Bad Zurzach

Ostumfahrungs-Bauarbeiten sind im Gange: Was bedeutet das für die Anwohner der Baustelle?

Noch ist der Ortskern von Bad Zurzach stark befahren. Das soll sich bis 2023 ändern.

Noch ist der Ortskern von Bad Zurzach stark befahren. Das soll sich bis 2023 ändern.

Seit einem Monat wird an der Ostumfahrung in Bad Zurzach gebaut. Die Anwohner der Baustelle finden die Umleitungen gewöhnungsbedürftig.

Einer von ihnen ist François de Caes. Er wohnt im Jetzerwiesen-Quartier, wo zurzeit am künftigen «Knoten Glocke» gebaut wird. Für den leidenschaftlichen Hobbygärtner war es keine Option, einfach auf einen Garten zu verzichten. Er und sein Nachbar Guido Meier suchten daher schon vor rund drei Jahren nach einem Alternativ-Garten. Sie wurden fündig auf einem Wiesenstück ganz in der Nähe, das einem Anwohner der Breitenstrasse gehört.

«Der neue Garten wird nicht so gross sein wie der alte, aber das ist in Ordnung», sagt de Caes. «Manchmal muss man sich neu orientieren – wenn man es vorher weiss, ist es aber nicht so schlimm.» Auch Vreni Laube verliert ihren Garten. Einen neuen sucht sie sich jedoch nicht: «Wir arbeiten inzwischen sowieso nicht mehr so viel im Garten.»

Bauprojekt bringt diverse Umwege mit sich

Die Bauarbeiten an der Ostumfahrung verursachen weitere Unannehmlichkeiten: Wegen der Strassensperrungen können die Anwohner während der Bauzeit nicht mehr wie gewohnt über den Schützenweg auf die Promenadenstrasse gelangen. Diese wird stattdessen über die Neubergstrasse an den Schulen vorbei, wo momentan Tempo 20 gilt, und über die Langwiesstrasse zugänglich sein. «Natürlich nervt es, wenn man aus Gewohnheit noch falsch fährt und dann umkehren muss», sagt Anwohnerin Silvia Indermühle. «Aber das lernt man schnell.» Vreni Laube stört sich mehr dar­an, dass nun längerfristig die Fussgängerrampe gesperrt ist, die von der Breitestrasse zum Lindenrainweg auf der anderen Seite der Bahnlinie hinunterführt. Denn im Sommer wird sie deshalb knapp einen halben Kilometer weiter laufen müssen, um ins «Regibad» zu kommen.

Kleine Schaufeln und grosse Pickel: Spatenstich zur Ostumfahrung Bad Zurzach

10. Januar 2020: Kleine Schaufeln und grosse Pickel beim Spatenstich zur Ostumfahrung Bad Zurzach

Gemeindeammann Bernhard Scheuber sinniert über Flanieren ohne Autolärm in der Schwertgasse.

Die Umleitung des Verkehrs funktioniere im Allgemeinen bis jetzt sehr gut, sagt Mäni Moser, Beauftragter der Gemeinde für die Ostumfahrung. «70 Prozent der Betroffenen im Strassenverkehr haben keine Probleme mit den Bauarbeiten.» Bisher hätten nur etwa 30 Prozent Orientierungsprobleme gehabt und dies telefonisch oder persönlich der Gemeinde mitgeteilt. «Das Problem ist, dass viele Leute nicht mehr auf Wegweiser und Umleitungen achten, sondern nur noch auf ihr Navi», sagt Moser. Sonstige Beschwerden habe es bisher keine gegeben.

«Wäldli» innerhalb von zwei Tagen verschwunden

Daran, dass die Ostumfahrung tatsächlich eines Tages umgesetzt wird, glaubten die Bewohner der Jetzerwiese schon länger nicht mehr. Schon vor 35 Jahren beim Bau ihrer Reihenhäuser mussten sie die Planung der Ostumfahrung berücksichtigen. Dann ist jedoch jahrzehntelang nichts passiert. Deshalb ist es für viele noch gewöhnungsbedürftig, die Bauarbeiten, die jetzt doch noch Realität wurden, hautnah mitzuerleben. «Auf einmal ging es wahnsinnig schnell», sagt Vreni Laube.

Ein besonders eindrückliches Beispiel hierfür sei – neben dem riesigen Kran, der seit einiger Zeit im Schützenweg steht – die enorm schnelle Abholzung des kleinen «Wäldli». Dieses ging den Schützenweg entlang bis zum «Triumph»-Gebäude. An einem Tag seien die gesamten Bäume gefällt und auf einem grossen Haufen gestapelt worden. Bereits einen Tag später sei das Holz gehäckselt und abtransportiert worden. Auf dem freien Boden wurde kurz darauf ein Kiesplatz angelegt, Baucontainer aufgestellt und die Baustelle eingezäunt. Anna-Elisabeth de Caes sagt: «Es war ein kleiner Schock, als auf einmal alle Bäume weg waren.»

Die abgeholzte Fläche wird jedoch nicht kahl bleiben: Für Strassenbauprojekte in Nichtbauzonen, welche die Landschaft wesentlich beeinträchtigen, sind laut Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau «ökologische Ausgleichsmassnahmen» gesetzlich vorgeschrieben. Daher ist ein landschaftspflegerisches Begleitprojekt in Planung: «Ziel ist die optimierte Einbindung der Umfahrungsstrasse in das Landschaftsbild und in die Siedlungsstrukturen», heisst es in einer Projektbeschreibung.

Zurzacher zweifeln, dass die Schwertgasse aufblüht

Während die Bauphase noch Geduld abverlangt, soll dafür das Schlussresultat umso positiver ausfallen: Laut Gemeindeammann Bernhard Scheuber werden die Menschen in Zukunft durch die neue Fussgängerzone in der Schwertgasse flanieren, in den Läden ein und aus gehen und sich in den Cafés treffen. Dass dies 2023, am Ende des Grossprojekts, tatsächlich so eintrifft, bezweifeln einige Anwohner. «Damit in Zukunft wieder mehr Leute in der Schwertgasse unterwegs sind, müsste es dort mehr Läden und Restaurants geben», sagt Vreni Laube. Im Moment sei die Schwertgasse etwas ausgestorben. Silvia Indermühle glaubt ebenfalls nicht daran, dass diese lebendiger wird: «Die jungen Leute kaufen immer mehr online ein, statt in den Gassen zu flanieren.» Anna-Elisabeth de Caes ergänzt: «Es werden nur wieder mehr Läden entstehen können, wenn der Wechselkurs sich zu Gunsten vom Euro ändert.» Es müsste also für die Deutschen günstiger werden, in der Schweiz einzukaufen, glaubt sie.

Es gab zahlreiche Ideen zu Alternativen des Projekts

Sergio Bachmann, der an der Kreuzung Beckenmoosstrasse-Schützenweg wohnt, ist ebenfalls skeptisch gegenüber dem Ergebnis der Ostumfahrung. Er war vor 13 Jahren schon Gegner des Grossprojekts. 2011 gründete er die Interessengemeinschaft Verkehrsdialog Bad Zurzach, der ungefähr ein Drittel der Bevölkerung von Bad Zurzach angehörte. In mehreren Leserbriefen an die Botschaft forderte die Interessengemeinschaft Alternativen zur aktuellen Planung der Ostumfahrung. «Entweder hätte die ganze Umfahrung untertunnelt sein müssen, oder das Ostportal hätte nicht bei der SBB-Unterführung liegen dürfen, sondern beim Seesteg am Kreisel bei der Sodafabrik», erläutert Bachmann. Doch keiner der beiden Alternativen wurde in Betracht gezogen, da die Kosten dafür zu hoch gewesen seien. Bei der entscheidenden Abstimmung der Gemeindeversammlung von Bad Zurzach im Jahr 2012 waren die Gegner schlussendlich unterlegen. «Aber als Demokrat muss ich das akzeptieren und das Beste daraus machen», sagt er.

Neben Bachmanns Vorschlägen wurden noch viele andere Varianten diskutiert. Ideen der Anwohner der Jetzerwiese für Alternativen reichten von einer neuen Brücke zwischen der Schweiz und Deutschland über das Herausnehmen von Lastwagen aus dem Verkehr und über Koblenz leiten bis hin zu einer gemeinsamen Umfahrung mit Tegerfelden und Koblenz, wo Kreisel zur Verkehrsberuhigung gebaut wurden. Jedoch vertrauen sie auf die Erfahrung der Fachleute, dass die getroffene Wahl der Ostumfahrung – auch bezüglich Standort – gut begründet wurde.

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