Prozess in Bad Zurzach

Polizisten blitzen Polizistin innerorts mit 117 km/h

Mobile Radarkontrolle (Symbolbild, Archiv)

Mobile Radarkontrolle (Symbolbild, Archiv)

Die 31-jährige Kantonspolizistin verfolgte einen Raser und wurde dabei in Leibstadt selbst geblitzt. Dafür wurde sie vom Staatsanwalt verurteilt. Sie erhob Einsprache. Heute Donnerstag wurde sie vor Gericht freigesprochen.

An einem Donnerstag im März letzten Jahres hatten Autofahrer, die im Zurzibiet zwischen Full und Leibstadt unterwegs waren, nichts zu lachen - sofern sie sich nicht an die vorgeschriebene Geschwindigkeit hielten.

Denn im Abstand von nur gerade knapp einem Kilometer lauerten zwei Radargeräte: Bei der Abzweigung zum KKL hatte eine Mobile Einsatzeinheit der Kantonspolizei ihre Blitzmaschine installiert, in Leibstadt selbst lag eine Patrouille der Regionalpolizei auf der Lauer. Pikant dabei war, dass beide nichts voneinander wussten.

Blitzschnelle Verfolgung

Diese Tatsache wurde der Kantonspolizistin Brita (Name geändert) zum Verhängnis und brachte sie letztlich vor Gericht. Folgendes hatte sich zugetragen: Brita bildete zusammen mit einem Aspiranten in einem zivilen Polizeifahrzeug ein so genanntes «Anhalteteam». Dieses war nach dem Radargerät platziert und hatte den Auftrag, geblitzte Geschwindigkeitssünder anzuhalten und ihre Personalien aufzunehmen. Nach 16 Uhr erhielt Brita per Funk einen solchen Auftrag, nachdem ein Auto statt der erlaubten 80 km/h mit deren 111 in die Radarfalle gerast war und das Halterschild nicht hatte abgelesen werden können.

Angesichts des unvermindert hohen Tempos, mit dem das Auto das «Anhalteteam» passierte, konnte es von diesem nicht gestoppt werden, worauf Brita Verfolgung aufnahm - im wahrsten Sinne des Wortes blitzschnell. Denn als Brita in Leibstadt einfuhr, wurde sie im «generell 50»-Bereich von den Repol-Kollegen mit 117 km/h geblitzt. Wenig später hatte sie den verfolgten Sünder gestellt: Dieser hatte wegen zwei vor ihm in korrektem Tempo fahrenden Wagen wohl oder übel abbremsen müssen.

Wegen einer groben Verkehrsregelverletzung brummte der Staatsanwalt Brita eine bedingte Geldstrafe und eine Busse von 750 Franken auf. Das liess Brita nicht auf sich sitzen und erhob Einsprache, «denn ich habe nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt», wie sie am Donnerstag vor Einzelrichter Cyrill Kramer in Bad Zurzach sagte. Dort sprach ihr Einsatzleiter als Zeuge in den höchsten Tönen von Britas Qualifikation. Er bedauerte, dass die 31-Jährige seit Anfang Jahr nicht mehr bei der Polizei ist. Das habe, so Brita, überhaupt nichts mit dem Vorfall von Leibstadt zu tun. Sie habe schon länger eine Ausbildung für einen ganz anderen Beruf machen wollen.

Verhängnisvoller Wackelkontakt

Als sie damals vor Leibstadt die Verfolgung des Rasers aufnahm, hatte der Aspirant das Blaulicht aufs Dach gesetzt und Brita hatte es eingeschaltet. Allerdings hatte das Ding, wie sich nachträglich herausstellte, einen Wackelkontakt und ergo nicht funktioniert. Da es taghell war, hatten Brita und der Aspirant dies aber nicht bemerken können, was Richter Kramer nachvollziehen konnte. Die zentrale Frage vor Gericht war nun, warum Brita das Wechselklanghorn nicht eingeschaltet hatte. «Ich wollte nicht, dass der Lenker merkt, dass er von mir verfolgt wird.» Zudem habe sie, bevor der Einsatz begonnen hatte, die Strecke zwei- oder dreimal abgefahren gehabt. Überdies sei die Sicht gut, der Verkehr gering und keine Fussgänger seien unterwegs gewesen: «Ich bin überzeugt, dass ich den Dienstbefehl korrekt befolgt habe.»

Diese Ansicht teilte Cyrill Kramer und sprach Brita von Schuld und Strafe frei. «Der Fall ist zweifellos grenzwertig. Aber konkret betrachtet, sind die Erklärungen von Brita plausibel. Somit war ihr Handeln verhältnismässig und ist der Grund für ihre massive Geschwindigkeitsüberschreitung nachvollziehbar», so die richterliche Begründung.

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