Bei 2-2=1 handelt es sich nicht um die Aufgabe eines Erstklässlers. Geht es nach dem Willen von neun Gemeinden, lautet so die neue Oberstufenformel für die Region im unteren Aaretal. Mit ihrer Zustimmung zur Fusion der Kreisschulen Aaretal und Kirchspiel haben die Gemeinden vor wenigen Tagen den Weg zur Umsetzung geebnet. «Wir besitzen jetzt eine Verbandsgrösse, die uns die bestmöglichen Rahmenbedingungen bietet», sagt Böttsteins Ammann Patrick Gosteli, der die Arbeitsgruppe leitet.

Wenig Verständnis für diese Argumentation bringt man bei der Oberstufe unteres Aaretal (OSUA) auf. Kreisschulpflegepräsident Thomas Angst ist vom Vorpreschen der Gemeindebehörden konsterniert. «Wir wurden schlichtweg übergangen.» Angst befürchtet, sollte das Volk den Vorschlag im nächsten Sommer annehmen, ernsthafte Konsequenzen für den künftigen Schulbetrieb.

«Fadenscheinige Begründung»

Die Bekanntgabe der geplanten Oberstufenstandorte erhitzt derzeit die Gemüter. Mit Klingnau und Leuggern sollen zwei bestehende Bezirksschul-Standorte in der Region unteres Aaretal und Kirchspiel verschwinden. Sämtliche Schüler sollen, geht es nach den Ideen der Initianten, künftig im Schulhaus Rain in Kleindöttingen unterrichtet werden. Die Sekundar- bzw. Realschüler aus Böttstein und Leibstadt gehen ab Sommer 2018 neu in Klingnau und Leuggern zu Schule. Mit diesem Schritt sollen, wie es heisst, die gesetzlichen Vorgaben der Regierung umgesetzt werden.

Die vier Oberstufen-Schulkreise bisher - und die neuen Standorte gemäss dem neuen Vorschlag

Für Thomas Angst handelt es sich hierbei um eine fadenscheinige Begründung. «Bei der Ausarbeitung sind einzig finanzpolitische Interessen und keine pädagogischen Argumente eingeflossen.» Sollte das Konzept so angenommen werden, drohe ein Leistungs- und Stellenabbau, prophezeit Angst.

Die Gemeindevertreter teilen diese Auffassung nicht. Sie betonen, dass sie sich bei der Umsetzung an die Vorgaben des Kantons gehalten haben. Bez-Standorte müssen ab 2022/23 mit mindestens sechs Abteilungen (insgesamt 108 Schüler) unterrichtet werden. Da in Leuggern und Klingnau die geforderten Zahlen nicht mehr erreicht werden dürften, sah man sich zum Handeln gezwungen, sagt Patrick Gosteli.

Hinter verschlossenen Türen verhandelt

Thomas Angst ortet in diesem Verhalten einen Denkfehler. «Die politischen Vertreter sind wie wir vom Volk gewählte Behörden.» Daher sei es höchst eigenartig, dass man die Schule in einem derart wichtigen Prozess nicht mit ins Boot geholt habe. Franco Corsiglia, Schulleiter der OSUA, beklagt ausserdem, dass mit dieser Art der Kommunikation das Vertrauensverhältnis unnötig aufs Spiel gesetzt worden sei. Die Kritik der OSUA-Leute zielt insbesondere an die eigenen Behörden aus Klingnau. Konkret an Bildungsvorsteher Felix Lang, der ein Jahr lang hinter verschlossenen Türen verhandelt hat. «Wir wurden willentlich hintergangen», glaubt Thomas Angst.

Ob unter den gegebenen Voraussetzungen eine weitere Zusammenarbeit zwischen den Parteien möglich ist, wenn es um die Umsetzung des Betriebskonzepts geht, wird sich weisen. Laut Patrick Gosteli sollen die Schulen tatkräftig an der Realisierung mithelfen. Thomas Angst lässt hingegen offen, in welcher Form sich OSUA einbringen möchte. Zunächst sollen die Eltern an einem Anlass informiert werden. «Sie sollen alle Fakten erhalten.»