Kevin (Namen geändert) ist dünn und sein Gesicht unter der Gelfrisur ist kreideweiss. In diesen Tagen wird Kevin 20, aber ums Feiern sei ihm nicht zumute, sagte er zu Einzelrichter Cyrill Kramer.

Brav wie ein Musterschüler beantwortete er dessen Fragen, wobei aber Scham und Nervosität unüberhörbar waren. Kunststück – laut Staatsanwältin sollte Kevin zu einer Freiheitsstrafe von 10 Monaten verurteilt werden. «I weiss nid, worum i söttige Schissdräck gmacht ha», meinte Kevin kleinlaut.

Tatsache ist, dass er sich einen ordentlichen Teil seines jungen Lebens selbst verpfuscht hat. Früh hatte er mit Drogenkonsum begonnen – Cannabis, Amphetamine, Ecstasy. Zwei Lehren hatte Kevin geschmissen, war bloss noch «uff dr Gass» herumgehangen.

Beschaffungskriminalität war die logische Folge. Fast genau vor einem Jahr hatte er eine bedingte Geldstrafe von 60 Tagessätzen kassiert. Nur zwei Wochen später war er nachts mit einem Kumpel zunächst in ein Bau- und anschliessend in ein Bike-Geschäft eingebrochen.

Der Sachschaden war gering, die Beute – Kameras, Handys, eine Uhr, Bargeld, Schnaps und zwei Mofas zum Gebrauch – hatte einen Wert von rund 4500 Franken.

Holz für 540 Stutz

Und dann war, ebenfalls im September 2013, noch die Sache mit der Party beim Grillplatz «Waldgarage» in Klingnau. Nachdem es zu regnen begonnen hatte und das Holz zum Feuern ausgegangen war, bedienten sich Kevin und seine Kumpels im nahen Forstwerkhof – nachdem Kollege Michi die Türe eingetreten hatte.

Sie klauten Holz im Wert von rund 540 Franken und transportierten es mit einer Schubkarre zur «Partymeile». Mit dem Subaru Legacy, der mit im Zündschloss steckenden Schlüssel im Werkhof stand, drehten Kevin und Michi – beide nicht im Besitz eines Fahrausweises – sodann mehrere Runden durch den Wald.

Zu guter Letzt stahlen sie Schutzhelme, Schutz- und Regenkleidung sowie einen Benzinkanister im Gesamtwert von 1240 Franken aus dem Fahrzeug. Michi, damals noch nicht 18-jährig, fuhr später mit dem Subaru allein aus dem Wald und über eine längere Strecke. Schliesslich liess er das Fahrzeug beschädigt stehen. Michi wurde dafür bereits vom Jugendgericht verurteilt.

In der Anklageschrift gegen Kevin war auch noch Widerhandlung gegen das Waffengesetz aufgeführt. Die Polizei hatte in seinem Besitz einen Teleskopschlagstock gefunden. Den habe er zu seinem Selbstschutz und ganz legal in einem Geschäft in Waldshut gekauft, beteuerte Kevin: «Das machen dort täglich Dutzende.»

Hautnah am Tod vorbei

Vor Einzelrichter Kramer zeigte sich der 20-Jährige nicht nur zerknirscht, sondern regelrecht geläutert. Vor rund zwei Monaten hatte Kevins Leben an einem seidenen Faden gehangen: Sein vom Drogenmissbrauch geschundener Körper hatte seinen Dienst versagt, notfallmässig hatte ein Riss in Kevins Lunge operiert werden müssen.

Seither sei er komplett clean, habe auch schon Hilfe bei einem Psychologen gesucht: «Ich sehe jetzt, dass es andere Möglichkeiten zu leben gibt. Ich will ganz neu anfangen.» Er wohnt momentan bei seiner Schwester, seine Freundin steht zu ihm.

Sein Verteidiger beschönigte Kevins Taten nicht. Das Leben seines Mandanten sei so sehr aus der Bahn geraten gewesen, dass ihm die Fähigkeit zum gesetzmässigen Handeln komplett abhanden gekommen sei. Eine bedingte Strafe von sechs Monaten in Form einer Geldstrafe sei angemessen, so der Verteidiger.

Kevin hat «Zeichen erkannt»

Richter Cyrill Kramer bezeichnete Kevins Verschulden als «mittelschwer», hielt ihm aber zugute, dass er die Notoperation offenbar als ein Zeichen erkannt hat und in sich gegangen ist.

Für die gesprochene Freiheitsstrafe von acht Monaten gewährte Kramer den bedingten Erlass mit einer langen Probezeit von vier Jahren und der verbindlichen Weisung für eine ambulante, suchtspezifische Therapie.

Man konnte förmlich hören, wie gross der Stein war, den das kleine Wort «bedingt» von Kevins Herzen fallen liess.