Villa Himmelrych

Referendumsabstimmung am Sonntag: Wie viel ist Bad Zurzachern ihr Schloss wert?

Diesen Juni stand der Schlosspark in Bad Zurzach nach über einem Jahrzehnt wieder offen.

Diesen Juni stand der Schlosspark in Bad Zurzach nach über einem Jahrzehnt wieder offen.

Im Bezirkshauptort scheiden sich die Geister bei der Unterstützung für die Unterhaltsarbeiten der Parkanlage Villa Himmelrych. Die Referendumsabstimmung diesen Sonntag bringt nun Klarheit.

In Bad Zurzach sind es die stimmberechtigten Bürgerinnen und Bürger gewohnt, sich mit grossen Geldbeträgen zu beschäftigen. Investitionen gehen nicht selten in die Millionen. Im vergangenen Jahr genehmigten die Stimmbürger zur Umsetzung des Fleckenkonzepts einen Kredit über knapp 18 Millionen Franken mit überwältigendem Mehr. Oder der Werkhof, der auf über vier Millionen Franken zu stehen kam, wurde vom Souverän ohne grosses Murren durchgewinkt. Wenn es um die Ausgaben der Gemeindefinanzen geht, ist also nicht die Summe massgebend, im Zentrum steht der Sinn und Zweck.

Deutlich wird das an einer möglichen Beteiligung der Gemeinde an den Unterhaltskosten im Park der Villa Himmelrych, über die am Sonntag an der Urne entschieden wird. Hochgerechnet über einen Zeitraum von drei Jahren, so lange wäre die Vereinbarung befristet, würden Arbeits- und Sachleistungen im Wert von 111'000 Franken fällig. Die Trägerschaft des Schloss Zurzach, Park Himmelrych AG, zu ihnen gehören unter anderem der ehemalige Ammann und jetzige Gemeinderat Reto S. Fuchs und der Döttinger Bauunternehmer Markus Birchmeier, begründete ihren Antrag damit, dass die Nutzung des Schlossparks mit diversen, kostenintensiven Unterhaltsarbeiten verbunden sei, die sich nicht alleine bewältigen liessen.

Als Gegenleistung für den öffentlichen Zugang halten die Besitzer darum eine Beteiligung in erwähntem Rahmen für angemessen. Konkret sollen die Werkbetriebe Bad Zurzach die monatliche Reinigung der Wege, Leerung der Abfalleimer im Rahmen der üblichen Gemeindetouren oder das Mähen der Wiesenflächen sowie des grossen Parkplatzes während der Saison übernehmen.

Kosten seien Angelegenheit der Besitzer

Kommt nicht in Frage, finden nicht wenige Bewohner im Bezirkshauptort. Die Gemeindeversammlung vom 27. August stimmte der Beteiligung der Gemeinde an den Unterhaltskosten des Zurzacher Schlossparks zwar mit 97 zu 35 Stimmen deutlich zu. Gegen diesen Entscheid regte sich Widerstand, und ein Komitee ergriff das Referendum. Dieses kam mit 371 gültigen Unterschriften schliesslich zu Stande, nötig gewesen wären 229 Unterschriften.

Die Gretchenfrage, die es nun zu klären gilt: Soll die öffentliche Hand eine private Unternehmung unterstützen? Nach Ansicht der Gegner ist die Finanzierung beziehungsweise der Unterhalt eine Angelegenheit der Besitzer. Für sie ist es auch eine Zwängerei. Die In­haber sollen in ihren Augen die Mittel selbst aufbringen. Das Argument, dass die Anlage auch von der Öffentlichkeit genutzt werden kann, verfängt bei ihnen nicht. Unterschwellig schwingt in der Ablehnung auch die scheinbar vorhandenen Vermögensverhältnisse der Besitzer mit.

Bedeutendes Kulturgut mit grosser Ausstrahlung

Die Befürworter halten ihrerseits dagegen, dass es sich bei der Villa Himmelrych um ein altehrwürdiges Gebäude handle, mit dem ein bedeutendes Kulturgut wieder frei zugänglich sei. Das Schloss wurde Ende des 19. Jahrhunderts durch den Industriellen Jakob Zuberbühler erbaut und 1900 eingeweiht. Nach jahrelangen Rechtsstreitigkeiten der damaligen Besitzer und der Antonie-­Deusser-Stiftung wurden die kulturellen Aktivitäten 2009 eingestellt. Danach waren das Schloss und der Park elf Jahre lang geschlossen.

Die Gefahr, dass dem Schloss erneut ein solches Schicksal droht, ist aufgrund eines Neins nicht zu erwarten. Sollte die Vorlage an der Urne abgelehnt werden, sei von Seiten der Trägerschaft keine Trotzreaktion zu erwarten, sagte Reto S. Fuchs schon vor der Gemeindeversammlung Ende August. Ein Signal für die Eigentümer, wie viel den Bad Zurzachern ihr Schloss wert ist, dürfte der Ausgang am Sonntag aber allemal sein.

Autor

Daniel Weissenbrunner

Daniel Weissenbrunner

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