Zurzibiet

Parteibüechli vor Lokalpatriotismus: Welche Bezirksparteien unterstützen Hansjörg Knecht?

Hansjörg Knecht (SVP) will den 2011 an die SP verlorenen Ständeratssitz zurückerobern.

Obwohl mit Hansjörg Knecht ein Zurzibieter als Ständerat kandidiert, bleiben die anderen Bezirksparteien stramm auf Parteilinie.

Wenn am 20. Oktober 2019 der neue Ständerat gewählt wird, blickt der Bezirk Zurzach gespannt nach Bundesbern. Mit Hansjörg Knecht kandidiert seit langer Zeit wieder ein Zurzibieter fürs «Stöckli». Der letzte Ständerat aus dem Bezirk war Hans Jörg Huber. Er begann seine politische Laufbahn in Bad Zurzach und vertrat die Aargauer CVP von 1987 bis 1995 in der kleinen Kammer.

Mit Knecht bietet sich diese Chance erneut. Der 54-jährige Unternehmer aus Leibstadt betreibt eine Mühle und ist seit 2011 im Nationalrat. Er will für die wählerstärkste Partei im Aargau den 2011 an die SP verlorenen Ständeratssitz zurückerobern. Knecht bezeichnet sich selber als «Sachpolitiker». Er will sich auch für regionale Interessen starkmachen. Auf seiner Homepage schreibt er etwa: «Für unsere Bevölkerung und unseren Industriekanton ist eine sichere, günstige und vom Ausland unabhängige Stromversorgung wichtig. Deshalb setze ich mich für eine ideologiefreie Energiepolitik ein.» Mit dieser Aussage punktet Knecht in der Atomstrom-Hochburg mit den AKW Beznau und Leibstadt. Aber auch beim Verkehr gibt es regionale Interessen, die von nationaler Bedeutung sind: etwa die zweite Rheinbrücke beim Grenzübergang in Koblenz.

Was sagen SP, FDP und CVP?

Doch was sagen die anderen Bezirksparteien, also SP, FDP und CVP? Unterstützen sie den SVP-Kandidaten Hansjörg Knecht, damit er der Randregion Zurzibiet Gewicht geben und sie als Ständerat besser vertreten kann, oder steht das Parteibüchlein über den regionalen Interessen?

«Die SP Sektion Zurzibiet unterstützt im Ständeratswahlkampf ganz klar den SP-Kandidaten Cédric Wermuth», sagt Elena Flach, Co-Präsidentin der SP Sektion Zurzibiet. «Aber wir wünschen Herrn Knecht natürlich mit seiner Kandidatur alles Gute.» Doch wäre Hansjörg Knecht im Ständerat nicht die stärkere Stimme für den Bezirk Zurzach? «Jein», antwortet Flach, «Hansjörg Knecht kann vielleicht die regionalen Interessen besser vertreten, aber wir wünschen uns einen Ständerat, der sich für die Interessen der SP und des Kantons Aargau in Bundesbern einsetzt. Und auch Cédric Wermuth weiss, was es heisst, in einer Randregion zu leben.»

Ähnlich tönt es vonseiten der FDP Bezirk Zurzach. Vize-Präsident Franz Nebel sagt: «Klar ist, dass wir zu 100 Prozent hinter der Kandidatur von Thierry Burkart stehen. Wen wir als zweiten Kandidaten unterstützen werden, entscheidet die Bezirkspartei im Mai.»

Burkart soll für die FDP den Sitz von Philipp Müller verteidigen. Burkart ist Präsident des TCS Aargau, deshalb erhofft man sich im Zurzibiet vom ihm einiges an Support in Sachen Verkehrspolitik. Nebel sagt aber auch klar: «Ein Ständerat hat die Interessen des Kantons zu vertreten, nicht die einer einzelnen Region. Bei allem Lokalpatriotismus: Die Aufgabe eines Ständerates darf nicht verwässert werden.»

Partei wichtiger als Person

Andreas Meier, Präsident der CVP Bezirk Zurzach, legt nach: «Für die Interessen eines Bezirks gibt es den Grossen Rat in Aarau.»

Meier kennt Knecht seit seiner Jugend, hält menschlich viel von ihm, sagt aber: «Bei der Wahl des Ständerats geht es nicht um den Menschen, sondern darum, dass unsere CVP-Politik in Bern vertreten und erfolgreich sein wird.» Deshalb bleibe man ganz auf Parteilinie und unterstütze mit voller Kraft die Kandidatur von Marianne Binder. Durch ihren Mann, dessen Familie ihre Wurzeln im Zurzibiet hat, sei sie stark mit der Region verbunden. Für den Aargau und speziell für den Grenzbezirk Zurzach sei das nachbarschaftliche Verhältnis zu Deutschland besonders wichtig. «Ich glaube, Binders Wille zu einer guten Zusammenarbeit und Nachbarschaft mit Deutschland ist grösser als jener von SVP-Kandidat Hansjörg Knecht.»

Die CVP Bezirk Zurzach wird Marianne Binder bei ihrem Wahlkampf im Zurzibiet unterstützen. Geplant sind drei Auftritte mit dem Risotto-Bus in Lengnau, Bad Zurzach und Klingnau, der Heimat von CVP-Grossrat Meier. Auch die SP ist bestrebt, ihrem Kandidaten Cédric Wermuth tatkräftig unter die Arme zu greifen. Angedacht sind Auftritte im Rahmen der Kampagne «Triff den Wermuth». Die Idee dahinter: SP-Mitglieder oder Interessierte laden Freunde, Arbeitskollegen oder Nachbarn zu einem Austausch mit Wermuth im privaten Rahmen ein.

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