«Als ich sah, dass die Gewerbeausstellung 2013 gefährdet ist habe ich beschlossen, für den Vorstand zu kandidieren», sagt Paul Hediger. Dabei hatte der Gärtnermeister aus Lengnau nie beabsichtigt, eine Führungsposition im Gewerbeverein Surbtal zu übernehmen. Doch jetzt engagiert er sich voll und ganz in der neuen Aufgabe. «Wir müssen uns in der Öffentlichkeit mehr zeigen», bezeichnet er eines seiner vordringlichen Ziele.

Interview mit dem neuen Präsidenten Paul Hediger in seinem Gartencenter in Lengnau

Interview mit dem neuen Präsidenten des Gewerbevereins, Paul Hediger, in seinem Gartencenter in Lengnau

Ein funktionierendes Gewerbe sei wichtig für die Gemeinden und die Region. «Wir schaffen Arbeitsplätze und damit Einkommen und Steuereinnahmen, wir bieten Arbeitsplätze und Lehrstellen und wir beleben die Dörfer», lautet seine Botschaft. Er vergleicht die Funktion des Gewerbes mit derjenigen der Bauern: «So wie sie auch Landschaftspfleger sind, sind wir auch Gesellschaftspfleger in den Dörfern.»

Junge Unternehmer fördern

«Der neue Vorstand muss sich nun bewähren», sagt Hediger. «Wir haben uns erst zu einer Vorstandssitzung getroffen.» Bereits neu aufgegleist ist die Homepage (Box). Jetzt sind die Adressen wieder aktuell und die Liste der rund 120 Mitglieder übersichtlich dargestellt. Diese Präsentation ist nur ein Mittel, um neue Mitglieder zu gewinnen: «Wir hoffen unseren Bestand auf 150 erhöhen zu können.» Hediger vor allem junge Mitglieder gewinnen: «Die jungen Unternehmer muss man fördern.»

Randregionen müssen aktiv sein

Mit anderen Organisationen will er den Kontakt aufrechterhalten oder vertiefen. «Das Wirtschaftsforum Zurzibiet (WFZ) ist eine sehr gute Institution», sagt er. Er will die Zusammenarbeit mit dieser intensivieren. «Das Zurzibiet ist ein Randgebiet, also müssen wir besonders aktiv sein.» Deshalb wolle der Gewerbeverein die Initiative des Wirtschaftsforums für eine verbessere Verkehrsanbindung ans Mittelland unterstützen.

Im Gegensatz zum ganzen Bezirk, der eher stagniert, sieht er das Surbtal als Wachstumsregion. «Die Gemeinden Ehrendingen, Endingen und Lengnau sind begehrte Wohnorte», sagt er. Ehrendingen liegt zwar im Bezirk Baden, jedoch geografisch im Surbtal. Die dortigen Unternehmer sind, wie diejenigen aus Freienwil, Mitglied des Gewerbevereins Surbtal. «Wir spüren vor allem den Bevölkerungsdruck aus dem Raum Zürich», sagt Hediger. Analog ist die Entwicklung im zürcherischen Wehntal. Trotz allem Wachstum, allein von den im Surbtal wohnenden Leuten könnte das Gewerbe nicht leben: «Wir Unternehmer sind auf die Nachbarregionen angewiesen.» Für Hediger ist deshalb ganz klar, dass auch Kontakte zu den Gewerbevereinen der Nachbarregionen pflegt werden müssen.

Als weitere Baustelle in der Gewerbelandschaft sieht er die Gastronomie. So gibt es in Freienwil seit längerem keine Dorfwirtschaft mehr und in Unterendingen ist eines der beiden Restaurants, der Sonnenblick, seit Anfang Jahr geschlossen. Die Gastronomie habe es wie der Detailhandel schwer: «Beide spüren auch die deutsche Konkurrenz.»

Wirtschaftsforum wird unterstützt

Gute Kontakte möchte er auch zu den politischen Behörden aufbauen. «In Endingen und Lengnau kennen wir die Gewerbeapéros schon, aber man kann sie sicher noch ausbauen.» Von der Politik erwartet er viel. Sie soll auch für eine gute Verkehrsverbindung sorgen: «Als Randregion sind wir darauf angewiesen.» Deshalb soll das Wirtschaftsforum bei der Unterschriftensammlung für einen Autobahnzubringer, konkret mit dem Baldeggtunnel bei Baden, unterstütz werden. Auch den neuen Zoll in Koblenz betrachtet er als wichtiges Erschliessungselement.