Die Idee einer direkten Verbindung von Winterthur nach Basel, die eine Reaktivierung der Rheintalstrecke zwischen Koblenz und Laufenburg bedeutet hätte, erhielt letztes Jahr Auftrieb. Die Arbeitsgemeinschaft Pro Wiba, ins Leben gerufen von dem ehemaligen Winterthurer FDP-Gemeinderat Pierre-François Bocion, hatte gefordert, dass dem Rhein entlang wieder Schnellzüge fahren.

Deshalb reichte der Zürcher SP-Nationalrat Thomas Hardegger beim Bund einen entsprechenden Vorstoss ein. Die Antwort des Bundesrats fiel jedoch negativ aus: «Eine Linie Winterthur–Bülach–Basel ist derzeit nicht Teil der Überlegungen zur Entwicklung des Fernverkehrsnetzes der Schweiz». Zur Erreichung einer schnelleren Verbindung als via Zürich wären Investitionen von mehreren hundert Millionen Franken in die Infrastruktur nötig. Zudem hätte «keiner der betroffenen Kantone einen solchen Wunsch geäussert, und diese Verbindung wäre kaum schneller als die heutige via Zürich», hiess es weiter.

Kurz darauf reichten die beiden Aargauer CVP-Grossräte Andreas Meier und René Huber beim Kanton eine Interpellation zum gleichen Thema ein. Doch auch der Aargau sieht keinen Grund in einer Verbindung zwischen Koblenz und Laufenburg. Der Betrieb der Schnellzüge, die bis 1990 auf dieser Strecke fuhren, sei vor allem wegen der schwachen Nachfrage und der hohen Kosten eingestellt worden, schreibt der Regierungsrat in seiner Antwort. Seitdem seit 1994 auch keine Bummlerzüge mehr fahren, verkehren hier nur noch Güterzüge.

Konkurrenz zur S36

Der Regierungsrat findet zwar, dass ein Halt eines Schnellzugs in Bad Zurzach Vorteile für den dortigen Tourismus bringen würde, und wahrscheinlich auch mehr Fahrgäste den öffentlichen Verkehr benutzen würden; doch ist er der Meinung, dass die Nachfrage zwischen Bad Zurzach und Basel wie auch zwischen Rheinfelden/Stein-Säckingen und Winterthur wesentlich tiefer sei als zum Beispiel diejenige von Stein-Säckingen nach Basel oder von Bad Zurzach nach Zürich.

Zudem würde sich eine solche Schnellzugslinie nachteilig auf die S-Bahn-Linie S36 Bülach–Bad Zurzach auswirken. Die S36 könnte Fahrgäste verlieren, was deren Weiterbetrieb infrage stellen würde. «Mit den angedachten Halten im Kanton Aargau verliert die Schnellzugslinie zudem den vermeintlichen Zeitgewinn zwischen Winterthur und Basel, der für die Region Winterthur zu den Hauptgründen für eine Wiedereinführung gehört.»

Ob es stimmt, dass die Strecke von Winterthur nach Basel länger dauern würde als über Zürich, da ist sich Interpellant Andreas Meier nicht ganz sicher: «Das muss ich selbst noch einmal nachprüfen.» Ansonsten könne er die Antworten des Regierungsrats aber nachvollziehen, er sei grundsätzlich zufrieden: «Es ist mir klar, dass der Kanton hier nichts alleine machen kann.» Ob Andreas Meier sich mit der Antwort nur teilweise zufrieden gibt und so im Grossen Rat noch Stellung zur Antwort des Regierungsrats nehmen könnte, das lässt er im Moment noch offen.

Wichtig sei ihm vor allem, dass der Fokus weiterhin auf den Ausbau des öffentlichen Verkehrs gelegt wird: «Dieser nimmt im Verhältnis zum motorisierten Individualverkehr stark zu, weshalb das Bahnangebot auch in unserer Region ein zentrales Thema bleibt.»

Zurzibiet bleibt dran

Felix Binder, Präsident des Gemeindeverbands Zurzibiet Regio, hatte mit dieser Antwort des Regierungsrats gerechnet. Trotzdem ist das für Zurzibiet Regio und auch für den Regionalplanungsverband Fricktal Regio noch nicht das Ende der Rheintalbahn: «Wir planen eine Arbeitsgruppe, aber erst einmal fernab aller politischen Aktivitäten.» Ob sie das Thema tatsächlich aktiv weiterverfolgen werden oder nicht, das entscheiden sie dann im März. Geplant sei auch ein eigenes Arbeitspapier, mit grundlegenden Gedanken zur Rheintalbahn.

Für einen Austausch wären sie im Januar auch gerne mit der Arbeitsgruppe Pro Wiba, die die ganze Diskussion um die Rheintalstrecke angestossen hatte, zusammengesessen. Der Termin stand bereits fest. Doch Pierre-François Bocion sagte kurzfristig ab. Weshalb genau, das weiss Binder nicht. Die beiden Regionalverbände machen nun vorerst alleine weiter.