Steht das umstrittene Pumpspeicherwerk Atorf nun endgültig vor dem Aus oder ist es lediglich zum Spielball im Bundestagswahlkampf geworden?

Fest steht: Neue Gerüchte, wonach sich der Energiekonzern Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk AG (RWE) als Hauptanteilseignerin der Schluchseewerk AG von dem auf 1,7 Milliarden Euro veranschlagten Bauvorhaben distanziert, sorgen im süddeutschen Raum für mächtig Unruhe. Bei den Gegnern des Vorhabens regt sich angesichts der zeitlichen Nähe zur Bundestagswahl erhebliche Skepsis bezüglich der Ernsthaftigkeit der Meldungen.

Es ist nicht das erste Mal, dass RWE den Stopp des Projekts ankündigt. Erst im November vergangenen Jahres hatte der Energiekonzern Atorf infrage gestellt. Passiert ist jedoch nichts. Das Planfeststellungsverfahren läuft seither ohne Zwischenfälle weiter.

Ungünstige Voraussetzungen

Die Vermutung der Projektgegner, es solle mit lancierten Meldungen Druck auf die Politik ausgeübt werden, wird durch die Aussage von RWE-Sprecherin Stephanie Schunck erhärtet. Diese sagte im Gespräch mit dem «Südkurier», alle Investitionsentscheidungen im Unternehmen würden vorbehaltlich der Wirtschaftlichkeit getroffen. «Diese sind bei Pumpspeicherwerken unter den aktuellen Gegebenheiten nur schwer darstellbar. Die Strompreise zu Spitzenlastzeiten sind erheblich gefallen. Zudem bröckelt das Pumpspeicher-Geschäftsmodell, seit Sonnen- und Windstrom massiv auf dem Vormarsch sind.»

Nichtsdestotrotz wolle das Unternehmen an der Speichertechnik festhalten. Auch wenn die derzeitigen Voraussetzungen für ein solches Vorhaben ungünstig seien, könne sich dies in den nächsten Jahren wieder ändern, sagte die RWE-Sprecherin. Berichte über ein mögliches Aus des Pumpspeicherwerks Atorf bezeichnete sie als «Spekulationen, die von Unternehmensseite nicht kommentiert werden».

Die Gegner wollen sich noch nicht zu sehr in Sicherheit wiegen. Klaus Stöcklin, Sprecher der Bürgerinitiative Atorf: «Das Aus für das Pumpspeicherwerk wäre natürlich eine gute Nachricht, die uns freudig stimmt. Aber wir lassen uns nicht einschläfern, sondern bleiben am Ball, bis das Antragsverfahren eingestellt wird.»

«An Zielsetzung nichts geändert»

Danach sieht es indes nicht aus, wie die Pressesprecherin der Schluchseewerk AG, Julia Ackermann, gegenüber dem «Südkurier sagte»: «Wir haben nach wie vor von unseren Konzernmüttern den Auftrag, uns um die Genehmigung für das PSW zu bemühen.» Über etwaige anderslautende Pläne von RWE oder EnBW könne und dürfe sie keine Angaben machen.

«Aus unserer Sicht hat sich an dieser Zielsetzung nichts geändert», so Ackermann. Das Planfeststellungsverfahren werde in diesem Sinne fortgesetzt. 90 Prozent der notwendigen Unterlagen seien bereits beim Landratsamt Waldshut eingereicht.