Bad Zurzach

Peter Andres: Vom Bauernbub zum Mister Zurzibiet

Volle Kraft voraus: Peter Andres in seinem Haus.

Volle Kraft voraus: Peter Andres in seinem Haus.

Warum an Peter Andres in der Region kaum ein Weg vorbeiführt und was er mit Raclette zu tun hat.

Trendige Lederschuhe, modisches Kleider-Outfit, brauner Gesichtsteint, ein Haarschnitt, der in den 1980er-Jahren salonfähig wurde. Peter Andres sitzt in seinem Büro in Bad Zurzach. Genauso gepflegt wie sein Äusseres präsentiert sich das Einfamilienhausquartier, in dem er mit seiner Frau Brigitte wohnt. Hier hat alles seinen Platz. Hier hat sich Andres eingerichtet, und hier laufen – äusserlich unscheinbar – viele Fäden aus dem Zurzibiet zusammen.

Das Haus an der Entwiesenstrasse ist eine Schaltzentrale. Wem es im Bezirk um wirtschaftliche, gesellschaftliche oder touristische Belange geht, der kommt um diese Adresse nicht herum. Peter Andres ist Geschäftsführer des Wirtschaftsforums Zurzibiet, er sitzt im Vorstand des Gemeindeverbands ZurzibietRegio, er ist Verwaltungsratspräsident der Bad Zurzach Tourismus AG, er gehört der Stiftung Gesundheitsförderung Bad Zurzach und Baden an. Andres amtet als Kassier des Gewerbevereins RheintalStudenland. Zuletzt war er OK-Präsident der Gewerbeschau in Bad Zurzach. Er ist CVP-Mitglied, und er führt, ganz nebenbei, eine erfolgreiche Firma, die Konzepte für Marketing, Sponsoring und Veranstaltungen entwirft und – obendrein Racletteöfen im grossen Stil produziert. Wer beim Grossverteiler einen Käsegrill sucht, der hält unweigerlich sein Fabrikat in den Händen.

Peter Andres, der Tausendsassa, der Ämtlisammler, der Machtmensch. Er kann sich ein Lachen nicht verkneifen. «Weder noch. Überschätzen Sie meinen Einfluss nicht. Bei mir laufen höchstens einige Fäden zusammen.»

Was treibt ihn also an? Er, der mit bald 65 Jahren ohne schlechtes Gewissen etwas Tempo aus seinem hoch dosierten Alltag rausnehmen könnte. «Es mag abgedroschen klingen, aber es ist die Liebe zur Arbeit und zum Zurzibiet.»

Sein Denken wesentlich beeinflusst hat Walter Edelmann. Der Mitbegründer der Thermalquellen, der zwischen 1957 und 1965 die Geschicke der Gemeinde Zurzach leitete, ein Vierteljahrhundert im Aargauer Grossrat für die CVP politisierte und die Interessen der Region vertrat. «Er glaubte stets an das Potenzial und an die Menschen hier», sagt Peter Andres. In einer unüberschaubar gewordenen Welt versucht er den Geist von Edelmann weiterzuleben.

Um sein empathisches Verhältnis zum Zurzibiet zu verstehen, lohnt sich ein Blick in die Kindheit: Peter Andres kam 1951 in Leuggern zur Welt. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Seine Eltern hatten eine Landwirtschaft. Der Bauernbub lernte früh mitanpacken, er half mit seinen drei Geschwistern gezwungenermassen auf dem Hof mit. «Es waren prägende und schöne Jahre», sagt Andres.

Vier Kinder und sechs Enkel

Nach der Lehre bei der BBC in Baden als Elektromechaniker zog es ihn zunächst in die Ferne. Er heuerte auf einem Frachtschiff als sogenannter Motormann-Reiniger an. In der Hierarchie an Bord fand er sich ganz unten wieder. «Mit Romantik hatte das wenig zu tun.» Die Zielhäfen hiessen Yangon im heutigen Myanmar oder Durban in Südafrika. Dass Andres das Abenteuer auf hoher See bereits nach einem Jahr beendete, lag nicht an der ölverschmierten Arbeit, sondern an einer Frau, die in Bad Zurzach auf ihn wartete. Der Entscheid fiel ihm leicht und er gab ihm recht. Peter und Brigitte Andres feiern in wenigen Wochen ihren vierzigsten Hochzeitstag. Sie haben vier erwachsene Kinder und mittlerweile sechs Enkel.

In zwei Monaten wird er 65. Das Alter sieht man ihm nicht an. Das muss einerseits an den guten Genen liegen, zum anderen ist Andres ein Bewegungsmensch. Nächstes Jahr bestreitet er den Engadin Skimarathon zum 25. Mal. Und würde der Mister-Schweiz-Titel für über 50-Jährige vergeben, er wäre ohne weiteres ein Anwärter auf die Krone. Stattdessen darf sich Peter Andres eine andere Auszeichnung ans Revers heften, jene des Mister Zurzibiet.

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