«Ist der jetzt verfilmte Schweizer Comic-Klassiker ein Plagiat?», titelte der «Blick» vergangene Woche provokativ. Tags darauf doppelt das Blatt nach. In der Einleitung steht: «Jahrelang wurde es verschwiegen: Ein Deutscher schuf das Vorbild für «Papa Moll».

Die Boulevard-Zeitung will damit die dunkle Seite von «Papa Moll» enthüllt haben. Um den Beweis dafür zu liefern, reiste ein Journalist nach Plauen ins Bundesland Sachsen. Ergebnis: Möglicherweise hat der liebenswerte Tollpatsch einen deutschen Vater. 

Roy Oppenheim schüttelt den Kopf. «Alles kalter Kaffee», sagt der Sohn der «Papa Moll»-Schöpferin Edith Oppenheim-Jonas (†94). «Indem immer wieder das Gleiche behauptet wird, wird die Geschichte nicht wahrer.» Eine alte, längst beigelegte Kontroverse werde plötzlich wieder aufgewärmt, so der Rechteinhaber der Comic-Figur.

Er und der Orell Füssli Verlag, in dem die Geschichten von Papa Moll erscheinen, drohen nun mit rechtlichen Schritten, sollte der Plagiatsvorwurf sowie die Behauptung des Verschweigens weiterhin verbreitet werden. Vom Medienunternehmen Ringier, das den «Blick» herausgibt, fordert der in Lengnau wohnhafte Oppenheim eine schriftliche Richtigstellung.

Die Streitereien um das Original sind nicht neu: 1978 beschuldigte der Südverlag, der Herausgeber von «Vater und Sohn» von Erich Ohser (†41), den Globi-Verlag, in dem die Moll-Geschichten damals erschienen, des Diebstahl geistigen Eigentums. «Wir sind bestürzt und betroffen, dass ein Kinderbuchverlag von Ihrer Bedeutung Bildgeschichten herausbringt.»

Urheberrechte 2014 erloschen

«Die Ähnlichkeit zu Vater und Sohn ist geradezu frappierend», hielten die Verfasser unter Androhung von rechtlichen Schritten in einem Brief fest. «Der Plagiatsvorwurf konnte von Juristen einwandfrei entkräftet werden», entgegnet Roy Oppenheim.

Der Südverlag hätte überdies bis 2014, dem Ablauf der Urheberrechte, die Möglichkeit gehabt, entsprechende Schritte einzuleiten. «Er hat darauf verzichtet, weil er erkennen musste, dass sich der Vorwurf nicht aufrechterhalten liess.» Dennoch befeuert Ines Ende, beim Südverlag für Lizenzen zuständig, die Diskussion im erwähnten Artikel neu. «Wir betrachten Papa Moll als Plagiat.» Der zeitliche Ablauf und die Ähnlichkeit würden es belegen.

Schusselig und schwitzend: Stefan Kurt alias Papa Moll am Filmset in Bad Zurzach.

Schusselig und schwitzend: Stefan Kurt alias Papa Moll am Filmset in Bad Zurzach.

Weshalb der «Blick» die Geschichte plötzlich wieder ins Rollen bringt, ist Oppenheim schleierhaft. Abklärungen durch das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum hätten bereits 1996 ergeben, dass es sich bei «Papa Moll» um kein Plagiat einer anderen Kinderfigur handelt. Nebst dem Verdacht der Nachahmung wehren sich Oppenheim und Orell Füssli gegen die Kritik der Vertuschung. Laut «Blick» soll Papa Molls mögliche Herkunft über all die Jahre verschwiegen worden sein.

«Die Behauptungen der Boulevardpresse, des Südverlages und der Ohser-Nachkommen, Edith Oppenheim-Jonas habe bei ‹Vater und Sohn› abgekupfert, treffen nicht zu», wehrt sich Oppenheim. Seine Mutter habe sich in den Medien mehrmals zu diesem Thema geäussert und erwähnt, dass sie «Vater und Sohn» zwar kannte. «Zweifel, wonach unsere Mutter bei Ohser abgeschaut haben könnte, kamen bei uns nie auf.» Selbst die familiären Wurzeln dienten nicht als mögliche Inspirationsquelle. Das Gerücht, dass Ohser wie Edith Oppenheim jüdische Vorfahren hatte, ist inzwischen widerlegt. Ohser hiess ursprünglich Erich Ochse.