Lengnau

Roy Oppenheim lanciert weiteres Angebot: «Jetzt gilt es, die Erwartungen zu erfüllen»

Roy Oppenheim im zukünftigen «Doppeltür»-Besucherzentrum in Lengnau, das 2024 eröffnet werden soll.

Roy Oppenheim im zukünftigen «Doppeltür»-Besucherzentrum in Lengnau, das 2024 eröffnet werden soll.

Nach dem jüdischen Kulturweg und dem Vermittlungsprojekt «Doppeltür» lanciert Roy Oppenheim in der Region ein weiteres Angebot.

«Das Bild, welches sich die Öffentlichkeit über das Judentum macht, ist von vielen Klischees, Irrtümern und Negativität geprägt», sagt Roy Oppenheim. Hunderte von Führungen hat er auf dem jüdischen Kulturweg Endingen-Lengnau begleitet und erfahren, dass Juden in der Öffentlichkeit meist mit viel Geld und dem Holocaust in Verbindung gebracht werden.

«Danach wird es still; kaum jemand erinnert daran, dass jüdische Menschen wie Sigmund Freud, Karl Marx oder Albert Einstein die Moderne entscheidend mitgeprägt haben. Ebenso wie kulturelle Grössen: der Komponist Mendelssohn-Bartholdy, der Schriftsteller Franz Kafka, der aus Endingen stammende Filmregisseur William Wyler oder Rolf Lyssy.»

Oppenheim will mehr Dynamik und wird aktiv

2009 wurde der jüdische Kulturweg eröffnet. Das Interesse war und ist unvermindert gross. «Tausende Besucher aus dem In- und Ausland kommen jedes Jahr, um mehr über die weltweit einzigartige Form der Koexistenz zwischen Juden und christlichen Aargauer Bauern zu erfahren», erzählt Oppenheim.

Während sie weltweit immer wieder vertrieben, umgebracht oder ghettoisiert wurden, entstanden in den beiden Dörfern Häuser mit Doppeltüren, in denen christliche und jüdische Familien zwar getrennt, aber friedlich nebeneinander leben konnten.

Das Vermittlungsprojekt «Doppeltür» mit Besucherzentrum in Lengnau, interaktiven und teilweise unterirdischen Stationen soll 2024 eröffnet werden. Bezüglich der heutigen Zwischenphase zwischen Kulturweg und «Doppeltür» fehlt es Roy Oppenheim etwas an Dynamik: «Wir dürfen den Schwung jetzt nicht verlieren und einfach zuwarten. Mit unseren Projekten haben wir die Neugierde der Menschen geweckt; jetzt gilt es, die Erwartungen zu erfüllen.»

Oppenheim betont, dass die Zusammenarbeit in der Region sehr gut sei. Allerdings könnte der jüdische Kulturweg noch etwas zulegen: «Es ist erforderlich, schon heute gewisse Aspekte zu professionalisieren.» Für ihn ein weiterer Grund, um zusammen mit Bad Zurzach Tourismus die neue Plattform «Roys Denk Tour» als Bindeglied zwischen dem bestehenden jüdischen Kulturweg und «Doppeltür» zu lancieren.

Den Auftakt machte er am Europäischen Tag der Jüdischen Kultur mit einer seiner Führungen durch das «Shtetl», für die Leute jeweils von weit her kommen. Parallel dazu veranstaltete der Kulturkreis Surbtal in der Synagoge Lengnau einen Nachmittag mit Lyrik und Prosa. Alle Texte stammten von jüdischen Autoren. Dazwischen gab es Intermezzi des Violinisten Ronny Spiegel.

Den jüdischen Humor beleuchten

Doch «Roys Denk Tour» soll weitere Kreise ziehen, als es zurzeit mit Führungen auf dem jüdischen Kulturweg möglich ist. In den nächsten Wochen kommt das Buch «In weiser Voraussicht gegründet» über den Friedhof Endingen heraus, das Oppenheim zusammen mit der Journalistin Nicole Dreyfus verfasst hat.

«Wir erzählen Geschichten zu den Menschen, die in Endingen und Lengnau die jüdische Kultur aufgebaut und hochgehalten haben. Bis heute». Am 19. Oktober findet im Historischen Museum Baden die Buchvernissage zum Werk «Jüdischer Kulturraum Aargau» statt, an dem Oppenheim mit weiteren Autorinnen und Autoren mitgeschrieben hat.

Bis jetzt stehen unter dem Label «Roys Denk Tour» rund 24 Veranstaltungen auf dem Programm. Darunter verschiedene Podiumsdiskussionen mit Persönlichkeiten zu brandaktuellen Themen. Der 26. Januar 2021 steht unter dem Motto «Humor ist, wenn man trotzdem lacht».

Einen Abend lang werden die verschiedenen Facetten des jüdischen Humors beleuchtet. Anfang 2022 zeigt das Landesmuseum Zürich eine Ausstellung «Weg aus der Schweiz» über Auswanderer, an der Oppenheim mit Spezialführungen zur «Die Erfolgsstory der Lengnauer Guggenheims» mitwirkt.

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