Der 57-jährige Mann aus dem Kreis Waldshut, der im April die Waldshuter Postbank-Filiale überfallen hat, muss wegen besonders schweren Raubes in einem minder schweren Fall für vier Jahre ins Gefängnis. Dieses Urteil fällte am Montag das Landgericht Waldshut-Tiengen.

Die erste Strafkammer um den Vorsitzenden Richter Martin Hauser folgte damit in weiten Teilen der Argumentation der Verteidigung. Diese hatte dreineinhalb Jahre Haft gefordert. Die Staatsanwaltschaft dagegen sah einen minder schweren Fall nicht gegeben und forderte sieben Jahre.

Vor allem seine sehr schwere persönliche Situation und das rund zweistündige Leiden des Täters nach den Schüssen der Polizei auf ihn liessen das Gericht jedoch zu einem eher milden Urteil kommen. 

Über den Tatablauf waren sich alle Prozessbeteiligten weitestgehend einig. "Ich hatte in diesem Jahr keinen Prozess, in dem es so wenig Streit um Feststellungen gab", sagte Hauser. Bereits seit dem ersten Verhandlungstag lag ein vollumfängliches Geständnis des Angeklagten vor. Dass er beim Überfall am 21. April Bankangestellte mit einer Waffe bedrohte und zur Herausgabe von Geld aufforderte, war unstrittig. Damit war der Tatbestand eines besonders schweren Raubes erfüllt.

Wegen des Ablaufs der Tat und der äußeren Umstände plädierte die Verteidigung allerdings auf einen minder schweren Fall des besonders schweren Raubes. Gemeint war damit unter anderem der laut Verteidiger Urs Gronenberg "planlose, dilettantische" Ablauf des Überfalls. Auch Staatsanwalt Florian Schumann sprach in seinem Plädoyer von einer "bei weitem nicht professionellen" Tat. Der Täter war nicht maskiert und agierte in der Bank den Zeugenaussagen nach eher unbeholfen.

Banküberfall in Waldshut: «Er bedrohte Angestellte mit Schusswaffe»

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Ein bewaffneter Mann hat im April 2017 eine Bank in der Waldshuter Innenstadt überfallen. Inzwischen ist der Täter gefasst. Polizeisprecher Walter Roth berichtet, was geschehen ist. 

Angerechnet wurde dem Angeklagten, dass er die Angestellten zu ihrem eigenen Schutz vor einem möglichen Schusswechsel mit der Polizei in den Tresorraum brachte. Aber: Staatsanwalt Schumann reichte das nicht für eine Strafminderung, auch nicht die "wirklich tragischen persönlichen Probleme" und die "verzweifelte Situation" des Angeklagten. Das sah das Gericht anders. "Nach dem Schlaganfall der Frau ist ein stabilisierender Anker komplett weggebrochen, mit dem der Angeklagte zuvor 30 Jahre lang ein rechtschaffenes Leben geführt hat", begründete Richter Hauser einen von zwei Hauptgründen, von einem minder schweren Fall auszugehen.

Zu den Problemen des Täters vor dem Überfall hatte am gestrigen Vormittag noch sein Stiefsohn ausgesagt. Dieser hatte während der Tat per Handy mit dem 57-Jährigen telefoniert. Als er vom Überfall erfahren hatte, war ihm ein "Geistesblitz" gekommen, dass sein Stiefvater der Täter sein könnte. Er gab die Nummer später an die Polizei weiter. "Wie gelähmt" sei ihm der Täter vor dem Überfall vorgekommen. Der Schlaganfall seiner Frau, die seitdem ein Pflegefall ist, und der schwierige gesundheitliche Zustand seines Sohnes habe den Täter "in die Enge gedrängt, der Druck war enorm", schilderte der Stiefsohn.

"Nicht spontan, aber trotzdem unbedacht"

Beim letzten Treffen zwei Tage vor der Tat habe der Angeklagte laut Aussage des Zeugen plötzlich "ganz ruhig" gewirkt. Zudem habe er in Anbetracht seines negativen Kontostands über einen Banküberfall gescherzt, "aber rein flapsig", betonte der Zeuge. Staatsanwalt Schumann leitete auch aus dieser Schilderung ab, dass es keine spontane Tat war. Gronenberg sah das nur teilweise so, sprach von einer "angestauten Tat", keiner geplanten: "Er sah einfach keinen Ausweg mehr." Das Gericht urteilte ähnlich: "Nicht spontan, aber trotzdem unbedacht", so Hauser.

Als weiteren strafmindernden Faktor führte Gronenberg auf, wie lange der Täter nach den Schüssen der Polizei auf Hilfe warten musste. Dreimal wurde der Täter von Projektilen getroffen, erlitt einen Bauchdurchschuss. Da zwischenzeitlich klar geworden war, dass er den Bankangestellten vermeintliche Handgranaten gezeigt hatte – später stellten sie sich als Attrappe heraus – dauerte es fast zwei Stunden, bis Polizisten ihn aus dem zuvor erst geräumten Gebäude holten. "Aus heutiger Sicht hätte man ihn nach 15 Minuten evakuieren können, damals war das Verhalten der Polizei aber richtig", bewertete Hauser. Dennoch: "Mit seinen Schmerzen hat er da bereits zwei Stunden lang massiv gebüßt, das war ein großer Denkzettel." Dies sei der zweite große Faktor, warum über ihn lediglich eine verminderte Strafe verhängt werde.

Der Täter selbst brachte nach den Plädoyers nur wenige Worte heraus. "Es tut mir leid", wiederholte er mit schwacher Stimme. Dass er seine Taten bereut, glaubte ihm das Gericht.