Der beliebte Waldspielplatz in Endingen wurde vom pensionierten Lehrer Alban Killer in Fronarbeit liebevoll erstellt. Doch nun hat der Kanton Aargau den Abbruch angeordnet. Der Spielplatz sei «zu verzettelt» und verstosse gegen das Gesetz.

AZ-Leserin Sarah Schmid-Kienle hat daraufhin eine Petition lanciert. Sie fordert, dass Gemeinde und Kanton zusammen mit den Bewohnern eine Lösung zur Erhaltung des Flügerlispielplatz suchen. Damit die Petitionsplattform das Anliegen per offiziellem Brief den Verantwortlichen der Gemeinde weiterleitet, müssen 100 Personen innert 30 Tagen das Anliegen unterstützten. Die Petition wird am Montag (Stand 16 Uhr) schon von über 600 Personen unterstützt.

Petitio: Der «Flügerliplatz» soll weiterleben (Endingen)

Der Artikel vom Samstag schlug hohe Wellen, dutzende Leser kommentierten den Artikel und diskutierten. Das sind die Reaktionen der Leser*:

Die Verständnisvollen

Rolf Bombach: «Der heutige Mensch meint, er könne alles machen. Wenn dann was passiert, wird ein Schuldiger bestimmt, welcher dann in Grund und Boden geklagt wird. Daher kann ich den Beschluss der Gemeinde nachvollziehen. Es ist keine Aktion, sondern eine Reaktion auf heutige Verhältnisse.» 

Ws258: «Wenn sich ein Kind verletzt, klagen die Eltern den Erbauer oder die Gemeinde sofort an und verlangen Geld. Daher habe ich volles Verständnis für die Massnahme der Behörde. 

«Die Kinder kommen hier auf andere Ideen»

«Jetzt finden Gespräche statt – wir haben in kurzer Zeit viel erreicht»

Sarah Schmid-Kienle (links) und Deborah Schneider (rechts) setzen sich für den Erhalt des Flügerlispielplatzes ein, im Video-Interview sagen sie, warum und was das gebracht hat.

Die Pragmatiker

Dani Trächsel: «Die Gemeinde könnte doch den Spielplatz in Ihre Obhut übernehmen und die Dorfvereine könnten die Anlage im Wechsel instant halten!»

Diskurs: «Das mit dem Spielplatz tönt natürlich super und gut. Dabei sollte jedoch von Anbeginn an jedem klar gewesen sein, dass man im Wald nicht einfach drauflos bauen kann. Miteinander reden, das beste daraus machen und sich an die Regeln halten - das gilt auch in diesem Fall.

Peter Schmid: Der Gemeinderat war bei der Eröffnung dabei und der zuständige Förster hat grünes Licht gegeben. Kinderspielplätze werden überprüft und somit ist die geforderte und nötige Sicherheit per Norm geregelt. Jemand müsste abklären, wo man die Norm nicht einhält und wie man das Bestehende retten kann.

Die Verärgerten

Wirthomas: «Ich würde gerne die Verantwortlichen sehen, wie sie vor die Gemeinde treten und ihnen sagen, aus welchen Gründen der Spielplatz abgerissen werden soll. Wieso müssen wir etwas abreissen, das seit vielen Jahren nur für Freude, Geselligkeit und Gemeinsamkeit sorgt und die Gemeinde auf vielen Ebenen entlastet und unterstützt? Lieber Abertausende Franken in Standort-Marketing ausgeben. Aber wenn mal jemand zur Tat schreitet, um die Gemeinde aufzuwerten, wird er gestoppt. Wahnsinn.»

Christine Steffen: «Während natürlich AKWs überhaupt keine Gefahr für Natur und Mensch darstellen oder die SBB Glyphosat herumsprühen kann, ist ein Spielplatz, der auch noch allen gefällt, schon ein Ärgernis.»

Johann S.:«‹ ... keine Trägerschaft für die Sicherheit, Haftung und den Rückbau vorhanden› Gute Güte, das ist ein Spielplatz, kein AKW!

Hans Meier: «Hauptsache, man schliesst einen Kinderspielplatz im Wald aus irgendwelchen Gründen, die zumindest auf den ersten Blick völlig unwichtig klingen... und dann wieder jammern, dass die Kinder scheinbar immer mehr den Bezug zur Natur verlieren.»

Peter Schmid: «Oberpeinlich für die Gemeinde. Es gibt keine Trägerschaft, dabei wäre die Gemeinde als Trägerschaft und unterstützende Hand ideal geeignet. Da wird Bedauern ausgedrückt, aber ich werde den Eindruck nicht los, dass man hier auf der Gemeinde keinen blassen Schimmer hat, was so ein Spielplatz für eine Bedeutung – auch für die nähere Region – hat.  

Die Nostalgiker

Monja Sennhauser:«Mir fehlen einfach die Worte. Was muss sonst noch alles den Normen entsprechen? Kleider? Kinderzimmer? Wenn ein Mensch nicht den heutigen Normen entspricht, muss er dann auch weg? Sinneserfahrungen in der Natur sind sehr wichtig für die Entwicklung des Kindes. Der ganze Wald ist ein Spielplatz und ein Ort um aufzutanken, zu lernen, Erfahrungen zu machen, seine Grenzen zu  erkunden, all dies um eine gesunde Entwicklung zu erlangen. Das war schon zu meiner Zeit so!»

Beat Badertscher:«Früher bauten wir Baumhütten im Wald, doch das dürfen die Jungen von Gesetzes wegen nicht mehr. Dafür besprühen sie heute Hausfassaden und Züge.

Olympe de Gouges: Hoffentlich wehrt man sich gegen einen solchen Mumpitz! Überall sollen vernünftige Sachen verboten und abgestraft werden. Das Spielen im Wald ist auf jeden Fall der Stubenhockerei und dem Medienkonsum vorzuziehen! Ich habe dazumal oft im "Wald und auf der Heide" spielen dürfen! (hap)

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