Zurzibiet

Polizeichef wehrt sich gegen Vorwurf der «Abzocke» und fordert mehr Selbstkritik

Raserrennen: Immer wieder kommen sie vor. (Symbolbild)

Raserrennen: Immer wieder kommen sie vor. (Symbolbild)

In einem offenen Brief appeliert der Polizeichef der Regionalpolizei Zurzibiet an alle Verkehrsteilnehmer, das eigen Verhalten zu überdenken. Zudem wehrt er sich gegen den Vorwurf, die Polizei würde mit Kontrollen die Autofahrer «abzocken».

In einem offenen Brief mit dem Titel «Persönliche Freiheit versus Regeln im Strassenverkehr» – aufgeschaltet auf der Homepage der Regionalpolizei Zurzibiet – fordert Polizeichef René Lippuner alle Verkehrsteilnehmer auf, sich vermehrt Gedanken über das persönliche Verhalten im Strassenverkehr zu machen. Lippuner geht es nicht darum, jemanden zu massregeln oder an den Pranger zu stellen, sondern darum, mehr Sicherheit im Strassenverkehr zu erreichen. Schliesslich sei jeder für sein Tun selbst verantwortlich und habe die Konsequenzen zu tragen, schreibt der Chef der Regionalpolizei Zurzibiet.

Er erwähnt aber auch, dass sich sehr viele Verkehrsteilnehmer an die Regeln halten und mit der nötigen Vorsicht auf den Strassen unterwegs sind.

Acht Negativbeispiele

Lippuner nennt acht Vergehen, die den Angehörigen der Regionalpolizei in ihrem Arbeitsalltag immer wieder begegnen: Telefonieren während der Fahrt, Parkieren auf dem Trottoir, Passanten, die auf Fussgängerstreifen den Vortritt erzwingen, Nichttragen der Sicherheitsgurte, Geschwindigkeitsübertretungen, Drogen und Alkohol am Steuer, Befahren von Trottoirs durch Velofahrer sowie falsch aufgehängte Plakate und Banner am Strassenrand, welche die Verkehrsteilnehmer ablenken.

«Manche regen sich über Kontrollen der Polizei im Strassenverkehr auf», schreibt Polizeichef Lippuner in seinem offenen Brief, der nicht nur auf der Website der Repol, sondern auch in einzelnen Zurzibieter Gemeindenachrichten publiziert wird.

Vor allem im Zusammenhang mit Geschwindigkeitskontrollen stehe der Vorwurf der Abzockerei immer wieder im Raum (siehe Interview unten). «Regeln sind aber nur so gut, wie entsprechende Kontrollen stattfinden», so Lippuner. Er weist darauf hin, dass auch die Polizei Vorschriften zu befolgen hat – sie ist in der Wahl, wo und wie sie Geschwindigkeitskontrollen durchführt, nicht frei: «Im Zuge der Tempo-30-Manie werden Messstellen von Gesetzes wegen definiert. Jede Tempo-30-Zone muss mindestens einmal im Jahr auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden. Auch wir werden regelmässig kontrolliert und müssen alle Daten und Messprotokolle zuhanden der Strafverfolgungsbehörden offenlegen können.»

Zudem würden sich die Meldungen von Bürgerinnen und Bürgern über Raserei im Dorf häufen, schreibt Lippuner.

Leider sei es Autofahrern oft nicht bewusst, wie viel Leid und Schaden eine massiv überhöhte Geschwindigkeit anrichten könne, schreibt der Polizeichef und legt Statistiken vor: 2013 ist die Zahl der Geschwindigkeitsübertretungen um 5,6 Prozent auf 26,69 Prozent der kontrollierten Fahrzeuge gestiegen. Das heisst, dass jeder Vierte zu schnell unterwegs war. Lippuners Fazit: «Das ist eindeutig zu viel!»

Gedankenlosigkeit und Zeitdruck

Der Chef der Regionalpolizei Zurzibiet vermutet, dass oft Gedankenlosigkeit, gedankliche Abwesenheit wegen persönlicher Probleme sowie Zeitdruck Ursache für die Vergehen sind. «Das Einwirken verschiedener Faktoren führt immer mehr zum Röhrenblick auf die eigenen Interessen und nicht mehr auf das Miteinander oder Füreinander.»

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