Tegerfelden

Pfarrerehepaar verlässt das Surbtal in Richtung Thurgau

Das Pfarrerehepaar Regine und Johannes Hug.

Das Pfarrerehepaar Regine und Johannes Hug.

Regine und Johannes Hug suchen eine neue Herausforderung. Das Pfarrerehepaar verlässr mit ihren Kindern noch im September Tegerfelden und baut sich ihre Zukunft im Thurgau auf.

Viele katholische Pfarreien leiden unter Priestermangel. Keine Spur davon in der reformierten Kirchgemeinde in Tegerfelden: Nach neuneinhalb Jahren verlässt das Pfarrerehepaar Regine und Johannes Hug Ende September die Kirchgemeinde – und 15 Bewerbungen sind für die Nachfolge eingegangen. «Wir hatten eine wunderbare Zeit hier, und es gab keinen Zwist», sagt Johannes Hug. «Es hat sich wohl herumgesprochen, dass in Tegerfelden ein gutes Klima herrscht, vielleicht ist die Stelle darum begehrt.» Seine Frau Regine sagt: «Wir gehen nicht, weil es Probleme gibt, wir fühlen uns sehr wohl.» Was ist denn dann der Grund für den Weggang?

Viele Gründe für den Abschied

Das Pfarrerehepaar hatte nie vor, für immer in Tegerfelden zu wirken. «Es wurde uns schon in der Ausbildung empfohlen, alle rund acht bis zehn Jahre in einer neuen Kirchgemeinde zu arbeiten.» Denn kein Pfarrer und auch kein Pfarrerehepaar schaffe es, für alle Leute da zu sein, alle Bedürfnisse abzudecken. «Und es darf nicht sein, dass jemand 20 Jahre lang vernachlässigt wird.»

Ein zweiter Grund für den Weggang seien die Kinder. «Sie sind jetzt im Kindergarten beziehungsweise in der Primarschule, in einem Alter also, in dem sie einen Wohnortwechsel noch gut bewältigen.» Drittens sei es auch für die Gemeinde ein guter Zeitpunkt, weil die Kirchenpflege momentan gut eingearbeitet sei und an vielen Stellen der Kirchgemeinde ein gutes Klima herrsche.

Kennengelernt hatten sich die Hugs in Montpellier in Frankreich während des Studiums. In Tegerfelden nahmen sie ihre erste Stelle an. «Wir wollten gerne als Pfarrehepaar zusammenarbeiten, und ich bin sehr dankbar, dass das hier im Surbtal möglich war», sagt Regine Hug. Eine 110-Prozent-Stelle hatte das Ehepaar hier inne, wobei sie sich die meisten Gebiete aufteilten. Regine Hug kümmerte sich um die Kinder der Kirchgemeinde, Johannes Hug um die Jugendlichen. «Bei den Gottesdiensten haben wir uns abgewechselt.»

Positive Erinnerungen überwiegen

Er werde sich an viele Augenblicke erinnern, wenn er künftig an Tegerfelden denke, sagt Johannes Hug. «Es gibt frohe Begegnungen, die ich nie vergessen werde. Die Menschen hier sind uns mit grossem Wohlwollen begegnet, auch wenn nicht alle immer einverstanden waren.» Nicht vergessen werde er auch Schicksale. Ein Konfirmand sei tödlich verunglückt, ein Mädchen starb 16-jährig an Leukämie, es gab einen Suizid. «Die Begegnungen mit den Familien am Grab sind starke, prägende Momente.» Auch wenn die Kirchgemeinde auf dem Land liege, könne man nicht mehr von einer heilen Welt sprechen, die hier vorherrsche, sagt Johannes Hug. «Es gibt auch hier Suizid, Drogen, Scheidungen, Vereinsamung und Elend.»

Die positiven Erinnerungen an Tegerfelden würden aber überwiegen. Einen Traum haben sich die Hugs verwirklicht: Einen modernen Gottesdienst aufzubauen - den 11 vor 11 Gottesdienst. «Wir haben nur die Predigt mit vorbereitet, das restliche Programm haben Freiwillige gestaltet. Die Kirche ist an diesen Gottesdiensten immer voll.»

Wer neuer Pfarrer oder Pfarrerin in Tegerfelden sein wird, dürfen die Hugs noch nicht verraten. Am 30. September findet der Abschiedsgottesdienst von Regine und Johannes Hug statt. Danach werden die Hugs in der Kirchgemeinde Schönholzerswilen TG im Bezirk Weinfelden arbeiten. «Wir gehen so weit weg, damit in der Kirchgemeinde Tegerfelden ein guter Neuanfang möglich ist. Wir möchten Platz machen für unseren Nachfolger.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1