Eine Bühne mit Konzertbestuhlung, überdacht von einem grossen Segel. Links und rechts Türme mit opulenten Lautsprechern, davor 500 weisse Gartenstühle, im Hintergrund verstreut Festbänke mit Tischen und seitlich – gross und rot – die Zahl 100. Sie steht für das Jubiläum der Raiffeisenbanken Aare-Rhein und Böttstein. Nicht nur deren Kunden, jedermann war am Sonntagabend in den Kurpark Bad Zurzach eingeladen – zu einem Konzert des Jugend-Sinfonieorchesters Aargau (SJAG).

Die Gäste stimmten sich vorgängig mit einem Cüpli, einer Stange Bier, einer Wurst vom Grill auf das Ereignis ein. Mit einem charmanten Versprecher hiess der VR-Präsident der Raiffeisenbank Aare-Rhein, Beat Elsener, die rund 500 Gäste «im Kursaal» willkommen. Mit einem Mini-Wegweiser mit Schildern unter anderem nach Tokio, New York, Paris und Raiffeisen als Geschenk gratulierte Gemeindeammann Reto Fuchs namens Bad Zurzach Elsener zum Jubiläum. In Echtgrösse soll ein demnächst eine Hinweistafel im Flecken vor der Raiffeisenbank nach Aarau, Bern und Zürich weisen.

Schliesslich begrüsste auch Projektleiterin SJAG, Stefanie C. Braun, die erwartungsfrohen Besucher. Sie tat es mit den Worten: «Wir haben die Wettergötter mit Erfolg angefleht, nur leider vergessen, den Wind abzubestellen.» Tatsächlich präsentierte sich, nach dem trüben Vormittag, der Himmel in schönstem Blau und schien die Sonne bis nach Konzertende auf das Gros der Sitzplätze. Die vorderen Reihen allerdings lagen im, durch den Wind, empfindlich kühlen Schatten.

Ob fröstelnd oder vom gleissenden Licht geblendet sitzend – was die rund 60 Musikerinnen und Musiker im Alter zwischen 15 und 25 Jahren unter Leitung von Hugo Bollschweiler boten, begeisterte die Zuhörer restlos. «Femmes Fatales?» – so der Titel des Programms. Auf der Bühne war keine «femme fatale» auszumachen, aber lauter «femmes fantastique» – nämlich faszinierend musizierende junge Frauen. Die anteilmässig rund hälftig vertretenen Musiker ihrerseits waren ebenbürtig und damit des «hommes fantastiques». Fantastisch war auch die Solistin, die aus der Ukraine gebürtige Mezzosopranistin Christina Daletska. Ein zart gebautes, fast feenhaftes Wesen, gesegnet mit einer wunderbaren Stimme – glasklar und betörend in den höheren Lagen, von kraftvoller Dramatik in der Tiefe. Die sechs Lieder aus Hector Berlioz’ Zyklus «Les nuits d’été» kommen zwar in einem geschlossenen Saal zweifellos besser zur Geltung, sind auch kaum bekannt – Daleskas Vortrag aber fesselte die Zuhörer.

Carmen und Präzision

Begonnen hat das Konzert mit, im wahrsten Sinne des Wortes, Paukenschlägen und mitreissenden Bläsern: Die «Fanfare for the Uncommon Woman» der zeitgenössischen englischen Komponistin Joan Tower begeisterte die Zuhörer ebenso, wie die temperamentvollen, 1943 entstandene «Uwertura» der Polin Grazyna Bracewicz.

Nach der Pause sorgten das Orchester und sein Dirigent mit Rasse und Klasse dafür, dass das Publikum richtiggehend schwelgte: Wer kennt und liebt nicht Bizets Oper «Carmen»? Mit den Suiten 1 und 2 zu diesem Thema stellten die jungen Musikerinnen und Musiker hinreissend unter Beweis, was an Leidenschaft für ihre Instrumente und an Präzision in ihnen steckt. Vor «Les Toréadors» kapitulierte sogar der Wind – so grossartig war das Spiel.