Full-Reuenthal

Panzer und Waffen erfreuten 5000 Militär-Nostalgiker

Ausstellung im Militärmuseum zu den Armeen des Warschauer Pakts. Das militärische Bündnis der Ostmächte, das den Nato Armeen nach dem Zweiten Weltkrieg bis Anfang der 90er-Jahre im Kalten Krieg gegenüberstand, war eine reale Bedrohung nach dem Krieg.

Marcel Meier sitzt ganz zuhinterst im düsteren Armeezelt und schraubt ein altes Funkgerät auseinander. Das US-Airborne Abzeichen auf seiner Mütze ist frisch poliert. Die Pilotenbrille verdeckt sein halbes Gesicht, der beissende Rauch seiner Zigarre erfüllt das Zelt. «Es ist doch faszinierend, dass diese Weltkriegs-Technik noch heute funktioniert», sagt er und hält sich stolz das mehrere Kilo schwere Funkgerät BC-611 ans Ohr.

Draussen vor dem Zelt erzählt Guido Nägeli derweil einer kleinen Gruppe über die Weiterverwendung der amerikanischen Weltkriegsmaterialien in europäischen Armeen. «Auch die Schweizer Armee hat nach Ende des Zweiten Weltkrieges bei den Amerikanern technische Geräte eingekauft und noch während Jahren eingesetzt.»

Guido Nägeli und Marcel Meier sind aktive Mitglieder in der IG «HQ Command», einem Verband von privaten Sammlern amerikanischer Militaria, die ihre Zelte am diesjährigen Grossanlass des Militärmuseums Full aufgeschlagen haben und stolz die bestens gepflegten Gefährte, Funkgeräte und Uniformen präsentierten.

Aus Feind wird Freund

Im Zentrum des diesjährigen GrossEvents des Schweizerischen Militärmuseums standen aber nicht die Amerikaner, sondern die Armeen des Warschauer Pakts. Das militärische Bündnis der Ostmächte, das den Nato Armeen nach dem Zweiten Weltkrieg bis Anfang der 90er-Jahre im Kalten Krieg gegenüberstand, war eine reale Bedrohung der Nachkriegs-Stabilität.

«Viele Militärdienstleistende wurden während der Zeit des Kalten Krieges auf die Bedrohung aus dem Osten vorbereitet», erklärt Thomas Hug, Präsident des Vereins Militär- und Festungsmuseum Full-Reuenthal. «Man eignete sich vertiefte Kenntnisse über die verschiedenen Panzer und Waffensysteme an und übte den Ernstfall.» Ganz besonders freute sich Thomas Hug deshalb über die Delegationen aus der einstigen DDR und aus Ungarn, die als Gäste am Grossanlass in Full teilnahmen. «Die potenziellen Feinde von einst sind heute bei uns zu Besuch und zeigen uns ihre Panzer und ihr Kriegsmaterial. Das ist doch wunderbar.»

Käseschnitten und Panzerpetarden

Die rund 5000 Besucher, die am Wochenende nach Full reisten, konnten die Panzer der Ostmächte gar in Aktion erleben. Im hügeligen Gelände rund um die Museumshallen simulierten Mot- Schützen der Nationalen Volksarmee der einstigen DDR einen mechanisierten Angriff mit originalen Aufklärungsfahrzeugen, Angriffspanzern und haufenweise Nebelpetarden. Im Museumsrestaurant gab es neben Pizza und Grillware auch Schweizer Armee-Käseschnitten zu kaufen. «Das Rezept ist im Armee-Reglement genau festgelegt und seit Jahrzehnten immer gleich», erklärte Käseschnitten-Bäcker Walter Bammatter.

Thomas Hug zeigte sich rundum zufrieden mit dem Anlass. «Unser Auftrag als Museum ist es, schützenswertes Armeematerial zu erhalten und der Bevölkerung die Militärtechnik und -Geschichte näherzubringen. Es freut uns riesig, dass so viele Besucher immer wieder den Weg zu uns finden.»

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