«Ich bin ein Aufreisser», sagt Roy Oppenheim, der Verfasser der Monografie von Heinz Aeschlimann, über sich selber. Ausgetretene Pfade langweilen ihn. Er stösst gerne Projekte an, die neu und unbekannt sind. Wer im Buch «Appassionato» (zu Deutsch «leidenschaftlich») die rund 200 Bilder von Aeschlimanns Skulpturen anschaut, staunt über das gewaltige Œuvre des 67-jährigen Künstlers, der hierzulande immer noch eher als Geheimtipp zählt.

Noch mehr ins Staunen kommt man beim Lesen von Oppenheims spannenden Schilderungen über den multitalentierten Menschen. Als Ingenieur und Leiter des Zofinger Familienbetriebs Aeschlimann AG, der auf Strassen-, Tunnel- und Brückenbau sowie neue Asphaltbeläge spezialisiert ist, wurde er 2004 zum Unternehmer des Jahres gewählt. Unter seiner Führung entstand die monumentalste Brücke Europas – die Storebæltsbroen in Dänemark. 2014 wurde ihm gar der Consulting-Auftrag für eines der weltweit grössten Brückenprojekte erteilt: eine 29,7 km lange Verbindung zwischen Hongkong und Macao mit 6 km Tunnelabschnitt.

Parallel zu seinem Beruf und ganz in der Stille betätigte sich der erfolgreiche Aargauer immer leidenschaftlich als Bildhauer. «Tagsüber war er Manager und Ingenieur, in der Nacht mutierte er zum Künstler», erzählt Oppenheim und fügt hinzu, «der Mann hat eine unglaubliche Energie.» Mit seinen Skulpturen macht Aeschlimann in Amerika und China mehr Furore als in der Schweiz.

Zusammen mit seiner Frau Gertrud hat er einen Teil des Klosters St. Urban gepachtet und zu einem Kulturzentrum umgestaltet. Jedes Jahr lädt er junge Künstler zu Workshops ein, um sein Know-how der nächsten Generation weiterzugeben. «Heinz Aeschlimann verdient ein gutes Buch, weil er eine spannende Figur ist», bringt es Oppenheim auf den Punkt. Die Buchvernissage des in der Till Schaap Edition erschienenen Werkes wird in diesen Tagen im Kloster St. Urban gefeiert.

Der 75-jährige Lengnauer Publizist Roy Oppenheim tanzt auch nach seiner offiziellen Berufskarriere auf vielen Hochzeiten. Mit Frau Rachela erstellt er einen elektronischen Œuvre-Katalog des rund 5000 Werke umfassenden Schaffens von Walter Jonas. Er war federführend bei den Künstler-Monografien über Alberto Giacometti, Ted Scapa, Alex Sadkowski, Turo Pedretti, Erwin Rehmann und vielen mehr.

2009 machte er als Mitinitiant des jüdischen Kulturwegs von sich reden, der Endingen und Lengnau miteinander verbindet. Bis heute engagiert er sich dort regelmässig als Guide. «Das Projekt ist ein Riesenerfolg. Letztes Jahr hatten wir über 100 Führungen», freut sich Oppenheim.

Es ist auch seiner Hartnäckigkeit mit zu verdanken, dass das Konzept «Doppeltür» ins Leben gerufen wurde, in dem die einmalige jüdisch-christliche Geschichte der zwei Aargauer Dörfer eine neue, wegweisende Bedeutung erhält. Als Rechteinhaber befasst er sich zurzeit mit dem Spielfilm «Papa Moll» über die unsterbliche Cartoon-Figur, die seine Mutter Edith Oppenheim-Jonas einst erschuf. Der 5-Millionen-Streifen soll nächstes Jahr in die Kinos kommen.