Bad Zurzach

Pro und kontra Ostumfahrung Bad Zurzach: Die Argumente

Die Visualisierung zeigt den umstrittenen, offen geführten Teil der Ostumfahrung im Süden des Fleckens.

Die Visualisierung zeigt den umstrittenen, offen geführten Teil der Ostumfahrung im Süden des Fleckens.

«Es wäre blauäugig zu glauben, dass der Bau einer neuen Strasse keine Kritik hervorrufen würde», sagt Franz Nebel, der Gemeindeammann von Bad Zurzach. Der Gemeinderat hat eine Stellungnahme verfasst, worin er auf die Punkte der Gegnerschaft eingeht.

Die Umfahrungsgegner haben Ende Juni gegen die geplante Ostumfahrung eine Petition eingereicht. Im Folgenden werden auszugsweise Punkte von Petition und Stellungnahme einander gegenüber gestellt.

1. «Billigvariante»

Petition: Vom Gemeinderat wurde bis im Herbst 2010 ausschliesslich eine Tunnelvariante verteidigt und der Bevölkerung auch so kommuniziert. Sie gilt als die umweltfreundlichste Variante und tangiert keine Anwohner. Es kann nicht angehen, dass aus rein wirtschaftlichen Gründen und der Möglichkeit einer raschen Realisierung eine «Billigvariante» bevorzugt wird.

Gemeinderat:Aufgrund von Untersuchungen der Bodenbeschaffenheit im Gebiet der Ostumfahrung wurde nebst der bergmännischen Variante noch eine weitere Lösung geprüft. Denn es hat sich herausgestellt, dass eine bergmännische Lösung aufgrund der geologischen Verhältnisse und der neuen Gesetzgebung wesentlich teurer zu stehen käme, als ursprünglich angenommen. Darüber haben wir die Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern im Herbst 2009 informiert. Die vorliegende Variante ist bezüglich Kosten-Nutzen-Verhältnis vertretbar und finanzierbar. Es handelt sich keinesfalls um eine «Billigvariante».

2. Fahrzeuge pro Tag

Petition: Die Umfahrung steht bei nur zirka 8000 Verkehrsbewegungen (davon mindestens 2300 Eigenverkehr) in einem schlechten Kosten-Nutzen-Verhältnis. Eine Umfahrung wird im Normalfall erst ab zirka 15000 Verkehrsbewegungen zum Thema.

Gemeinderat: Die Umfahrung entlastet die Hauptstrasse mit gut 8000 Fahrzeugen pro Tag und die Schwertgasse mit rund 10000 Fahrzeugen pro Tag, wobei ein grosser Teil der Verkehrsbelastung durch den Arbeitsverkehr in Nord-Süd-Richtung entsteht. Nicht allein die täglichen Frequenzen, sondern auch der Schutz der historischen Altstadt ergibt die Berechtigung, die Umfahrung zu realisieren. Der Zustand der historischen Häuser ist zum Teil bedenklich und die Wohnqualität in der Kernzone unserer Gemeinde auf einem Tiefpunkt.

3. Kostengünstigere Massnahmen

Petition: Massnahmen wie Verkehrs- und Mobilitätsmanagement sind nicht ausgeschöpft. Um den historischen Ortskern zu entlasten und dem darin eingelagerten Detailhandel die Existenzgrundlage nicht zu entziehen, würden eine Tempo-30-Zone, ein Schwerverkehrs-Fahrverbot und weitere verkehrsberuhigende Massnahmen sinnvollere Beiträge leisten und wären um einiges kostengünstiger.

Gemeinderat: Diese Massnahmen wurden durch den Gemeinderat mit dem Regierungsrat und dem Departement BVU geprüft. Sie können aufgrund der heutigen Gesetzgebung sowie der kantonalen Politik (Kantonsstrassen, Durchgangsstrassen, LSVA, etc.) nicht realisiert werden.

4. Regionales Verkehrsproblem

Petition: Das regionale Verkehrsproblem wird nicht gelöst (siehe Koblenz, Waldshut, Rheinheim). Es ist fraglich, ob mit diesem Projekt eine nachhaltige Entwicklung in Bezug auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt erreicht werden kann.

Gemeinderat: Wir haben das regionale Verkehrsproblem in unsere Planung selbstverständlich einbezogen. Der Grenzübergang Koblenz und damit auch Waldshut steht in keinem direkten Zusammenhang mit der Ostumfahrung Bad Zurzach. Die Problemsituation Zollübergang Koblenz/Waldshut wird ausschliesslich durch eine Problemlösung vor Ort (neue Rheinbrücke in Koblenz) gelöst. Die Situation im deutschen Rheinheim wird sich durch die neue Umfahrung gegenüber der heutigen Situation ohne Umfahrung nicht verschlechtern.

5. Nordumfahrung besser ausnützen

Petition: Eine bessere Ausnützung der bestehenden Nordumfahrung in Bad Zurzach wird durch dieses Projekt nicht gefördert.

Gemeinderat: Eine bessere Ausnützung der Nordumfahrung steht in keinem Zusammenhang mit der Ostumfahrung. Die Nordumfahrung – Ost/West-Verkehr – kann die Probleme in Nord/Südrichtung nicht lösen.

6. Verkehr im Wohnquartier

Petition: Der Verkehr würde mit der Umfahrung in ein sehr familienfreundliches, naturnahes Wohngebiet verlagert.

Gemeinderat: Das Wohngebiet ist im Projekt weitestgehend geschützt. Betroffen sind entlang der offenen Führung noch 7 Häuser, davon die meisten Einfamilienhäuser, also relativ wenige Menschen. Der Kanton und der Gemeinderat nehmen diese Situation aber sehr ernst. Wir streben an, durch geeignete Massnahmen Probleme zu entschärfen.

7. Schalldämpfung

Petition: Es ist zweifelhaft, ob die Schallausbreitung in der offenen Streckenführung an Hanglage unterdrückt werden kann.

Gemeinderat: Die Schallausbreitung wurde untersucht. Mit geeigneten Massnahmen kann ein allfälliges Problem, so es denn wirklich entsteht, gelöst werden.

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