«Je länger ich mich mit Paul Bächle befasst habe, desto mehr sind mir Parallelen zur Heiligen Verena aufgefallen, war Bächles Leben doch geprägt von Bescheidenheit, Hilfsbereitschaft und aufopfernde Pflege seiner Eltern», hielt der Historiker Alfred Hidber am Freitagabend in der Galerie Mauritiushof fest. Und schmunzelnd fügte er an: «Zudem ist er wohl auch als Jungfrau in den Himmel gekommen.»

Am 7. März letzten Jahres war Bächle, 89-jährig, verstorben. Zurückgeblieben sind unvergessliche Erinnerung an einen Menschenfreund, an ein Original und seinen Gemischtwarenladen. 65 Jahre lang hatte der Junggeselle diesen konsequent nach der Devise, «es gibt eine einfache Regel, das Herz des Kunden zu gewinnen: Lassen sie sich Zeit, ihn zu bedienen, geführt.

Nach Bächles Tod, hatte Alfed Hidber als Leiter vom Museum «Höfli» Gelegenheit bekommen, durch Bächles Haus, Laden und Lagerscheune zu streifen. Ihm und zahlreichen Helferinnen und Helfern hatte sich eine wahre Wundertüte offenbart: «In Gegenständen und Dokumenten lagerten hier 100 Jahre Geschichte», so Hidber.

Kunst aus Krempel

Mit ausgewählten Schätzen aus dieser ebenso historisch kostbaren wie köstlichen Hinterlassenschaft hat Alfred Hidber eine faszinierende Gedenkausstellung zusammengestellt. In deren einem Teil ist eine ganze Reihe von originellen Kunstwerken zu bestaunen, die Hidber aus dem schier unerschöpflichen Fundus in Bächles Laden und Lager geschaffen hat. Da ist beispielsweise aus – unter anderem – Schraubendeckeln, Schubladengriffen, einer Gummidichtung und Rosshaar eine «Madame Duboeuf» entstanden; aus Flaumer, Blechschaufel, Fadenspulen und Schuhbeschlägen «Jakob Schäufele» und aus Blech, Holz, Plastik und Messing-Fittingen eine «Moschee».

Der andere Teil der Ausstellung vermittelt spannende und rührende Einblicke in Bächles privates und berufliches Leben. Da können ältere Besucher in purer Nostalgie schwelgen, während dem einen und anderen jüngeren Besucher bestimmt der Mund vor lauter Staunen offen stehen bleibt. Aufnahmen von Notizzetteln lassen den Betrachter eintauchen in eine besondere Welt. Die Frage was AZIN bedeutete, hat Hidber an der Vernissage geklärt: «Am Zähni is Näscht».

Der Ausstellungs-Besucher kann in Bächles Aufsatzheft von 1940 blättern. Auf einer Röntgenaufnahme von 1927 ist die 20-Rappen-Münze zu sehen, die der einjährige Päuli verschluckt hatte. Mutter Anna Bächle hatte Nabelbinde, Hemdchen, Lederschuhe, Tigerfinkli, Spielsachen von klein Päuli ebenso sorgfältig aufbewahrt, wie dessen späteres Fasnachtskostüm.

In der Ausstellung hängt auch der Skidress des 17-Jährigen neben einer Aufnahme vom Skilager 1943 in Saas Grund. Zahlreich und packend sind die gezeigten Fotografien. Etwa vom jungen Paul Bächle mit Büsi und Hund, in der RS, als 30-Jähriger auf seiner Vespa, 1963 mit Vater Gregor beim Einsteigen in ein Flugzeug, vom älteren Paul Bächle vor und im Laden. Bilder also, wie ihn die Kundschaft noch vor sechs Jahren gekannt, geschätzt und geliebt hatte – ihn, dessen Credo «Dienen ist mein Beruf» war.

Dieses Credo ist auch der Titel einer 70 Seiten starken, reich bebilderten Schrift, die Alfred Hidber in Gedenken an die «Institution» Paul Bächle herausgegeben hat. Die Texte darin sind sehr informativ. Mehr als tausend Worte aber sagen auch hier die wunderbaren Fotos, in denen sich der Betrachter regelrecht verlieren kann.

Gedenkausstellung Paul Bächle bis 28. März 2016 in der Galerie Mauritiushof. Samstags, sonntags und an Ostermontag unter Anwesenheit von Alfred Hidber.