Kriminelle Vergangenheit

Ruth Humbel zum Fall Shah: «Kantone müssen Ärzte aus dem Ausland besser überprüfen»

Skandalarzt Haresh Shah sass bereits im Gefängnis

Skandalarzt Haresh Shah sass bereits im Gefängnis: Der TeleM1-Bericht, in dem sich Ruth Humbel äussert.

Ein interkantonales Register für Ärzte würde helfen, Fälle von Skandalärzten zu verhindern, sagt Gesundheitspolitikerin Ruth Humbel. Der Fall Shah wäre trotzdem möglich.

«Die Kantone müssen Ärzte, die aus dem Ausland kommen, genauer überprüfen." Das fordert die Aargauer Nationalrätin und Gesundheitspolitikerin Ruth Humbel (CVP) zum Fall des Aargauer Skandalarzts Shah gegenüber TeleM1. Der zeige beispielhaft, wie wichtig es ist, dass die Kantone ihre Verantwortung in der gesundheitspolizeilichen Aufsicht wahrnehmen. 

Der Hausarzt Hareshchandra Shah sass in Deutschland hinter Gittern und war wegen Betrugs und Steuerhinterziehung mindestens vierfach vorbestraft, als er in den Aargau kam. Das brachte eine AZ-Recherche ans Licht. Der Kanton wusste nichts davon. Er hatte Shah im Jahr 2008 eine Bewilligung erteilt, als selbstständiger Arzt tätig sein zu dürfen. Im August 2008 eröffnete Shah in Klingnau eine Praxis. Über zehn Jahre lang behandelte er Patienten, ehe ihm der Kanton die Berufsausübungsbewilligung entzog und dieser Entscheid rechtskräftig wurde. Grund waren eine Verurteilung des Bezirksgerichts Zurzach wegen illegalen Drogenverkäufen an süchtige Patienten. 

Ruth Humbel: "Kantone müssen ihre Verantwortung wahrnehmen."

Ruth Humbel: "Kantone müssen ihre Verantwortung wahrnehmen."

«Wir hatten keine Hinweise auf frühere Verurteilungen», sagte die Aargauer Gesundheitsdirektorin Franziska Roth zur Enthüllung. Die Verurteilungen gingen aus den Unterlagen, welche der Kanton damals eingefordert hatte, nicht hervor. Weil eine fünfjährige Frist abgelaufen war, standen die meisten nicht mehr im deutschen Strafregisterauszug, den Shah vorlegen musste. Seine letzte Verurteilung wurde im November 2009 rechtskräftig, als er bereits im Aargau tätig war. Er erhielt wegen einem vorgetäuschten Einbruch in seine Praxis in Schwerte bei Dortmund und versuchtem Versicherungsbetrug eine Strafe von einem Jahr Gefängnis auf Bewährung. 

Beim Gesundheitsdepartement heisst es zwar, man habe seit 2008, als Shah die Zulassung erhielt, die Anforderungen verschärft. Der Fall Shah wäre aber auch heute noch möglich. Er zeigt eben auf, dass der Kanton nach der Zulassung keine weiteren Strafregisterauszüge mit späteren Datum einfordert, auf denen später rechtskräftig gewordene Verurteilungen aufgeführt sind. Dass Urteile erst später rechtskräftig werden, können Ärzte mit Beschwerden an höhere Gerichtsinstanzen erreichen. 

Forderung nach Register

Ruth Humbel weist ausserdem auf eine Lücke im Schweizer System hin: Es gebe kein interkantonales Medizinalberufsregister. Ein solches würde verweigerte und entzogene Zulassungen aus allen Kantonen ausweisen. Deshalb will die Aargauer Nationalrätin einen Vorstoss im Parlament einreichen. 

Meistgesehen

Artboard 1