Im Juli 2015 endete nach 80 Jahren die Konzession für das Kraftwerk Klingnau. Seither kann es nur dank einer Duldungsverfügung des Kantons weiterbetrieben werden.

Ende Juni 2017 reichte die Aarekraftwerk Klingnau AG (AKA), an der die Axpo Power AG und die AEW Energie AG beteiligt sind, das Konzessionsgesuch für die Wasserkraftnutzung bis 2075 ein.

Doch mehrere Umweltorganisationen und Fischereiverbände haben gemeinsam Einsprache gegen die Neukonzessionierung erhoben, wie «Die Botschaft» in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet. Gegen die Konzessionserteilung wehren sich Aqua Viva, Birdlife Schweiz, Birdlife Aargau, Pro Natura Schweiz, Pro Natura Aargau, der Schweizerische sowie der Aargauische Fischerei-Verband, WWF Schweiz und WWF Aargau.

Benjamin Leimgruber, Bereichsleiter Gewässerschutz von Aqua Viva, sagt auf Anfrage der AZ: «Der Kanton Aargau hat zu Einspracheverhandlungen eingeladen. Eine erste Verhandlung fand bereits statt, es werden noch weitere Runden folgen.»

Im Rahmen der Neukonzessionierung des Kraftwerks Klingnau waren verschiedene Massnahmen zur Aufwertung der Umwelt im und rund um den Klingnauer Stausee vorgesehen. Um diese und weitere Massnahmen wird nun gestritten. (Text geht weiter)

Die vorgeschlagenen Massnahmen für die Neukonzessionierung des Kraftwerks.

  

Im Dezember 2017, vor der öffentlichen Auflage, schrieb das kantonale Departement für Bau, Verkehr und Umwelt (BVU): «Damit die Konzession erteilt werden kann, müssen unter anderem ökologische Ersatz- und Ausgleichsmassnahmen getroffen werden.» Diese gehen zulasten der AKA. Es handelt sich um eine Reihe von Massnahmen in unmittelbarer Umgebung des Klingnauer Stausees (siehe Karte):

  • Ufergestaltung Ifang: Gestaltung eines neuen Nebenarms der Aare.
  • Bau von drei neuen Beobachtungsbuchten am linken Seeufer.
  • Einrichten einer Nistwand für Uferschwalben.
  • Vitalisierung des linken und rechten Sickergrabens sowie des untersten Abschnitts des Binnenkanals: Verbesserung Längsvernetzung (Wiederherstellung der Durchgängigkeit für Fischwanderung) und Aufwertung des Lebensraums.
  • Vitalisierung des Leuggernbachs: Neugestaltung des Mündungsbereichs zur Verbesserung der Längsvernetzung und Aufwertung des Lebensraums
  • Neue Watfläche im Stausee.
  • Uferstrukturierung Giriz: abschnittweise Entfernung von harten Uferverbauungen, Schaffung von Buchten und Blocksteinbuhnen, Aufwertung des Lebensraums.

Doch die Gesuchstellerin, die Aarekraftwerk Klingnau AG, stellt sich gemäss «Botschaft» auf den Standpunkt, dass sie für die Konzessionserneuerung gar keine Ersatzmassnahmen zu leisten hat. Sie bezeichnet alle Massnahmen als freiwillig.

Auslöser dafür ist offenbar ein Gutachten von Verwaltungsrichter Peter Keller aus dem Jahr 2016. In diesem geht es um die Grundsatzfrage, ob als Referenzpunkt der Zustand des Gewässers vor dem Kraftwerkbau, der Ist-Zustand oder der fiktive Zustand bei einem Verzicht auf die Wasserkraftnutzung gelten soll.

Die AKA argumentiert: Mit dem Weiterbetrieb des Kraftwerks werde der wertvolle Ist-Zustand des Klingnauer Stausees erhalten.

Leimgruber relativiert allerdings die verzwickte gesetzliche Ausgangslage: «In den aktuellen Verhandlungen wird versucht, eine gemeinsame Lösung mit der AKA zu finden. Die rechtlichen Aspekte sind momentan im Hintergrund und es wird eine gemeinsam tragbare Lösung mit sinnvollen Ersatzmassnahmen gesucht.»

Die Einsprecher fordern nebst den ausgearbeiteten Massnahmen (siehe Karte) zusätzliche ökologische Massnahmen im Leuggernfeld, eine Sanierung des Unterwassers Grien und eine Revitalisierung des rechtsufrigen Binnenkanals.

Naturschutz-Paradies Klingnauer Stausee in Bildern: