Noch im Juli war ungewiss, ob die Radsporttage Gippingen 2020 durchgeführt werden können. Der Traditionsanlass kämpfte mit verschiedenen Problemen. Diese Woche dann die gute Nachricht: Das grösste Eintagesrennen der Schweiz wird auch im kommenden Jahr ausgetragen (AZ vom 4. 9.). OK-Chef René Huber ist einerseits erleichtert. Wie es mit ihm und dem Anlass danach weitergeht, ist aber noch nicht geklärt.

Offenbar hat der Hilferuf gewirkt. Die nächste Ausgabe der Radsporttage Gippingen findet statt. Ist der Traditionsanlass gerettet?

René Huber: Für das kommende Jahr Ja. Das Echo auf unseren Hilferuf war erfreulich. Es haben sich zahlreiche Personen aus der Region gemeldet. Das hat uns sehr gefreut. Das OK besteht jetzt aus über 30 Mitgliedern, 11 davon besetzen die Geschäftsleitung.

Die grösste Baustelle, die personellen Sorgen, ist somit behoben.

Nicht ganz. Der Manpower für das nächste Jahr ist zwar da. Noch fehlen uns aber zwei Nachfolger – für unseren Sponsoring-Chef Kurt Wyss und für mich als OK-Präsidenten.

Sind die Radsporttage 2020 also Ihre letzten als OK-Präsident?

Das kann ich jetzt noch nicht beantworten. Uns allen sind die Radsporttage sehr wichtig. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, spätestens bis zur nächsten Ausgabe eine Lösung zu finden.

Neben den Personalproblemen machen Ihnen auch die strengeren Auflagen des internationalen Radverbands UCI zu schaffen. Er verlangt eine Live-Übertragung des Grossen Preises des Kantons Aargau. Sind die Radsporttage Gippingen nächstes Jahr im Fernsehen zu sehen?

Das glaube ich bis jetzt noch nicht. Das Reglement der UCI fordert dies zwar. Aber es wäre mit grossen Kosten verbunden. Bis jetzt haben wir noch keine Offerten bei Produktionsfirmen eingeholt.

Was passiert, wenn die Radsporttage auf die Übertragung verzichten?

Der Grand Prix ist nach dem Weltcup aktuell in der zweithöchsten Klasse, der sogenannten «1. Horse-Classe», eingeteilt. Es könnte sein, dass die UCI den GP runterstuft.

Was hätte das für Folgen für Gippingen?

Der GP würde dadurch an Attraktivität verlieren und die guten, internationalen Teams würden fernbleiben. Dies würde sich wiederum auf die ganzen Radsporttage auswirken: weniger Zuschauer, weniger Einnahmen in der Festwirtschaft, weniger Sponsoringeinnahmen etc.

Wie könnte hier der nationale Verband, Swiss Cycling, helfen?

Wir erwarten, dass er Einfluss nimmt. Es sollten nicht noch mehr Auflagen kommen, welche die kleinen, ehrenamtlich organisierten Rennen verteuern. Aber offenbar ist die Schweiz eine kleine Nummer im Vergleich zu den zahlreichen anderen nationalen Verbänden.

Sorgen machen auch die Finanzen. Von den budgetierten Ausgaben von 400 000 Franken decken Sponsoren knapp 85 Prozent. Der Vertrag mit dem Hauptsponsor, der Aargauischen Kantonalbank, läuft zudem nur noch bis nächstes Jahr. Wie geht es danach weiter?

Das ist noch offen. Die Verhandlungen dazu müssen wir noch führen. Sicher ist: Wir können bei den Ausgaben nicht mehr sparen, ansonsten müssten wir Leistungen beim GP abbauen und Rennen streichen. Ohne Hauptsponsor geht es nicht.

Könnte der Kanton hier in die Bresche springen?

Der Kanton unterstützt uns bereits sehr. Finanziell beispielsweise durch den Swisslos-Sportfonds Aargau. Zudem tagte kürzlich eine Arbeitsgruppe, an denen die Veranstalter der «Aargau Top Sport»-Events, zu denen auch wir gehören, Vertreter des Kantons und die Geschäftsleitung des Verbands «Swiss Cycling» teilnahmen.

Was kam dabei raus?

Unter anderem ging es um die Frage, wie der Kanton die Radrennen bei der Administration unterstützen und die Bewilligungsverfahren vereinfachen kann. Oder wo der Verband noch mehr Unterstützung bieten kann. Den Hauptsponsor ersetzen können aber weder der Kanton noch der Verband.

Gibt es einen Plan B, falls es personell und finanziell nach 2020 keine Lösung gibt?

Bis jetzt noch nicht. Wir nehmen die nächsten Radsporttage in Angriff, führen aber parallel dazu auch Gespräche mit Sponsoren und möglichen Nachfolgern. Denkbar wäre auch, den Umfang der Rennen zu reduzieren.

Was würde ein Ende der Radsporttage Gippingen für den Kanton bedeuten?

Ohne Gippingen würde etwas Wichtiges im Kanton fehlen. Unser Hilferuf hat gezeigt, dass nicht nur uns die Radsporttage am Herzen liegen. Der Rückhalt in der Bevölkerung ist gross. Das hat uns nochmals bestärkt, alles daranzusetzen, ein Ende zu verhindern.