Der Mundartschriftsteller Pedro Lenz wirkte bei seiner Lesung im Weinbaumuseum in Tegerfelden wie ein Mann aus einer anderen Zeit: Mit einem alten Lincoln ist er aus Olten angereist und seine bedächtige, langsame Art zu sprechen, entspricht nicht der schnelllebigen heutigen Zeit. Doch es ist wohl genau diese Mischung, welche die Leute fasziniert.

Mit seinen Kurzgeschichten, die von ganz normalen Menschen handeln, hat er die rund 50 Besucher am Sonntagvormittag im Weinbaumuseum sofort in seinen Bann gezogen. Obschon er immer wieder auch tragische Geschichten vorgetragen hat, so haben die Zuschauer stets lachen müssen. So erzählte Pedro Lenz etwa von einem Mann, der bei der Radiosendung Nachtclub angerufen hatte, um seine Liebesgeschichte zu erzählen.

Lesung Pedro Lenz Weinbaumuseum

Lesung Pedro Lenz Weinbaumuseum


In der Sendung ging es um den Tessin, doch der Mann erzählte fortwährend von seiner Liebschaft, mit welcher er zwar Ferien im Tessin geplant hatte, diese jedoch nie machen konnte. Die Moderatorin hat den Anrufer ständig unterbrochen und versucht, ihn auf das Thema Tessin zurückzubringen. Doch der Mann meinte, dass er seine Geschichte ganz oder gar nicht erzählen müsse. Mit Nebensächlichkeiten, die aber von Romantik und Melancholie nur so trotzten, gelang es dem Mann, der Moderatorin seine Geschichte zu Ende zu erzählen. Die Radiofrau war letztlich derart berührt, dass sie nur noch zuhörte.

Humor spielt in den Texten von Pedro Lenz eine grosse, wenn auch nicht eine gewollte Rolle. «Wie und wann ich in meinen Texten mit dem Stilmittel des Humors arbeite, hängt von der jeweiligen Textform ab und davon, was ich genau erzählen will. Ich muss aber nicht auf Befehl lustig sein», sagt Lenz im Gespräch mit der az, «Lachen im Alltag ist aber eine Hilfe, mit schwierigen Situationen umzugehen.»