Waldshut-Tiengen

Oberbürgermeister Philipp Frank: «Ich war Krisenmanager vom ersten Tag an»

Oberbürgermeister Philipp Frank (l.) aus Waldshut-Tiengen mit Kai Oldenburg und Juliane Schlichter vom «Südkurier».

Oberbürgermeister Philipp Frank (l.) aus Waldshut-Tiengen mit Kai Oldenburg und Juliane Schlichter vom «Südkurier».

Der Waldshuter Oberbürgermeister spricht im Interview über die Spitalrettung, die Freibad-Sanierung und ein neues Einkaufszentrum.

Herr Frank, Sie sind nun vier Jahre Oberbürgermeister von Waldshut-Tiengen. Wie lautet Ihr Fazit zur Halbzeit?

Philipp Frank: Es war eine arbeitsreiche, aber auch lehrreiche Zeit, die geprägt war von grossen Herausforderungen. Die grösste war sicher das Spital. Ich war kaum drei Stunden im Amt, da galt es, aus dem Stand dreieinhalb oder noch mehr Millionen Euro aufzubringen, um im kommenden Monat die Gehälter der damals 900 Beschäftigten in den beiden Häusern Waldshut und Bad Säckingen bezahlen zu können. Ich war vom ersten Tag an als Krisenmanager gefordert, um die Zahlungsunfähigkeit der Krankenhausgesellschaft abzuwenden.

Ein markantes Ereignis war auch der Bürgerentscheid 2018, bei dem sich die Waldshuter für den Erhalt beider Freibäder aussprachen. Wo steht die Planung?

Nach dem Bürgerentscheid haben wir eine Arbeitsgruppe eingerichtet, in der auch Pro Freibad vertreten ist. Es hat eine europaweite Ausschreibung stattgefunden, die das Schweizer Planungsbüro Hunziker für sich entschieden hat.

Sie haben im Frühsommer den Einzug in den Waldshuter Kreistag verpasst. Haben Sie diese Niederlage inzwischen verkraftet?

Verkraftet ja, aber es war eine herbe Enttäuschung für mich. Gerne hätte ich die Interessen der Grossen Kreisstadt auch im Kreistag vertreten und die Entwicklung des Landkreises dort mitgestaltet. Immerhin sind wir grösster Kreisumlagezahler.

Wann kommt das von vielen geforderte dritte Parkhaus?

Dann, wenn der Gemeinderat dessen Bau beschlossen hätte – als eine von mehreren Massnahmen zur Entspannung der Parkraumproblematik in Waldshut. Hier verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz, in dem ein möglicherweise weiteres Parkhaus ein Baustein ist. Vorab wollen wir Antworten auf Fragen wie: Ist das Parkverhalten änderbar?

Können wir die Menschen zum Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel bewegen? Anfang nächsten Jahres wollen wir einen Vorschlag unterbreiten, aus dem sich Massnahmen ableiten lassen – unter anderem der Bau eines weiteren Parkhauses.

Die Sanierung der Kolpingbrücke beim Bahnhof in Waldshut dauert deutlich länger als geplant. Wäre es nicht besser gewesen, einen realistischeren Zeitpunkt für das Ende der Baumassnahme zu kommunizieren, als immer wieder neue Daten zu nennen?

Im Nachhinein ist man immer schlauer. Diese Sanierung ist ein hoch anspruchsvolles Projekt, bei dem wir uns immer wieder mit neuen unerwarteten Sachverhalten konfrontiert sahen. Dieser Macht des Faktischen hatten wir uns zu stellen. Aber ja, es wäre schön gewesen, wenn wir eine Punktlandung hinbekommen hätten.

Sie haben auf dem Waldshuter Aarberg gebaut. Fühlen Sie sich in der Bergstadt wohl?

Ja, wir – meine Frau, meine Söhne und ich – fühlen uns dort sehr wohl. Es ist dort sehr grün, ruhig und familiär. Ausserdem ist es der ideale Standort für meine Funktion als Oberbürgermeister, ich bin sowohl schnell unten in Waldshut als auch drüben in Tiengen. Es war die richtige Entscheidung, dorthin zu ziehen.

Wie weit sind die Überlegungen für ein weiteres Baugebiet auf dem Aarberg, also die «Bergstadt IV»?

Waldshut-Tiengen ist eine Stadt mit anhaltender Nachfrage nach Baugrund. Eine «Bergstadt IV» könnte zum Thema werden, was aber sicher nicht schnell und einfach ausdiskutiert wäre. Denn so ein Vorhaben wäre mit weiterem Landschaftsverbrauch und nicht unerheblichen Folgekosten im Infrastrukturbereich verbunden, vor allem bei den Kitas und Schulen.

Was sind Ihre Visionen für die zweite Hälfte Ihrer Amtszeit? Wie soll sich Waldshut-Tiengen am Ende Ihrer ersten Amtszeit entwickelt haben?

Mir ist wichtig, dass wir die begonnenen Projekte gut zum Abschluss bringen. Dazu gehört auch die Sanierung unserer beiden Freibäder. Was das Einkaufszentrum Klettgau-Carreé angeht, das grosse Leuchtturmprojekt für Tiengen, hoffe ich, dass es uns gelingt, während der zweijährigen Bauzeit die Beeinträchtigungen für den Handel so gut als möglich zu kompensieren.

Ich wünsche mir, dass wir bei der Bundesautobahn A98 den Durchbruch schaffen, durch die Erarbeitung einer konsensfähigen Vorzugsvariante. Und dass wir bei der Elektrifizierung der Hochrheinbahn – mit dem Haltepunkt Waldshut-West – den anvisierten Zeitplan halten. Überhaupt sind der öffentliche Personennahverkehr und das Radwegenetz ganz grosse Themen für die nächsten Jahre.

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