Grenzübergang

Rückkehr der Einkaufstouristen: Koblenz blühen wieder Mega-Staus – so rüstet sich das Grenzdorf dagegen

In einer Woche ist der Grenzübergang Koblenz-Waldshut auch für Einkaufstouristen wieder passierbar.

In einer Woche ist der Grenzübergang Koblenz-Waldshut auch für Einkaufstouristen wieder passierbar.

Nach dem grossen Verkehrschaos hat sich die Situation im Dorf vorübergehend entspannt. Das wird sich bald wieder ändern.

Während für einige die Coronakrise eine Zeit der Entschleunigung war, bedeutete dies für die Koblenzer vor allem eines: regelmässig kilometerlanger Stau. Denn der Grenzübergang im Rheindorf war wochenlang der einzige in der Region, der nicht geschlossen war. Seit Mitte Mai sind alle Übergänge wieder offen, auch die Züge zwischen Waldshut und Koblenz fahren wieder. Und: Bis zum 15. Juni bleibt die Grenze für Einkaufstouristen zu. Können die staugeplagten Koblenzer jetzt aufatmen?

Es ist tatsächlich zu einer Entspannung gekommen, bestätigt Gemeindeammann Andreas Wanzenried. Will heissen: Unter der Woche hat es nach wie vor viel Verkehr, aber ohne Staus bis über die Dorfgrenze hinaus. «Es gibt teilweise noch leichten Rückstau, aber der Verkehr ist mehr oder weniger flüssig», sagt Wanzenried. An den Wochenenden bleibt das Dorf sogar komplett staufrei.

Die entspannten Wochenenden lassen sich mit den noch fehlenden Einkaufstouristen erklären. Bei den fast staufreien Wochentagen werde es aber schwieriger. «Möglicherweise machen noch einige Pendler wegen der Coronakrise Homeoffice», sagt Wanzenried. Der Ammann hofft, dass auch in Zukunft der eine oder andere Pendler von zu Hause aus arbeitet. Denn: «Ganz wenig Autofahrer können ganz viel ausmachen.» Er verweist dabei auf Studien über Staus auf Autobahnen, die zeigen, dass diese ausblieben, wenn die Anzahl der Fahrzeuge nur um wenige Prozent sinke. Würden also wenige der Pendler auch nach der Coronakrise vermehrt Homeoffice machen, könnte sich das positiv auf die Stausituation in Koblenz auswirken, folgert der Ammann.

Zusammenbruch des Verkehrs verhindern

Ob der Stau an den Wochenenden zurückkehrt, wenn in einer Woche die Grenze auch für die Einkaufstouristen wieder öffnen, sei schwierig einzuschätzen, sagt Wanzenried. «Es könnte sein, dass wegen des Lockdowns und der damit verbundenen Lohneinbussen der Einkaufstourismus erst recht zunimmt. Oder aber die Leute kaufen generell weniger ein.»

Gesperrte Strasse: Auch dank dieser Absperrung neben der "Fliegerlihütte" war der Schleichweg nach Koblenz nur für Dorfbewohner offen.

Gesperrte Strasse: Auch dank dieser Absperrung neben der "Fliegerlihütte" war der Schleichweg nach Koblenz nur für Dorfbewohner offen.

Fest steht: Die Gemeinde behält sich vor, die Schleichwege zwischen Koblenz und Klingnau sowie Bad Zurzach situativ wieder zu sperren, zumindest solange die Krise anhält. «Wir entscheiden jeweils kurzfristig, je nach Staulage», sagt Wanzenried. In den vergangenen drei Wochen blieben die Schleichwege offen. Mit den Sperrungen soll der Zusammenbruch des Verkehrs innerhalb des Dorfes verhindert werden. Koblenzer mit einem Passierschein dürfen die Wege weiterhin benutzen. 550 solcher Scheine stellte die Gemeinde bisher aus.

Inwiefern diese kurzfristigen Fahrverbote auch nach der Krise als Massnahme gegen Stau angewandt werden, sei noch offen: «Die aktuelle Krise hat uns zumindest gezeigt, mit welchen Mitteln schnell und einfach der Verkehrskollaps innerhalb des Dorfes verhindert werden kann.»

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