Vor zwei Wochen feierte Bad Zurzach das 200-Jahr-Jubiläum seiner Bezirksschule. Als Gast war auch Bildungsdirektor Alex Hürzeler zugegen. Der Regierungsrat berichtete, dass im Jahr 1817 der Unterricht mit 23 Schülern gestartet wurde. Eine Zahl, die Hürzeler bescheiden vorkommen muss.

Denn ab dem Schuljahr 2022/23 wird eine Bezirksschule mindestens 108 Schüler vorweisen müssen, um ihren Fortbestand zu sichern. So verlangt es der Regierungsrat. Seither laufen im Zurzibiet die Drähte heiss und die Emotionen kochen hoch. Von den vier derzeitigen Bezirksschulen (Bad Zurzach, Endingen, Klingnau, Leuggern) werden zwei, maximal drei, diese Zäsur überstehen.

Im Aaretal sollen an der Wintergmeind die Stimmbürger nun entscheiden, ob die Bezirksschulen Klingnau und Leuggern neu in Kleindöttingen zusammengefasst werden. Die Bezirksschule in Endingen gilt als gesichert, sie ist die schülerreichste im aktuellen Quartett.

Ungewiss ist die Zukunft der Bez im Bezirkshauptort. Klar ist, dass sie die vom Kanton geforderte Schülerzahl nicht erfüllen wird. Unbestritten ist aber auch, dass im Zurzibiet insgesamt genügend Schüler vorhanden wären, um drei Bezirksschulen zu betreiben. Es geht also (auch) eine Frage der Verteilung. Eine Möglichkeit bestünde demnach darin, dass Schüler aus dem Aare- oder dem Surbtal die Bez in Bad Zurzach besuchen. «Wir sind nicht abgeneigt, Hand zu bieten», sagte Böttsteins Ammann Patrick Gosteli am Mittwoch an einer Medienorientierung.

Aussage gegen Aussage

Keinen Gefallen an diesem Satz findet der Gemeinderat von Klingnau. In einer Richtigstellung wird betont, dass die Aussage Interpretationen von Patrick Gosteli seien. Sie wurden mit den involvierten Gemeinden der Oberstufe Aaretal (OSA) nicht abgesprochen. «Der Gemeinderat Klingnau distanziert sich von solchen persönlichen Aussagen.» Ausserdem stört man sich in Klingnau daran, dass im Entwurf der erwähnten Medienmitteilung der Satz (...) «Klingnau hätte sich gerne mehr Zeit für die Qualitätssicherung der Schulstandorte ausbedungen» (...) bewusst weggelassen worden ist.

«Das wäre eine Möglichkeit, wenn man gemeinsam und über die einzelnen Talschaften hinaus nach einer Lösung sucht.»

Peter Lude Vizeammann, Bad Zurzach

«Das wäre eine Möglichkeit, wenn man gemeinsam und über die einzelnen Talschaften hinaus nach einer Lösung sucht.»

Patrick Gosteli reagiert auf den Vorwurf mit einer eigenen Darstellung: «Die Medienmitteilung wurde durch sämtliche anwesenden Gemeindeammänner in dieser Form abgesegnet und nicht durch meine Person», stellte er klar. Im Weiteren habe er auf die Frage/Feststellung, dass Bad Zurzach die Schülerzahlen wohl auch nicht mehr erreichen wird, festgehalten, dass das Aaretal bisher offen war für Gespräche und dies auch weiterhin sein werde.

«Und dass das Problem in Bad Zurzach mit Schülerinnen und Schülern aus dem Aaretal oder dem Surbtal gelöst werden könnte, wenn die Vision drei Talschaften – drei Oberstufenzentren umgesetzt werden sollte.» Alle anwesenden Gemeindeammänner hätten dies so zur Kenntnis genommen ohne irgendwelche Intervention.

«Der Gemeinderat Klingnau distanziert sich von solchen persönlichen Aussagen.»

Oliver Brun, Ammann Klingnau

«Der Gemeinderat Klingnau distanziert sich von solchen persönlichen Aussagen.»

Peter Lude, Vizeammann Bad Zurzachs und Leiter des Ressorts Schule, bestätigt, dass Gespräche stattfanden und es solche Überlegungen gibt. «Das wäre eine Möglichkeit, wenn man gemeinsam und über die einzelnen Talschaften hinaus nach einer Lösung sucht», sagt er. Lude plädiert denn auch für die Variante: drei Talschaften, drei (Oberstufen-)Schulstandorte. Also je eine Bez im Aare-, Rhein- und im Surbtal.

Er ist überzeugt: «Verliert eine Talschaft ihren Oberstufen-Standort, verliert nicht nur dieses Tal, sondern der ganze Bezirk an Attraktivität.» Die Schulwege würden zu lang, die Kapazitäten der bestehenden Schulhäuser würden nicht mehr ausreichen, Neubauten oder Anbauten würden notwendig.

«Die Medienmitteilung wurde durch sämtliche anwesenden Gemeindeammänner in dieser Form abgesegnet und nicht durch meine Person.»

Patrick Gosteli, Ammann Böttstein

«Die Medienmitteilung wurde durch sämtliche anwesenden Gemeindeammänner in dieser Form abgesegnet und nicht durch meine Person.»

Schüler aus neun Verbandsgemeinden besuchen die Oberstufe der Kreisschule Rheintal-Studenland in Bad Zurzach. Vor zwei Jahren verlor man die Schüler aus Fisibach und Kaiserstuhl, die mittlerweile näher gelegene Schulen in den zürcherischen Nachbargemeinden Weiach und Stadel besuchen. Lude sagt: «Der Verbandsvorstand musste sich teilweise harsche Kritik gefallen lassen, weil er die beiden austretenden Gemeinden so ohne weiteres ziehen liess und nicht um deren Verbleib im Verband kämpfte.»

Bad Zurzach: Alles unter einem Dach

Dadurch sank die Schülerzahl in Bad Zurzach weiter. Trotzdem sagt Peter Lude, Präsident des Verbandsvorstands, dass es für ihn keine Option sei, Fisibach oder Kaiserstuhl zu zwingen, ihre Schüler nach Bad Zurzach zu schicken. Auch dann nicht, wenn es zur Fusion der Rheintal+-Gemeinden kommen sollte, die derzeit geprüft wird. In der Bevölkerung der beiden Gemeinden herrscht grosse Sorge, dass im Zuge einer möglichen Zurzibieter Megafusion ihre Schüler nicht mehr nach Zürich dürften, sondern nach Bad Zurzach müssten.

Lude stellt nicht Zahlen, sondern die bestmöglichen Bedingungen für die Schüler in den Vordergrund. Ein Wunsch, der auch aus den anderen beiden Talschaften zu hören ist. «Das stärkste Argument für den Erhalt der Kreisschule Rheintal-Studenland liegt nicht in genügender Quantität, sondern in der überzeugenden Qualität», sagt er. Im Gegensatz zum neuen Modell im Aaretal, wo Bez, Sek und Real an unterschiedlichen Standorten liegen, befindet sich in Bad Zurzach alles unter einem Dach. Es kann stufen- und klassenübergreifend unterrichtet werden.

Unterstützung für das Qualitäts-Modell erhält Lude von Paul Andreatta, dem ehemaligen Bezirksschulratspräsidenten aus Klingnau. Dieser schrieb in einem Leserbrief in der Lokalzeitung «Botschaft»: «Eine Standort-Garantie konnte Regierungsrat Alex Hürzeler an der 200-Jahr-Feier den Bad Zurzachern verständlicherweise nicht geben.

Wie von gut unterrichteter Seite zu erfahren war, ist auch für ihn eine Durchlässigkeit zwischen SeReal und Bezirksschule in absehbarer Zeit auch im Kanton Aargau nicht undenkbar. Bad Zurzach hat also auch in Zukunft ein Oberstufenzentrum, das seinen Namen verdient.»

Selbst wenn die OSA-Vertreter auf einen Kurs einschwenken sollten: Für ihre Kommunikationsarbeit diese Woche dürften sie sich keine Bestnoten verdient haben.