Zurzibiet/Fricktal

Rheintal-Bahnlinie: Befürworter fordern Betrieb ab 2025 – und schreiben Brief an Bundesrätin Sommaruga

In Leibstadt könnten bald wieder Passagiere einsteigen.

In Leibstadt könnten bald wieder Passagiere einsteigen.

Die Arbeitsgemeinschaft Pro WiBa setzt sich für die Bahnverbindung ein und wendet sich mit einem Brief an Bundesrätin Sommaruga − trotz politischem Gegenwind. Der Plan: Ab 2025 soll losgehen.

«Ziel ist die Aufnahme des Bahnbetriebes am 20. Dezember 2025», sagte Pierre-François Bocion, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Pro WiBa an der ersten Vorstandssitzung in Bad Zurzach. Die Vereinigung will die seit 1992 unterbrochene Bahnverbindung zwischen Winterthur und Basel wieder herstellen. Bis Ende 2022 sollen die SBB eine ZHAW-­Diplomarbeit zu diesem Thema, für welche die Verfasser ausgezeichnet wurden, durch ein Ingenieurbüro überprüfen lassen − auch im Hinblick auf die Kosten. Zwischen 2023 und 2025 könnte dann die Studie umgesetzt, das heisst die Bahnhöfe wieder in Betrieb genommen werden.

Bei Pro WiBa macht man keinen Hehl daraus, dass dem Vorhaben harscher Gegenwind vor allem aus kantonalen Amtsstuben entgegensteht. Das kam an der Sitzung deutlich zum Ausdruck. Hoffnung schöpft man aber aus einer Besprechung mit dem Direktor des Bundesamtes für Verkehr (BAV). Auf Interesse gestossen sei das Argument, dass die Tangentiallinie durch das Rheintal den Zürcher Hauptbahnhof entlasten würde. Pierre-François Bocion: «Wenn das BAV seine Planer darauf ansetzt, wären wir einen Schritt weiter.»

Vorstösse im Nationalrat und Grossen Rat hängig

Auch auf dem politischen Weg bleibt Pro WiBa weiter aktiv (die AZ berichtete). In einem Postulat forderte Hansjörg Knecht, Ständerat und Vorstandsmitglied, den Bundesrat auf, zu prüfen, wie ein Ausbau der Strecke Winterthur–Koblenz–Basel realisiert werden kann. «Stossrichtung ist das Argument, dass die Linie eine Redundanzstrecke bildet und der Entlastung dient. Das ist auch das Hauptargument von Pro WiBa», so Knecht. Er geht davon aus, dass der Ständerat sein Postulat ablehnen wird, will aber das Thema allenfalls in die Verkehrskommission bringen. Noch hängig ist auch das Postulat von Grossrat und Vorstandsmitglied Andreas Meier im Grossen Rat. «Der Regierungsrat lehnt das Vorhaben von Pro WiBa ab», glaubt er. Wegen der ungedeckten Betriebskosten, die sich auf 26 bis 30 Mio. Franken belaufen und der befürchteten Konflikte mit anderen Ausbaustrecken im Aargau.

Ansatzpunkte, die für die Wiederherstellung der Tangentiallinie sprechen, sind für Marianne Binder, Nationalrätin und Pro-WiBa-Vizepräsidentin, auch die Klimadebatte und die Aufwertung von Wirtschaftsräumen. «Es braucht mehr öffentliche Verkehrsmittel.» Sie möchte mit weiteren Vorstössen das Thema national auf den Tisch bringen.

«Das Interesse an der Rheintallinie ist von Seiten des Kantons sehr gering», stellt der Laufenburger Vizeammann Meinrad Schraner fest. «Fakten und Zahlen zum Wachstum scheinen keine Rolle zu spielen. Ebenso wenig die Verbindung von Wirtschaftsräumen.» Das Thema sei aber für die Regionen wichtig. In den Planungsverbänden Zurzibiet Regio und Fricktal Regio sollen jetzt Sofortmassnahmen angegangen werden. «Pro WiBa wird auch mit einem Brief direkt an Bundespräsidentin und UVEK-Vorsteherin Simonetta Sommaruga gelangen», so Bocion. Darin wird auf die Diplomarbeit hingewiesen und der Wunsch geäussert, dass die SBB das Thema «bearbeiten».

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