Kaiserstuhl

Öffentliche Ladestation für Elektroautos: Ein Schritt in die benzinfreie Zukunft

Beim Restaurant Kreuz in Kaiserstuhl wird demnächst eine öffentliche Ladestation für Elektroautos eröffnet. zvg/Symbolbild

Beim Restaurant Kreuz in Kaiserstuhl wird demnächst eine öffentliche Ladestation für Elektroautos eröffnet. zvg/Symbolbild

Im Energie-Bezirk Zurzach sind Ladestationen eine Seltenheit. Im Gegensatz etwa zum grenznahen Deutschland. Die Gemeinde Kaiserstuhl will dies nun ändern.

Norwegens Regierung will es wissen: Sie plant ab 2025 einen Zulassungsstopp für Verbrennungsmotoren. Nirgendwo auf der Welt sind Elektroautos beliebter, in keinem anderen Land werden gemessen an der Bevölkerung so viele E-Autos verkauft.

Bereits 15 Prozent der Autos fahren dort mit Strom. 2015 wurden in Norwegen 33 700 Elektroautos zugelassen, in der Schweiz 3882. Laut der Internetseite chargemap.com gibt es in Norwegen 1984 öffentliche Ladestationen. Mit 1768 Stationen hinkt die Schweiz nicht weit hinterher. Dennoch scheint ein Verkaufsverbot für Benziner in weiter Ferne.

Einen Schritt in die Zukunft wagt das Städtchen Kaiserstuhl. Dort soll noch diesen Herbst eine öffentliche Elektro-Ladestation beim Parkplatz Restaurant Kreuz eröffnen. «Öffentliche Lademöglichkeiten sind noch nicht in genügender Anzahl vorhanden und behindern so den erwünschten Wandel» in Richtung Elektro-Mobilität, schreibt die Gemeinde in einer Mitteilung. Tatsächlich: Im Energie-Bezirk Zurzach sind Ladestationen eine Seltenheit. Im Gegensatz etwa zum grenznahen Deutschland.

Im Frühjahr streckte der Kaiserstuhler Stadtrat ein erstes Mal seine Fühler aus. Mit der Absicht, «die Wohnsituation auch für ökologisch interessierte Mieter attraktiv zu gestalten». In der Tiefgarage Blöleboden wären bei entsprechender Nachfrage Ladesteckdosen eingerichtet worden. Viele meldeten ihr grundsätzliches Interesse an einem Elektromobil an, jedoch schien bei niemandem ein unmittelbarer Kauf anzustehen, hiess es nach den ersten Abklärungen.

Öffentlich statt privat

Statt der «privaten» Lösung im Blöleboden gibt es nun eine öffentliche Ladestation beim Restaurant Kreuz. «Dabei kommt es zu einer Kooperation zwischen Wirt und Restaurantbesitzer Daniel Böhler, der Raiffeisenbank Surbtal-Wehntal und der Gemeinde Kaiserstuhl», wie Stadtammann Ruedi Weiss erklärt.

Daniel Böhler bietet mit dem Parkplatz einen attraktiven Standort an. Bereits heute kann man beim Restaurant Kreuz Veloakkus aufladen. Die Raiffeisenbank, die auf dem Areal einen Bancomaten betreibt, tritt als Hauptsponsor auf. Sie ist für die Infrastruktur verantwortlich und investiert in die Ladestation. Die Gemeinde wird den Anschluss sicherstellen. Genauer: die Elektra Kaiserstuhl. Sie ist ein Eigenwirtschaftsbetrieb des Städtchens. Seit einer Reglementsänderung darf sie sich an ökologischen Projekten beteiligen.

«Das Projekt passt zu Kaiserstuhl», sagt Ruedi Weiss, Ammann der Zurzibieter Gemeinde. «Auch, weil wir aus Gründen des Denkmalschutzes nicht auf jedem Dach Solarzellen installieren können.» Apropos Solarzellen: Finanziert wird der Strom der Ladestation aus dem Ökologiefonds. Dieser wird mit den Einnahmen aus der Solaranlage beim Schulhaus Blöleboden betrieben.

Gratis bis 300 Franken pro Jahr

Auf die Strom-Tanker sollen zumindest in der Anfangsphase keine Kosten zukommen. Erfahrungen an anderen Standorten zeigen, dass die Energiekosten minim sind. Trotzdem sollen sich Kunden zur Freischaltung des Strombezugs mittels Kreditkarte oder Handy identifizieren. Auch, damit kein Missbrauch betrieben wird. Konkret heisst das: Die Stromkosten werden bis zu einem Gesamtbetrag von 300 Franken pro Jahr ohne Verrechnung übernommen. Sprich der Ökologiefonds trägt die Kosten. Diese Versuchsphase dauert drei Jahre. «Sollten die Kosten wider Erwarten höher sein, würden wir gemeinsam mit unseren Partnern nach einer Lösung suchen», sagt Weiss.

Die Ladestation ist auf dem neusten Stand der Technik: ein sogenannter Typ-2-Stecker, der 2013 von der EU-Kommission als Standard festgelegt wurde. Auch die Abrechnung der Kosten ist mit der Anlage möglich, falls dereinst die Kunden doch zur Kasse gebeten werden. Ende September oder im Oktober sollte die Ladestation betriebsbereit sein. Die Lademöglichkeiten im Parkhaus Blöleboden sind damit allerdings nicht vom Tisch. «Die Entwicklung im Automobilsektor deutet klar in Richtung umweltfreundlicher Technologien», schreibt die Gemeinde. Laut Stadtammann Weiss ist das Projekt im Blöleboden aufgeschoben, aber keineswegs aufgehoben.

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