Ostaargau

Personal verdoppelt: Biomeier liefert sein Gemüse jetzt jeden Tag

«Das ist unglaublich und ich bin extrem dankbar dafür.» Hanspeter Meier hat gerade alle Hände voll zu tun.

«Das ist unglaublich und ich bin extrem dankbar dafür.» Hanspeter Meier hat gerade alle Hände voll zu tun.

Keine Märkte mehr, dafür zehn Mal mehr Hauslieferungen: Bauer Hanspeter Meier aus Full-Reuenthal hat sein Personal verdoppelt.

Jeden Dienstag liefert Hanspeter Meier vom Hof Biomeier sein Gemüse in die Haushalte der Region. Normalerweise. Doch seit Beginn der Coronakrise sind die normalen Zeiten auch für den Bauern aus Full-Reuenthal vorbei. «Wir haben zehn Mal so viele Bestellungen als vorher», sagt der 60-Jährige. Jeden Tag fährt er nun seine Tour, bringt frisches Gemüse, Brot und Käse bis ins Rheintaler Städtchen Kaiserstuhl, ins Wehntaler Dorf Niederweningen, nach Wettingen und Baden, Brugg, Schinznach-Bad oder ins nahe Fricktal. «Das ist unglaublich», sagt er, «und ich bin extrem dankbar dafür.» Denn während viele Betriebe Kurzarbeit eingeben mussten, hat Biomeier kurzfristig das Personal verdoppelt. Zu den Gewinnern der aktuellen Krise möchte er sich aber nicht zählen.

Seit 1985 bietet der Bauer aus Full-Reuenthal Hauslieferungen an. Zusammen mit dem Verkauf ab Hof macht das etwa die Hälfte des Umsatzes aus. Die andere Hälfte erwirtschaftet Meier für gewöhnlich auf den Märkten in den Regionen Baden, Zurzibiet und Brugg. Diese sind aber nach der bundesrätlichen Anordnung bis mindestens 19. April abgesagt. Das bedeutet massive Einbussen für Biomeier. Seine Marktkunden würden nun via Telefon oder online Einzelbestellungen aufgeben oder ein Lieferabo abschliessen, sagt er. Daneben zählt er auch zahlreiche Neukunden. «Am Ende des Tages könnte sich der Umsatz so wieder ausgleichen.» Nur: Am Markt bedienen jeweils etwa acht Mitarbeiter pro Tag um die 700 Kunden. Der Aufwand: jeweils rund 10 Minuten. Mit den Hauslieferungen macht Biomeier nun etwa gleich viel Umsatz, muss aber massiv mehr Zeit investieren. «Die Warenströme laufen ganz anders», sagt Meier. «Wir sind völlig am Anschlag. Aber ich bin froh, um all die Kunden, die nun den Lieferservice nutzen.»

Helfer packen jetzt täglich vor Ort an

Die sechs Helfer, die normalerweise tageweise mitanpacken, sind zurzeit täglich vor Ort, sowie ihre Freunde und Bekannte, deren Geschäfte wegen der Coronakrise geschlossen sind. Auch die Studenten, die jeweils auf den Wochenmärkten in Baden oder Brugg Gemüse und Obst verkaufen, tippen nun Adressen von Neukunden ein, nehmen Bestellungen entgegen und packen die Kistchen mit der bestellten Ware voll. «Wir haben die Bürotechnik ausgebaut, sodass die Mitarbeiter in verschiedenen Räumen arbeiten können.»

Trotz all der Neuerungen stehe er auch etwas auf der Bremse, sagt Meier. «Ich muss mich immer fragen, was ich überhaupt alles einrichte und verändere.» Denn er sei sich bewusst: «Wenn der ganze Spuk vorbei ist, stelle ich alles wieder um.»

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