Mit der Umstellung zu 6 Jahren Primarschule und 3 Jahren Oberstufe hat sich die Zahl der Oberstufenschüler an den Schulstandorten um einen Viertel verringert. Für eine Bezirksschule braucht es ab Schuljahr 2022/23, nach Ende der Übergangsfrist, im Minimum sechs Klassen mit jeweils 18 Schülerinnen und Schülern. 

Im Bezirk Zurzach führt dies dazu, dass mindestens ein, wenn nicht zwei Bezirksschulstandorte von der Landkarte verschwinden, wegen zu tiefer Schülerzahlen. 

Die Bildungslandschaft im Aargau steht vor weiteren Veränderungen: Diskutiert wird etwa die Verkürzung der Schuldauer bis zur Matura. Was bei Bezirksschülern bedeuten könnte, dass die Bez-Zeit zu Gunsten der Kantonsschulzeit verkürzt wird. Dieses Szenario erwähnt der Grossrat Andreas Meier (CVP, Klingnau) in seiner Interpellation, die er betreffend Standortanforderungen für einen Oberstufenstandort eingereicht hat

«Standortwettbewerb zu Ungunsten Ausbildungsqualität und Effizienz»

«Die Bürger in betroffenen Gemeinden empfinden den Wegfall der Bezirksschule und der Real- und Sekundarschule als Verlust ihrer Standortqualität», hält Meier darin fest. «Im politischen Prozess zur Bestimmung neuer Bezirks- und Oberstufenstandorte wird offensichtlich Standortwettbewerb betrieben, zu Ungunsten der Ausbildungsqualität und der Effizienz.»

Aus pädagogischer Sicht und gemäss einer Studie der Genfer Universität scheine erwiesen, dass ein Sekundarstufenzentrum mit allen drei Leistungszügen, also mit Bez, Sek und Real unter einem Dach, die bessere Lösung sei als verteilte Standorte für die einzelnen Leistungszüge der Oberstufe, so Meier. Volle Pensen für die Lehrpersonen in allen Fächern, optimierte Klassenbildung, grösseres Angebot an Freifächern, ausgeglichener gestaltete Stundenpläne und gezieltere Verkehrsinfrastruktur würden sich positiv auf die Kosteneffizienz auswirken, und namentlich auch die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts spreche für solche Zentren, schreibt Meier.

Bezug zur Aaretaler Oberstufen-Debatte

Die Debatte im Unteren Aaretal spricht er zwar nicht an, man kommt aber nicht umhin, diesen Bezug zu machen. Acht Gemeindeversammlungen stimmen in den nächsten Wochen über die Satzungen des geplanten Gemeindeverbands Oberstufe Aaretal (OSA) ab, der die Schule unter einem Dach der Oberstufe Unteres Aaretal (OSUA) in Klingnau beenden will und der mit der Bez in Kleindöttingen sowie der Sereal in Klingnau und Leuggern nur noch vereinzelte Standorte vorsieht. Das ist denn auch einer der Punkte, welche Kritiker der OSA-Steuergruppe vorwerfen. 

Für Gemeinderäte und Schulpflegen sei es hilfreich, wenn die Aargauer Regierung Kriterien eines Anforderungskataloges festlege und damit den politischen Prozess zur Standortfindung versachliche, argumentiert Andreas Meier in seiner Interpellation. 

Konkret stellt er darin folgende Fragen dem Regierungsrat. 

1. Welche Standortanforderungen gelten für die Sekudarstufen-I, Bezirks-, SeRealschule?

2. Welche Entwicklungsmöglichkeiten sind für jeden Schulstandort wesentlich?

3. Welche Zukunftsszenarien verfolgt der Regierungsrat für die Schulen der Sekundarstufe?

4. Soll beim Szenario einer Reduktion der Schuljahre bis zur Matura bei der Bezirksschul-Zeit gekürzt werden?

5. Will die Regierung bei der Standortwahl eine Stellungnahme und Empfehlung abgeben?

6. Müsste in solchen Evaluationsprozessen nicht die Repla den Lead übernehmen, um die Koordination sämtlicher regionalen Interessen und Bestrebungen zu gewährleisten?