Kunst

Pieter van de Cuylen: «Ich will nicht sterben, ich muss malen»

Elisabeth van de Cuylen hat die Ausstellung in der Galerie Mauritiushof ermöglicht. UBU

Elisabeth van de Cuylen hat die Ausstellung in der Galerie Mauritiushof ermöglicht. UBU

Dank der Schenkung seiner Frau Elisabeth ist das Werk des 1990 verstorbenen Künstlers Pieter van de Cuylen permanent der Öffentlichkeit zugänglich. Die spezielle Weihnachtsausstellung präsentiert wenig oder noch nie gezeigte Gemälde des Künstlers.

Was beim Besuch der Galerie in Bad Zurzach sofort ins Auge sticht, ist die Vielseitigkeit des Künstlers van de Cuylen. Zu sehen sind gegenständliche und abstrakte Bilder, Hinterglasmalereien, reliefartige Werke und Plastiken in einem selbst entwickelten Material, das nur der Künstler selber kannte. «Mein Mann war geboren, um Maler zu werden», erzählte die an der Vernissage anwesende Elisabeth van de Cuylen.

Malverbot wegen «entarteter Kunst»

Der Lebensweg des Kreativen (1909 bis 1990) war schwer. Jahrlang litt der gebürtige Deutsche unter der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus, wurde mit seinem frühen expressionistischen Schaffen der «entarteten Kunst» zugeordnet. Er erhielt Malverbot. Bedrohungen und Entbehrungen ruinierten seine Gesundheit. Aber er gab nie auf: «Ich will nicht sterben, ich muss malen», sagte er anlässlich eines Aufenthaltes in einer Klinik. Er überwand jeden Widerstand der damals vorherrschenden akademischen Tradition und suchte im Kreise der frühen Expressionisten neue Wege des künstlerischen Ausdrucks. Ab 1953 lebte er im schweizerischen Binningen und blühte auf. Der Befreiungsdruck nach jahrelangen Repressalien verursachte beim Maler einen geradezu explosiven Schaffensdrang. Und er war stilistisch der Zeit weit voraus. Sein Hang zur Gegenstandslosigkeit wurde immer grösser. Er entdeckte die schöpferische Urkraft in der Kunst der Naturvölker. Es gibt nur wenige Künstler, die wie er den Expressionismus zu einem solch ausgewogenen und abgeklärten Ausdruck brachten.

Die Weihnachtsausstellung in der Galerie Mauritushof zeigt, wie van de Cuylen bei jeder Technik versuchte, das Maximum herauszuholen. Er experimentierte gerne, wischte, tupfte, malte mit Öl und Ei-Tempera, kratze die Farbe wieder ab und trug neue Schichten auf, gestaltete reliefartige Bilder mit Materialien wie Sand und allerhand Fundgegenständen. Vernissageredner Heinz Eith: «Er war ein erfahrener Gestalter, der durch viele Schulen ging, immer wieder Hindernisse überwand und neue Erfahrungen machte.» Und dann fast schwärmerisch: «Jedes Werk bietet eine neue Überraschung, jedes Werk ist umwerfend, es sind geradezu Wunder.»

Auf jeden Fall war Pieter van de Cuylen ein Kämpfer, der sich nie weichklopfen liess und stets seiner inneren Bestimmung folgte. Das macht sein Oeuvre faszinierend.

Die Weihnachtsausstellung mit neuen Werken von Pieter van de Cuylen in der Galerie Mauritiushof, Hauptstrasse 41, Bad Zurzach ist bis zum 23. Dezember 2012 und dann wieder vom 3. bis 13. Januar 2013 zugänglich. Öffnungszeiten:
Dienstag bis Samstag, 14 bis 17 Uhr; Sonntag 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr.

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