Koblenz

Offene Frage nach dem Weltkrieg: Wer warf die Bomben auf Koblenz?

Die Schweizer Soldaten posieren in Koblenz für ein Gruppenfoto. Im Hintergrund die Mannschaftsbaracke, die durch die Druckwelle einer Bombe beschädigt wurde.

Die Schweizer Soldaten posieren in Koblenz für ein Gruppenfoto. Im Hintergrund die Mannschaftsbaracke, die durch die Druckwelle einer Bombe beschädigt wurde.

Bislang hiess es, die Amerikaner bombardierten 1945 das Dorf an der Grenze: Das Buch von Kuno Gross und Rudolf Meier: «Bombenangriffe auf die Brücken von Koblenz» bringt neue Erkenntnisse hervor

Am 16. Februar 1945 fielen Bomben auf Koblenz: Niemand wurde verletzt, doch es kam zu grossen Sachschäden. Noch heute kursieren allerlei Anekdoten im Dorf: So habe die Druckwelle einer Bombe ein WC-Häuschen samt Insasse davon geblasen. Aber was genau passierte an diesem Tag am Ende des Zweiten Weltkriegs und woher kamen die Bomben?

Antwort darauf gibt das Buch «Bombenangriffe auf die Brücken von Koblenz – 16. Februar 1945» von Kuno Gross und Rudolf Meier. Ab nächster Woche ist das 120-seitige Werk im Handel. «Alles hat mit einem Bombensplitter aus diesen Tagen von meinem Vater angefangen», sagt Gross.

Ereignisse für die Öffentlichkeit zugänglich machen

Die beiden Bekannten, die sich aus Koblenz kennen und ein historisches Interesse teilen, begannen, Nachforschungen aufzustellen. Da aber die Ereignisse vom 16. Februar bisher noch nicht gründlich recherchiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden seien, entschlossen sie sich, ein Buch über das Ereignis zu schreiben.

Dabei stiessen Gross und Meier auf neue Erkenntnisse: Obschon amerikanische Jagdbomber im Februar 1945 zum Einsatz kamen, wurden die Bomben nicht von den USA abgeworfen. Woher also kamen die Bomben? «Wer das wissen will, muss unser Buch lesen», sagt Gross und lächelt verschmitzt.

Trotz allem zahlten die Amerikaner 1949 den Schadensersatz an die Koblenzer. Dieser wurde von der Gemeinde minutiös berechnet: Beträge von über 1000 bis hin zu 1,75 Franken wurden zu einem Gesamtbetrag von 87 500 Franken addiert. Meier: «Wieso sie bezahlt haben, wissen wir aber auch nicht.»

Die Autoren Kuno Gross und Rudolf Meier stellen ihr Buch zu den Bombenangriffen in Koblenz vor.

Die Autoren Kuno Gross und Rudolf Meier stellen ihr Buch zu den Bombenangriffen in Koblenz vor.

Zeitzeugen erzählen, was passiert ist

Anfang Jahr begannen Meier und Gross mit den Recherchen. Bereits im Sommer begannen sie mit der Umsetzung des Buches. «Die kleinen Ereignisse sind meist die spannendsten», sagt Gross, der bereits einige Bücher publiziert hat.

Für Meier ist es das erste Buch. «Es fühlt sich gut an, ein Stück Geschichte für die Allgemeinheit zugänglich zu machen», so Meier. Er hat 14 Zeitzeugen für das Buch interviewt. Diese habe er im Dorf und der näheren Umgebung gefunden. Meier: «Eigentlich hätte man das Buch vor zehn Jahren machen sollen, dann hätten noch mehr Leute aus dieser Zeit gelebt.»

Währenddessen suchte Gross in verschiedensten Archiven nach historischen Aufzeichnungen. Seine Recherchen führten ihn auch in amerikanische und französische Archive – ein Hinweis auf die möglichen Bombenwerfer? Aber Gross schweigt und sagt nur: «Ich musste nicht dorthin reisen, heute gibt es alles online.»

Zweiter Bombenangriff am 19. Februar

So fielen am 16. Februar gesamthaft zehn Bomben auf die Grenzregion am Rhein, wovon vier auf Koblenzer Boden landeten. «Dabei explodierten nur zwei, die anderen beiden waren Blindgänger», erklärt Meier.

Jedoch befasst sich das Buch nicht nur mit den Bomben, die auf Koblenz fielen. Denn nur drei Tage später, am 19. Februar 1945, wurde auch das nahegelegene Full bombardiert. Auch hier wurde niemand verletzt und einer der Sprengsätze war ebenfalls ein Blindgänger.

Die meisten Bomben fielen damals auf das deutsche Waldshut: Das Ziel war der Bahnhof. «Dort sind auch Personen getötet worden», sagt Gross. Und Meier fügt an: «Es war extrem grosses Glück, dass niemand in der Schweiz verletzt wurde.» Gesamthaft solle das Buch eine Momentaufnahme aus den letzten Jahren des Krieges in Koblenz und nächster Umgebung liefern.

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