Klingnau

Polizei schloss und versiegelte Lokal von Kosovaren-Verein

Das Ladenlokal an der Sonnengasse 6

Das Ladenlokal an der Sonnengasse 6

Letzten Oktober zog ein Kosovaren-Verein in ein Ladenlokal im Städtchen und eröffnete dort ein Vereinslokal. Bald schon kam es zu Reklamationen wegen Lärmbelästigungen.

Wer noch Anfang Woche am Ladenlokal an der «Hirzen»-Liegenschaft im Klingnauer Städtchen vorbeiging, dem fielen nicht nur die roten Vorhänge auf, welche den Blick auf das Innere verunmöglichen. Auch das rot-weisse «amtliche Siegel» an der Eingangstür stach einem in die Augen. Die Regionalpolizei hatte es angebracht. 

Gemeindeschreiber Rolf Walker bestätigt der az, dass die Regionalpolizei das Ladenlokal an der Sonnengasse 6 auf Beschluss des Gemeinderats geschlossen und den Eingang versiegelt hatte. Geschehen ist das per 1. Februar. Doch warum war das nötig geworden?

Im 2015 hatte die Vinoteca/Grapperia «Jacky's» ihren langjährigen Betrieb eingestellt. Danach stand das Lokal einige Monate leer. Per 1. Oktober 2015 eröffnete der «Club zum Hirzen» dort sein Vereinslokal. Bei diesem handelt es sich privaten Verein mit Sitz in Klingnau. Sein Zweck: das kosovarische Kulturgut pflegen.

Preisliste und Buffet

Im Lokal wurden allerdings auch Nichtmitglieder bewirtet, wie mehrere Personen aus eigener Erfahrung bestätigen. Auf den Tischen befand sich eine Preisliste, am Buffet gab es Lammfleisch. Eine Serviertochter nahm Bestellungen auf - auch nach Mitternacht. Damit lag eine gewerbsmässige Wirtetätigkeit vor, wie sie in der entsprechenden kantonalen Verordnung definiert ist.

Die Gemeinde wurde wegen «wiederholter Reklamationen von Anwohnern» aufmerksam, wie Gemeindeschreiber Walker sagt. Dabei ging es um Lärmbelästigungen zur Nachtzeit, die wiederum zu Kontrollen der Regionalpolizei Zurzibiet führten. «Die Lärmbelästigungen ausserhalb der Nachtruhezeiten wiesen auf eine baurechtlich relevante veränderte Nutzung der ehemaligen Vinothek hin.» Das bedeutet: Die Umnutzung erfolgte ohne gültige Baubewilligung, also illegal. 

Illegale Umnutzung

Die Gemeinde wurde wegen «wiederholter Reklamationen von Anwohnern» aufmerksam, wie Gemeindeschreiber Walker sagt. Dabei ging es um Lärmbelästigungen zur Nachtzeit, die wiederum zu Kontrollen der Regionalpolizei führten. «Die Lärmbelästigungen ausserhalb der Nachtruhezeiten wiesen auf eine baurechtlich relevante veränderte Nutzung des Ladenlokals hin.» Das bedeutet: Die Umnutzung erfolgte ohne gültige Baubewilligung, also illegal.

Die Gemeinde verlangte deshalb ein Umnutzungsgesuch, in dessen Rahmen geprüft werden sollte, ob der neue Betrieb gegen Lärm- und andere gesetzliche Vorschriften wie die kommunale Bau- und Nutzungsordnung verstösst. Mitte November reichte die Loco’s Immobilien AG (Freienbach) als Eigentümerin ein solches mit Öffnungszeiten bis 2 Uhr nachts für den «Club zum Hirzen» ein. Doch die Unterlagen erwiesen sich als unvollständig – und blieben es auch trotz wiederholten Aufforderungen. Dies war denn auch der Grund, dass der Gemeinderat die Schliessung samt Versiegelung anordnete.

Offenbar wird der «Club zum Hirzen» auch keine Wiedereröffnung feiern. Zumindest habe der Rechtsvertreter des Baugesuchstellers das Umnutzungsgesuch am 4. März zurückgezogen, wie Walker ausführt. Die Regionalpolizei hat die Versiegelung diese Woche wieder aufgehoben. Damit ist der Weg für die Nutzung als Ladenlokal wieder frei. Für den Eigentümer bleibt die Geschichte allerdings nicht ohne Folgen: Wegen der missachteten Bauvorschriften hat der Gemeinderat eine Busse ausgesprochen. Über die Höhe macht Walker keine Angaben.

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