionierter Regibad-Besucher, hat vor sechs Monaten rechts und vor sechs Wochen links eine neue Hüfte erhalten: «Rechts dürfte ich jetzt wieder schwimmen, links muss ich noch viereinhalb Monate warten.» Nichtsdestotrotz humpelt er gut gelaunt in Richtung Schwimmer-Bassin.


139 Badegäste bis 18 Uhr


Badmeister Sacha Smonig mit dicker Fleecejacke und Wollmütze stellt fest, dass er noch keinen Eröffnungstag mit so kalter Lufttemperatur erlebt habe. «Aber das Wasser ist wie immer 26 Grad warm.» Die Badi-Uhr zeigt zwei Minuten nach 10 Uhr, als Roland Dathe aus Küssaberg als erster Schwimmer der Saison hineinsteigt. «Herrlich», ruft er und seine Frau Ursula folgt ihm begeistert. Als Dritte taucht Andrea Schilling aus Würenlingen ins 26 Grad warme Nass. Immer neue «Aficionados» wollen keinen Tag länger warten, um nach sechs tristen Monaten endlich wieder Regibad-Luft zu schnuppern: 139 sind es bis 18 Uhr. Nicht alle, aber – so Monika Dietsche – die meisten trotzen sogleich mit einem wärmenden Schwumm der garstigen Witterung.


Wenn sie dann – hoffentlich bald – da sind, die herrlichen Sonnentage, dann wird das neue Sonnensegel auf der Wiese vor dem Restaurant seinen Dienst aufnehmen und das bisherige Defizit an Schattenplätzen wettmachen: 75 Quadratmeter gross ist das Segel und mit einem Detektor ausgestattet, der dafür sorgt, dass es sich bei Wind automatisch schliesst.
78 Meter lange Wasserrutsche


Die Bäume sind geschnitten, die Bänkli gestrichen, die Technik revidiert – nur die neue Rutschbahn lässt noch auf sich warten. Dietsche und Paul Laube als Regibad-Verbandsvorstand Projektleiter sind bereits voller Vorfreude und Stolz: «Die Arbeiten laufen nach Plan, die Betonfundamente sind fertig, Mitte Mai wird sie eingeweiht werden. Mit ihrer Länge von 78 Metern, dem in der Schweiz ersten Fake-Modul einer Wasserrutschbahn, der Landung mit Zeitmessung in einem Sicherheitsauslauf ist sie eine Sensation.»


Wegen der Rutsche und mit mehr Wetterglück als vorige Saison hofft Dietsche auf eine deutliche Zunahme an Gästen: «Die Badi ist für die Bevölkerung da, aber nur, wenn Bevölkerung die Badi auch gebührend schätzt und frequentiert, kann sie auf die Dauer überleben.»