Lengnau/Endingen

Ortsmuseum klammerte Juden aus: Religiöses Zentrum soll jetzt die Geschichte zurechtrücken

So könnte das Besucherzentrum dereinst aussehen.

So könnte das Besucherzentrum dereinst aussehen.

Das Projekt jüdisch-christlichen Zusammenlebens tritt in die nächste Phase. Ein Verein soll als Basis zur Errichtung eines Besucherzentrums dienen.

«Wir kommen jetzt langsam ans Ziel», erklärte Lukas Keller, der frühere Gemeindeammann von Endingen, zum Projekt Doppeltür. An der Abgeordnetenversammlung des Planungsverbandes Zurzibiet Regio in Gippingen stellte er das Projekt vor, das zum Ziel hat, anhand der Schauplätze des jüdisch-christlichen Zusammenlebens einen Einblick in die spezielle Geschichte des Surbtals – und auch in einem Bereich der europäischen Kultur – zu vermitteln.

Das Projekt «Doppeltür» verdankt seinen Namen den charakteristischen Häusern, in denen einst Menschen jüdischen und christlichen Glaubens in Lengnau und Endingen unter einem Dach, aber hinter zwei verschiedenen Haustüren lebten.

Ausgangspunkt für das Projekt war der jüdische Kulturweg, der 2009 im Surbtal eröffnet wurde. Am Anfang des Projektes Doppeltür, so Lukas Keller, habe auch eine Kritik am Lengnauer Ortsmuseum gestanden. Dabei war moniert worden, dass der jüdische Hintergrund des Dorfes und des Surbtals im Museum ausgeklammert werde. In der Folge sei ein runder Tisch ins Leben gerufen worden, aus dem ein Projektteam hervorgegangen sei, das inzwischen intensiv gearbeitet habe.

12,5 Mio. für Besucherzentrum

«Das Projekt Doppeltür ist aber nicht ein jüdisches, sondern ein interkonfessionelles Projekt und ein Kulturprojekt von nationaler Bedeutung», betonte Keller. Die Vision des Vermittlungsprojektes gehe dahin, authentische Schauplätze zu zeigen und die Koexistenz zweier Religionen am Beispiel des Neben- und Miteinanders in den einstigen Judendörfern Endingen und Lengnau aufzuzeigen. Dabei sollen auch die Probleme dieses Zusammenlebens nicht verschwiegen werden. Als sehr wichtig erachtet würden zudem Anknüpfungspunkte zu Themen der Gegenwart.

Doppeltür-Haus mit zwei Türen in Endingen.

Doppeltür-Haus mit zwei Türen in Endingen.

Wichtigstes und mit geschätzten Kosten von 12,5 Millionen Franken auch teuerstes Modul des Projektes ist ein Besucherzentrum. «Ziel ist es, dieses erste Modul so schnell wie möglich zu realisieren», erklärte Lukas Keller. «Wir möchten aber auch ein Doppeltürhaus erwerben und instand stellen, um zeigen zu können, wie in diesen Häusern einst gelebt worden ist.»

Realisierung ab 2019

Insgesamt werden die Kosten für die Realisierung des Projektes Doppeltür auf 16,5 Millionen Franken veranschlagt. «Ich bin aber nicht gekommen, um Geld zu erbitten», beruhigte Lukas Keller die Abgeordneten der Gemeinden an der Versammlung von «Zurzibiet Regio». «Träger des Projektes wird eine private gemeinnützige Stiftung sein, und nicht die öffentliche Hand.»

Mit den Doppeltüren wurde eine Bestimmung umgangen, wonach Juden und Christen nicht beieinander wohnen sollten. Zwei Eingänge ermöglichten ein friedliches Nebeneinander.

Mit den Doppeltüren wurde eine Bestimmung umgangen, wonach Juden und Christen nicht beieinander wohnen sollten. Zwei Eingänge ermöglichten ein friedliches Nebeneinander.

Als nächster Schritt soll am 18. Januar 2017 der Verein Doppeltür gegründet werden. Aufgabe dieses Vereins, der aus wenigen institutionellen Mitgliedern bestehen wird, ist es, finanzielle Mittel zu beschaffen und ein Beziehungsnetz aufzubauen. Ebenfalls noch im kommenden Jahr soll ein Patronatskomitee gebildet werden, das sich für die Realisierung des Projekts einsetzt. Gleichzeitig will man mit dem Fundraising beginnen und eine Stiftung gründen. Ab 2019 soll mit der schrittweisen Umsetzung des Projektes begonnen werden.

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