Zurzibiet

«Politik braucht Unternehmer»: Markus Birchmeier gibt sein Amt als oberster Wirtschafter ab

Der Döttinger Unternehmer Markus Birchmeier (l.) mit FDP-Präsidentin Petra Gössi und Nationalrat Thierry Burkart. zvg

Der Döttinger Unternehmer Markus Birchmeier (l.) mit FDP-Präsidentin Petra Gössi und Nationalrat Thierry Burkart. zvg

Markus Birchmeier, zurücktretender Präsident des Wirtschaftsforums, befürwortet eine Fusion im Unteren Aaretal und denkt über einen Einstieg in die Politik nach.

Markus Birchmeier, nach neun Jahren als Präsident des Zurzibieter Wirtschaftsforums (WFZ) geben Sie Ihr Amt per Mai 2019 ab. Warum?

Markus Birchmeier: Ich habe diese Aufgabe sehr gerne ausgefüllt. Ich habe etwas bewirken können und das Amt hat mich in meiner persönlichen Entwicklung weitergebracht. Jedoch mache ich das schon sehr lange, es ist Zeit für jemand Neues an der Spitze. Das Wirtschaftsforum braucht neue Inputs und ich kann mehr persönliche Freiräume brauchen.

Was machen Sie mit der gewonnenen Zeit?

Als Geschäftsführer der Birchmeier Gruppe mit über 400 Mitarbeitern bin ich stark ausgelastet. Hinzu kommt das Amt als Präsident des Aargauischen Schwingerverbands. Die gewonnene Zeit will ich vor allem mit der Familie und meinen drei jungen Buben verbringen. Die freuen sich, wenn sie mich mehr sehen. Mit mehr Freizeit läuft man allerdings auch Gefahr, diese sofort wieder in neue Aufgaben zu investieren.

Sie waren vor kurzem in der «Arena» des Schweizer Fernsehens zu sehen. Planen Sie einen Einstieg in die Politik?

Ich habe mir das schon oft überlegt und interessiere mich grundsätzlich sehr für die Politik. Die Schweiz braucht mehr Unternehmer in der Politik. Ich wurde schon oft angefragt, aber im Moment fehlt mir die Kapazität. Ich will ein Engagement in der Zukunft aber nicht ausschliessen.

Welche Reaktionen gab es auf den «Arena»-Auftritt?

Die waren sehr positiv. Viele Leute aus der ganzen Schweiz haben sich bei mir gemeldet. Leute, die ich überhaupt nicht kenne. Einige haben gefordert, ich solle sofort in die Politik einsteigen. Damit habe ich nicht gerechnet. In erster Linie war ich froh, dass ich mich während der Sendung nicht verhaspelt habe (lacht).

Wie kam es zum Auftritt?

Ich erhielt von der FDP eine Anfrage. FDP-Präsidentin Petra Gössi war auch in der Sendung, ich kenne sie gut und schätze sie sehr. Die Partei suchte jemanden, der in der zweiten Reihe Auskunft geben kann und die Sicht der Arbeitgeber vertritt.

Sie sind Mitglied der Döttinger FDP?

Ja, aber ich bringe auch Verständnis für die Standpunkte anderer Parteien mit. Persönlich bewundere ich den ehemaligen Nationalrat und Unternehmer Peter Spuhler. Auch Thierry Burkart begeistert mich. Er ist ein guter Freund. Als Anwalt könnte er sich voll und ganz auf seinen Beruf konzentrieren. Er macht aber etwas für unser Land, ohne die persönlichen Interessen in den Vordergrund zu stellen. Solche Leute brauchen wir.

Sie könnten als Gemeinderat anfangen.

Da müsste ich zu oft in den Ausstand treten (lacht). Als WFZ-Präsident mit Einsitz im Vorstand der Regionalplanung konnte ich politisch bereits einiges bewirken. Aber wie gesagt: Für die nahe Zukunft ist nichts Konkretes geplant. Es bräuchte Veränderungen in der Firma. Aber ich animiere meine Mitarbeiter, sich in der Politik oder in Vereinen zu engagieren.

Zurück zum Wirtschaftsforum: Wie steht es um die Zurzibieter Wirtschaft?

Das Zurzibiet ist eine attraktive Wohn- und Arbeitsregion mit verhältnismässig vielen Arbeitsplätzen. Die Stromproduktion und die Gesundheitsbranche sind wichtige Player, dennoch besteht kein Klumpenrisiko. Die Wirtschaft ist breit aufgestellt. Mit dem Park Innovaare auf dem Areal des Paul-Scherrer-Instituts sind auch die Zukunftsaussichten der Region gut.

Wo wartet Arbeit auf Ihren Nachfolger?

Die Situation des Individualverkehrs – etwa die Anbindung an die Autobahn oder die Situation beim Koblenzer Grenzübergang – muss verbessert werden. Auch der Standort der Oberstufenschulen wird das Wirtschaftsforum beschäftigen. Denn Schulen sind ein wichtiges Thema für Zuzüger. Das Gewerbe im Zurzibiet ist gut vernetzt, doch auf Gemeindeebene fehlt oft dieser Blick über den eigenen Tellerrand. Eine Fusion im Unteren Aaretal würde ich zum Beispiel begrüssen. Damit könnten Probleme von einzelnen Gemeinden entschärft werden.

Ihr designierter Nachfolger René Utiger wurde gerade erst in den Vorstand gewählt. Im Mai 2019 soll er bereits Präsident werden. Ein rasanter Aufstieg.

Es geht so schnell, weil er so gut ist (lacht). Bei unserer Suche sind wir schnell auf seinen Namen gestossen. Utiger ist Präsident des Gewerbevereins Aaretal-Kirchspiel, er kennt unseren Vorstand und wir kennen ihn. Die Zusammenarbeit war bereits vorher intensiv, seine Marketingfirma hat auch schon Aufträge für das Wirtschaftsforum übernommen.

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